Ein Jammertal?

Eine befreundete Mutter hat mir den Kopf gewaschen. Ich hab’s wohl verdient. Ich jammere zu oft und zu ausgiebig. Weil das Kind nie nirgends gscheit schläft, weil’s mich beansprucht, weil ich müde bin, weil weil weil… Sie hat recht. Ich jammere wirklich viel. Dabei geht’s mir ja gut. Ich habe keine Cholera und bin kein Sozialfall, mein Kind ist gesund, ich auch und überhaupt, wie viele Menschen wünschen sich ein Kind und bekommen keins…? Klar. Aber es ist eben meine Perspektive, meine ganz subjektive Ansicht. Mir gings im Leben nicht so viel schlimmer und wenn dann nur ganz kurz. Und ich will auch gar nicht wissen wie’s schlimmer wäre. Ich weiss nur wie’s besser wäre und deshalb suhle ich mich eben gut und gerne etwas in Selbstmitleid. Wenn ich auch sonst nicht viel kann, das liegt mir. Ihr dürft auch mit faulen Eiern auf mich werfen ab und zu. Ich werde dann darüber und über mich lachen. Das kann ich nämlich auch, das ist nicht jedem gegeben. Eins will ich jetzt auf jeden Fall klarstellen: Egal wie sehr ich hier moniere, meckere, miesepetre, den Teufel an die Wand male und so weiter… Ich bin glücklich. Ich gehe abends glücklich zu Bett und wache morgens zwar hundskaputt aber glücklich auf. Das schliesst sich ja alles nicht aus. Ich bin nicht mehr die halbe Nacht nervös, weil im Job irgendeine Herausforderung wartet, der ich mich nicht gewachsen fühle. Ich muss mich nur noch vor mir selber verantworten. Es ist also vieles besser… und vieles schwieriger. Aber anders. Und das Wichtigste: Ich bin glücklich. Ich wollte eine Familie. Ich habe sie. Einen tollen Mann, ein tolles Kind, ein Dach über dem Kopf, wenn auch kein Haus, aber für den Moment passt es so. Und ich will mindestens noch ein Kind wenn es uns vergönnt ist. Ich muss mich einfach mit dem neuen Leben anfreunden. Es ist nicht einfach aber es wäre dann wahrscheinlich auch nicht so spannend. Nur etwas bedaure ich trotzdem: Dass mein Mann und ich uns die Erwerbsarbeit, v.a. aber die Kinderbetreuung nicht mehr teilen können. Ich habe immer gesagt, dass ich das klassische Rollenmodell bevorzuge weil ich keine Karrierefrau bin. Ich wäre vielleicht gerne eine geworden, wusste aber immer, dass ich dafür zu wenig Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein habe. Zu wenig Mumm. Zu wenig Kreativität. Aber ich habe nicht ungerne gearbeitet. Am besten gefiel es mir am Schalter in der Bank, wo ich einfach nur Leute bedient habe. Die geistige Nahrung habe ich mir dann einfach per Zeitschriftenkonsum und Sudokolösen zugeführt wenn grad keine Leute bedient werden wollten. Ich will auch gar nicht mehr 100% arbeiten. Dafür war ich immer schon zu faul. Aber so ein bisschen mehr als jetzt wäre OK. Weil man halt nur vom Mutter- und Hausfrauendasein nicht so wahnsinnig viel „mitnimmt“. Mein Mann geht aus dem Haus und kommt Abends mit einem Sack voller Erlebnisse nach Hause. Er wurde gefordert. Ich auch, aber anders. Und drum bin ich abends nicht die perfekte Ehefrau, die ihren Mann mit einem leckeren Dreigänger und einem strahlenden Lächeln begrüsst. Meist bin ich total genervt, komplett derangiert und das Essen muss er selber kochen. Deshalb wäre es schön, wenn Mann und Frau gleich viel Zeit mit Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit verbringen würden. Ich denke, dass davon alle profitieren würden. Leider ist es Wunschdenken… Und ich werde weiterhin ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich meinen Sohn abgebe, nur um zu arbeiten. Ein noch schlechteres Gewissen hätte ich allerdings, wenn ich ihn abgeben würde, nur um Zeit für mich zu haben. Mein Mann hat die ja auch nicht. Aber ich merke, dass ich nach einem Nachmittag ohne mein Kind erholter bin. Und meinen Mann wenigstens mit einem Lächeln begrüssen kann. Das klingt doof. Man wollte ja das Kind und braucht dennoch mal eine Pause davon? Irgendwie widerspricht sich das und ich weiss nicht genau, was ich mit diesem Gefühl anfangen soll. Bin ich deswegen eine schlechte Mutter? Weil ich Pausen brauche vom Muttersein? Und warum können Männer so gut damit umgehen, eigentlich Dauerpause zu haben. Den ganzen Tag vom Kind getrennt zu sein, das könnte ich dann doch nicht! Morgen muss ich. Ich werde berichten… Jetzt mach‘ ich Schluss, ich könnte noch stundenlang sinnieren. Leider schläft der Kleine dafür nicht lange genug 😉

2 Kommentare zu “

  1. Hi Tamara,
    bin über Tanja`s Seite auf deine Blog's gestossen. Verkopf dich nicht so viel, kann nur sagen du schreibst mir aus der Seele und ich glaube vielen anderen auch. ob sie es zugeben oder nicht)Mach weiter so. Wie du schon schreibst, sie schalfen nicht so lange sonst hätten wir viel mehr Zeit zum grübel. 🙂 Lg Marion

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  2. Marion vom PeKiP? 🙂 Falls ja, ich habe leider keine Mailadresse von Dir, da sie mir Birgit nicht gab. Ich wollte Dich nämlich eh mal kontaktieren und fragen ob wir mal zusammen spazieren gehen, da Du ja auch (noch?) in Schaanwald wohnst 🙂 Also wenn Du das liest, melde Dich doch! 🙂

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