Heute mal ’ne Buchrezension: „Kinderkacke“

Bei einer meiner Recherchen bin ich auf dieses Buch gestossen und musste es sofort bestellen und sofort (also in mehreren Tagen, aber ich war seeehr schnell) lesen. Mein Fazit: Super! Kaum eine Seite, auf der ich mich nicht wieder erkenne, kaum eine Seite, nach der ich nicht schmunzeln oder lachen muss. Die Autoren schreiben mir von der Seele und lassen sich so richtig schön aus über die Seiten des Kinderkriegens und -habens, die in der Öffentlichkeit sonst kaum einer so direkt und ungeschönt anspricht. Genial, dass sowohl Frau als auch Mann zu Wort kommen (Die einen Kapitel stammen von Julia, die anderen von Thomas) und wie sie ein und die selbe Situation aus der eigenen Perspektive beschreiben.

Das Buch fängt schon gut an: Jeder sucht den anderen. Die Frau schläft wohl gerade, der Mann hat sich zurückgezogen, die beiden suchen ihre Beziehung und finden sie nicht wieder. Derweil beherrschen zwei Tyrannen in Kindergestalt ihren Alltag. Klar ist es hier etwas überspitzt und da etwas eklig aber wer selbst Kinder hat, kennt sich damit bestens aus. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen. Sex kommt genau so zur Sprache wie andere Körperlichkeiten.

Ein paar Zitate (gekürzt/leicht abgeändert):

„Die Eltern stellen ihre Babyfotos ins Netz und direkt darunter finden sich in den Kommentaren immer Verzückungsschreie wie „ach, was für ein Engel“ oder gern auch „süüüüüüüüssss“. Die Urheber dieses Gesülzes sind grundsätzlich Frauen. Wahrscheinlich bereiten sie sich so innerlich auf ihre eigene Mutterschaft vor. Und womöglich ist ihre Mitfreude besonders gross weil sie ja selbst nicht ranmüssen, weil sie insgeheim hoffen und wissen, dass noch diverse durchfeierte und durchvögelte Jahre vor ihnen liegen. Diese Schweine!“

„Ich philosophiere mit jungen Müttern beim Tee. Keine springt gleich auf das Thema Beckenboden an, aber ich merke an den Blicken, dass da auch bei ihnen was ist. Ich formuliere es höflich und sage: „Mein Inneres ist noch so weich.“ Dabei meine ich: „Mein Beckenboden hängt mir bis zum Arsch, und Sex macht mir auch keinen Spass mehr.“ Und ernte ein Kopfnicken.“

„Endlich Abend! Wir haben den Sonntag überstanden. Aus Verzweiflung haben wir schon um fünf Uhr nachmittags einen Rotwein geöffnet. Jetzt schlafen die Kleinen. Die Müdigkeit macht sich auch bei uns breit. Dennoch möchte ich noch was machen. Vielleicht könnte man sich ja näherkommen? Oder wenigstens zusammen einen Film anschauen? Aber meine Frau ist müde, steht seltsam schief in der Landschaft, die Augen sind zwar offen, aber darin tut sich nichts mehr.“

Da gäbe es noch mehr, aber sehe ich so aus als hätte ich die Zeit, nochmals das ganze Buch durchzuackern? Eben… Deshalb: Selber lesen! Unbedingt!

Fazit: Das Buch ist Balsam für jede geschundene Elternseele. Wir sind nicht allein! Endlich spricht jemand laut aus, was vorher keiner zu sagen traute. Endlich ist mal jemand offen und gibt zu, wie hart die Elternrolle sein kann. Respekt vor diesem Seelenstriptease eines Elternpaars, das seinen Humor noch nicht verloren hat. Nein, ganz aufgeben tun wir Eltern (uns) nicht.

Julia Heilmann & Thomas Lindemann: Kinderkacke – Das ehrliche Elternbuch; Hoffmann und Campe

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