Über die Arbeit

Während meiner Arbeits-Zeit habe ich mich an den Tagen am lebendigsten gefühlt, wenn ich bis 2 Uhr nachts im Büro sass weil nach einem Tag, an dem ich mehr oder weniger ausser Haus war auf den nächsten Tag drei Zeitungsseiten gestaltet, 20 Magazinseiten zum Layout freigegeben und zwei Texte zum Gut zum Druck verschickt werden mussten. Man ist wer, man ist wichtig, wenn sogar der Chefredaktor vor einem nach Hause fährt. Natürlich geht sowas nur kurzfristig und das krasse Gegenteil, nämlich Däumchen drehen und warten, war viel häufiger der Fall. Solche Tage raubten mir völlig die Energie im Vergleich zu den erstgenannten, adrenalingeladenen Einsätzen. Und heute? Ich arbeite nicht bis 2 Uhr, nein, um 2 Uhr stehe ich bereits zum zweiten Mal auf und danach nochmals zwei mal. Als Mutter erledige ich einen 24/7-Job ohne Zvieripause und Wochenende. Ausschlafen? Was ist das? Wer bis 10 Uhr morgens im Bett liegt ist ein Schmarotzer und Tunichtgut! Oder so… Auf jeden Fall eine Belastung für die Gesellschaft, ja ja. Und jetzt das leidige Thema, ob Mütter zurück in die Mühlen sollen: Wenn sie nach der Kita-Rechnung noch Geld übrig haben, das sie brauchen um Reis und Mehl zu kaufen, dann von mir aus. Ist nicht mein Bier. Ist deren Problem, wenn sie das Wunschkind nur 2h täglich sehen und es sie erst nach drei Jahren Mama ruft, weil man ihm das so sagt. Wenn eine Mutter es für sich so zwei Tage die Woche tut, sieht es anders aus. Was ich hingegen nicht verstehe, sind Mütter, die wieder 100% in den Job zurückkehren und behaupten es wäre für sie und das Kind gut. Es ist für beide nicht gut. Auch wenn die Mutter behauptet, sich am Wochenende ganz besonders viel Zeit zu nehmen für das Kind und zufriedener sei als die ungepflegte Vollzeitmutti. Es ist purer Egoismus, mehr als nötig zu arbeiten. Mutterschaft aber ist zu 99% Altruismus. Man muss so gut wie allem entsagen, was man vorher hatte. Man lebt plötzlich in Ego-Askese. So muss es eine Weile lang eben sein. Das Leben kommt dann schrittweise wieder zurück. Ich war und bin noch nicht wirklich bereit, mich so aufzugeben. Niemand hat mich darauf vorbereitet. Und deshalb ist es so schwer, wenn man zum ersten Mal Mutter wird. Deshalb ist dieser Job der härteste von allen. Weil es an die Substanz geht, wenn dein Kind weint und weint und du es nicht beruhigen kannst. Es trifft dich ganz tief in deiner Seele. Und du existierst nur noch, um dieses kleine Wesen zu versorgen. Aber es hätte auch nichts genutzt, wenn mir das jemand gesagt hätte, denn wer glaubt das schon? Wie auch immer: Mütter die arbeiten gehen, flüchten ins kleinere Übel. Respekt vor denen, die sich der Vollzeit-Beschäftigung als Mami stellen. Sie werden zu richtig starken, belastbaren Frauen, die nachher keiner mehr anstellt. Seltsame Welt…

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