Wie sich das Leben mit Kindern verändert…

…eine unvollständige Liste – in Frageform:
– Was ist Nagellack?
– Wie schmeckt ein Long Island Ice Tea?
– Und wie fühlt sich der Kater danach an? (Etwas, das man nicht vermisst 😉
– Was läuft gerade im Kino?
– Warum muss man „How I met your Mother“ unbedingt sehen? (Immerhin weiss ich, dass es sich um eine TV-Serie handelt 😉
– Wann ist besagter TV das letzte Mal an gewesen?
– Was für ein Wochentag ist heute?
– Wie fühlt es sich an, auf hohen Schuhen zu gehen? Oder überhaupt in Schuhen, die nicht über das Attribut Freizeit verfügen?
– Wie sehe ich aus wenn ich geschminkt bin?
– Wie riechen meine vielen Parfums?
– Kann ich die überhaupt noch benutzen? Und wird mein Make-Up in einem Jahr noch nutzbar sein? (Plan für die Zukunft: Irgendwann mal wieder welches benutzen. Täglich)
– Das mit dem Nagellack hatte ich erwähnt? A propos: Gibt es welchen, der Haushalt und Kinder länger als 2 Stunden überlebt?
– Das letzte Mal als ich einen Rock/ein Kleid trug, war wann nochmal?
– Wie fühlt es sich an, nachts um 4 Uhr in einer Bar/auf einer Party/sonstwo, nur nicht zuhause zu sein? Und zwar tanzend/feiernd/trinkend und nicht stillend/tröstend/Nuggi steckend?
– Wann kann ich endlich wieder Chanel/Louis Vuitton/Longchamp am Arm tragen und nicht Lässig/Maxi Cosi/das Kind?
– Was ist ein Couchtisch? Man kann da Getränke raufstellen? In Gläsern? Mit Alkohol gefüllt??? Und Erdnüsse dazu?????
– Der kann Ecken und Kanten haben? Und trägt keine lustigen IKEA-Patschehändchen aus der Patrull-Serie zum Schutz vor Kopfwunden??
– Wird das Bewusstsein, alles, was lieb und teuer ist oder sonstwie kaputt gehen/gegessen werden könnte, in einer Höhe von über 1,20 m unterzubringen, irgendwann verschwinden?
– Wann müssen Schranktüren in Kinderhändegriffweite nicht mehr verriegelt werden? Pfannenstiele und Messer nach hinten gekehrt/verschoben werden??
– Wie lange ist das Auto noch eine fahrende Müllhalde? Und kann aus Essensresten von Müsliriegeln, Reiswaffeln und Laugengipfeln neues Leben entstehen??
– Wie viele Abfallmarken benötigt ein Haushalt mit zwei windelntragenden Kindern pro Jahr? Und wie viele Säcke?
– Tragen ständig unterbrochene Gedanken/Sätze/Unterhaltungen zu einer Verbesserung der Gehirnleistung bei oder eher zu einer Verschlechterung?
– Gibt es die Schwangerschafts- bzw. Stilldemenz tatsächlich oder werde ich einfach immer doofer? Liegt es daran, dass ich keiner vernünftigen Arbeit mehr nachgehe?
– Was zum Geier treibt die Leute an, sich täglich über das Weltgeschehen zu informieren? Ist es wirklich wichtig, was gerade in Aghanistan/Fukushima/Nordkorea passiert? Ist es wichtig für jemanden, der froh sein muss, wenn er sich merken kann, dass er noch Windeln/Quark/Stilltee besorgen muss?
– Sind Mütter dicker weil sie immer den Lift benützen müssen um Kinder/Maxi Cosi/Kinderwagen/Wickeltasche in diverse Stockwerke zu transportieren?
– Wird der Körper sich später wieder daran gewöhnen, mehr als fünf Stunden am Stück durchschlafen zu können?
– Wird er sich an Sport gewöhnen? Und an Diäten? Schokoladefreie Zeiten?
– Fühlen wir uns überflüssig sobald das Kind alleine aufs Klo gehen und sich selber anziehen kann? Wird es wehtun? Fest wehtun?
– Was ist Powershopping? Kann ich das bitte haben?
– Was ist ein Wellnessweekend? Ohne Kinder? Haben!
– Was ist Luxus? Ein Glas Latte Macchiato und Ruhe? Ein Klatschheftli. Und Ruhe. Stricken. In Ruhe. Eine Trainingsstunde. Und Duschen! Ein Candle Light Dinner. Zuhause. Während die Kinder schlafen. Und seien es nur Nudeln.
– Werde ich je wieder fähig sein, zu arbeiten. Mit dem Kopf und dabei Geld verdienen?? Und es in etwas investieren, dass für mich ist?
– Können wir uns eine Putzfrau leisten?
– Kann ich das gelbe Büchlein mal archivieren – und gegen Krieg und Frieden eintauschen? Oder Ulysses?
– Wann kann ich wieder damit aufhören, die Versandkataloge ungelesen in den Papierkorb zu werfen?
– Kommt ein Tag, an dem ich im H&M nicht mehr in der Kinderkleiderabteilung herumschleiche sondern in der Abteilung Damen?
– Kommt ein Tag, an dem ich wieder durch die Zürcher Bahnhofstrasse flaniere? Und zugfahrend dahin komme?
– Und im Globus einkaufe und nicht im Purzelbär?
– Und mir mittags im Mc einen Cheeseburger gönne? Alleine.
– Werde ich je wieder Mawashi Geris üben? Die Tsuki no Kata laufen? Liegestütze auf meinen Fingerknöcheln machen? 50 davon. Und 100 Bauchklappen. Und meinem Gegner kräftig einen in die Magengegend hauen, dass ihm die Luft wegbleibt?
– Zur Prüfung antreten. 1. kyu. Dann 1. Dan?
– ins Karatelager fahren? Und vielleicht meinen Sohn grad mitnehmen weil er auch trainiert *g*? Würde er das wollen? *gg*
– einen Weiberabend machen mit einigen Grey’s-Episoden? Oder dem neuen SATC-Film?
– Darf ich mal wieder die Schulbank drücken? Oder mit 60 wieder an die Uni gehen und nochmals studieren? Medizin zum Beispiel! Oder einfach nochmals Japanologie und Publizistik? Weil’s halt doch verdammt cool ist, einfach nur Wissen aufzusaugen, zu lernen, Studi zu sein und Bücher zu wälzen? Und auf’s Trämli zu rennen!
– Werde ich das alles überhaupt wollen und auch tun, wenn ich es dann wieder kann?
to be continued

Tja, die Zeiten ändern sich. Das Leben auch. Noch vermisse ich diese Dinge. Aber irgendwie gar nicht mehr so doll. Ich habe gelernt, damit umzugehen, dass nun vieles (alles?) anders ist. Ich fühle mich insgesamt, denke ich, sehr glücklich. Vielleicht sogar glücklicher als zuvor. Weil ich nicht mehr irgendwo für irgendwen arbeite. Sondern das tue, was ich eigentlich immer wollte. Mit allen Konsequenzen. Harten Konsequenzen. Aber doch tue ich es für mich. Und Druck mache auch nur ich. Ich allein. Ich bin raus aus dem Hamsterrad. Meine Tage gestalte ich jetzt selber. Ich habe viel aufgegeben. Alles? Ich habe viel dazugewonnen. Ich habe getauscht, eigentlich auch nur auf Zeit. Zeit ist relativ. Gerade mit Kindern. Herausgefordert werde ich immer noch täglich. Anders. Aber doch. Nichts wiederholt sich, wirklich. Die Kinder wachsen, verändern sich. Es ist spannend. Es nimmt einen ganz ein. Manchmal fehlt mir der Job, Bruchteile davon. Möchte ich zurück? Nein. Zu vieles ist ärgerlich, nervenaufreibend. Und seit ich raus bin, habe ich kaum mehr Kopfschmerzen. Ich denke das ist ein gutes Zeichen! Ich vermisse das Geld, das ich selber verdient habe, die Unabhängigkeit, die Ungebundenheit. Aber irgendwann kommt alles zurück. Es kommt in kleinen Stücken zurück. Aber es kommt. Jeden Tag. Und es geht mir gut. Es geht mir sehr gut. Es geht mir jeden Tag besser. Kann kommen, was wolle. Ich bin gewachsen. Heute ist ein guter Tag. Jeder Tag wird gut. Jede Nacht. Ich denke positiv. Und: Ja, Ihr könnt mir diese Worte um den Kopf hauen, wenn ich an dieser Stelle mal wieder lamentieren sollte über schlaflose Nächte, kranke/trotzende/zahnende Kinder und alles mögliche Leid. Ja, das könnt Ihr gerne machen, ist OK, völlig OK. Jetzt nämlich lache ich noch darüber – aus vollem Hals.

PS: Nein, ich habe nichts genommen. Nur Schokolade und Eistee. Was glaubt Ihr denn!?

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