Eine turbo-lente, natürliche Geburt

Meine Tochter wird einmal Rennfahrerin. Oder wählt die Grünen. Denn sie wollte ganz schnell raus in die Welt, so schnell, dass ihre schmerzempfindliche Mutter sich keine Schmerzmittel mehr wünschen konnte. Ich durfte eine ganz und gar natürliche Geburt erleben. Es war… heftig!
Es war am Abend des 19. Dezembers als ich leicht rötliche Spuren bemerkte nachdem ich auf der Toilette war. Es war mir trotzdem noch nicht richtig bewusst, dass es bald losgehen würde. Wir schauten fern, gingen zu Bett. Um Mitternacht bekam ich alle 8 Minuten periodenähnliche Schmerzen. Aushaltbar bis 1 Uhr. Dann ging es schnell. Ich verlor Fruchtwasser, mein Mann rief seine Mutter an, sie kam prompt während die Wehen, jetzt klar als solche erkennbar, heftiger wurden und in kürzeren Abständen kamen. Die Mutter war schnell da, wir fuhren los – eine Nacht bevor die Schneeverhältnisse uns wohl nicht mehr ins Spital gebracht hätten. Unterwegs rief ich die Hebamme an und bat sie, alles für eine PDA vorzubereiten. Ich konnte die Schmerzen kaum ertragen. Sie verstand mich nicht ganz, verstand nur, dass es ernst wurde, was ich aber nicht ahnte. Dennoch zum guten Glück, denn anders als bei meinem Sohn musste ich nicht selber zur Geburtenabteilung laufen, sie stand mit einem Rollstuhl bereit – wie im Film! Es war einiges nach 2 Uhr. Auf mein Hilfebetteln reagierte sie nicht, sie wollte zuerst mich und das Kind ansehen. Also Herztöne checken, Muttermund abtasten. Keine PDA, schon 9 cm, es geht gleich los. Genau dieses Szenario habe ich immer befürchtet. Ich verzweifelte, sie wollte mir ein krampflösendes Mittel spritzen. Zu spät. Presswehen. Kurz vor 2.30 Uhr lag mein Mädchen in meinen Armen und ich war erleichtert als hätte ich gerade den Mount Everest bezwungen – ohne Sauerstoff. Mein Frauenarzt schaffte es nicht mehr, er kam kurz danach und begann meine Risse zu vernähen. Das wohl intensivste Erlebnis lag hinter mir. Ich bin sicher, dass ich das ganze Krankenhaus zusammengeschrien habe. Es war mir unglaublich peinlich aber ich hatte das Gefühl, gerade durch die Hölle gegangen zu sein. Vergessen war es schnell, das Mädchen in meinen Armen war zufrieden und wach, ich war glücklich und überwältigt. Die Kleine hatte mich regelrecht überrumpelt!

Ein Kommentar zu “Eine turbo-lente, natürliche Geburt

  1. Herzliche Gratulation zur kleinen Maus. Ja solch eine Geburt kenne ich….mein drittes war auch so. Innert 1 1/2 Stunden war sie da…….es war heftig, hatte kaum Zeit zum atmen (oder hab was falsch gemacht??). Die Hebamme hat immer wieder gesagt, dass ich atmen soll – ich hab nur gefragt „wann den – es kommen Wehen ohne Unterbruch….“…..Konnte auch keine Schmerzmittel bekommen, ging alles zu schnell. Dafür war es danach überstanden :-). Lieber so, als x Stunden in den Wehen und es geht nix vorwärts.
    Schön das du noch weiterschreibst 🙂 Lese gerne mit.
    liebe Grüsse Sarina

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s