An Tagen wie diesem…

…hege ich Gedanken, die hier nicht unbedingt alle hingehören. Wenn Junior unablässig ruft „will Gras go“ und das Baby unentwegt weint, alleine auf dem Boden und ich nicht mal aufs Klo kann, Bauchweh bekomme, alle anschreie und mir am liebsten die Haare einzeln ausreissen würde, dann sind meine Bungee-Drahtseil-Nerven kurz vor dem GAU. Ja, nach einer Zeit voller Glückseligkeit ist mal wieder ein negativer, nichts verschönernder Blogeintrag angesagt, jawohl, das darf ich! Sonst bekomme ich glaube ich ein Magengeschwür. Noch über zwei Jahre bis mein Sohn in den Kindergarten kommt!? Wie zum Geier soll ich das aushalten? Und nochmals über vier Jahre bis meine Tochter soweit ist? Ja, ich weiss, in zwei Jahren sieht die Welt wieder ganz anders aus aber kleiner werden die Probleme deshalb nicht, oder? Im Moment fällt mir sogar das Warten bis zur vollen Akzeptanz der Beikost meiner Tochter, verbunden mit der Möglichkeit, sie auch mal jemand anderem zu überlassen, schwer. Nur: Würde ich sie da lassen, wenn sie fremdet und weint? Eben. Nur: zuhause muss sie nun auch mal öfter und länger weinen, attachement parenting zum trotz. Nur eine gesunde Mutter kann eine gute Mutter sein. Mein Mann und ich hätten, wäre die Elternschaft ein Job, längst Burn-out angemeldet und sässen jetzt auf Mauritius, den Malediven oder so unter Palmen, Cocktails schlürfend. Hach! Hehrer Wunschtraum, wann wirst Du Wirklichkeit? Einmal mit meinem Liebsten einen dieser Traumstrände erleben, plus 5*-Superior-Pfahlsuite mit Butlerservice, dann kann ich sterben. Muttersein kann ja so hart sein. Den doppelten seines Lohnes hätte ich verdient, meinte gestern mein Mann. Ja, wann endlich werden wir entlöhnt für das Grossziehen der nächsten Generation, Arbeitskräfte, Rädelsführer? Superstars? Wann? Wäre nicht am Ende jedes Tages alles wieder gut weil alle im Bett und ich endlich wieder ich oder vielleicht eher Meredith Grey oder Addison Montgomery weil ich gar nicht mehr weiss, wer ich bin da ich im Moment nur in Symbiose mit zwei kleineren Wesen existiere, ja, dann müsste ich kapitulieren. Nimmt mal jmd meine Tochter auf den Arm, fürchte ich mich vor dem Moment, in dem die Person sagt: „Möchtest Du wieder zu Mama?“ Neiiiin, möchte sie nicht! Sie war den ganzen Tag auf mir, sie will jetzt bei dir bleiben, denn du trägst nicht dauernd ein Kind mit dir rum. Bitteee, nur noch ein paar Minuten! Warum sind wir keine Känguruhs und jeder, der Platz hat, nimmt mal schnell das Baby zu sich in den Sack, wenn die Mama grad nicht kann/will…!? Positiver Einschub: Jetzt ist grad ein Moment, in dem ich auch tagsüber mal zur Ruhe komme: Sohnemann schläft im KiWa und Tochter amüsiert sich mit der Matte am Boden. Yay!!! Warum kann das nicht öfter/länger so sein? Wenn ich das alles schreibe, mich umhöre und verkehre bei anderen Müttern, schwingt bei mir und nur bei mir, immer dieser fiese Hintergedanke mit, dass ich allein offenbar nicht fähig bin, mit den Kindern klazukommen. Dass ich allein sie schlecht gar nicht erziehe. Anders liesse sich nicht erklären, dass sie so furchtbar anstrengend sind. Ich weiss, es gibt glückselige Vollzeitsuperübermamas, die keine Sekunde ohne ihre Kinder verbringen möchten und es gibt Pflegeleichtestkinderlein, die kein Pipapo machen, den ganzen Tag nicht, es sei denn sie sind krank. Ich wünschte mir von beidem nur eine klitzekleine Portion, einen kleinen Anteil davon mehr an mir und den Kindern. Solange sich das nicht ändert, bleibe ich wohl bei der Schokolade. Meine alte Figur, mein altes Leben, beides muss wohl noch lange Zeit warten. Ich bitte alle mir Nahe stehenden um Geduld. Viel Geduld! Im Nachhinein ist alles halb so wild, erscheint immer alles rosiger als es war. Nur die Schokolade, die ist dann leider schon verputzt… und ich ärgere mich dann über mich selbst, wie immer.

3 Kommentare zu “An Tagen wie diesem…

  1. Vielleicht müsste man als Mutter einfach mal die eigene Einstellung versuchen zu ändern. Es ist nun mal leider so, dass das Verhalten der Erwachsenen, sofort auf das Verhalten der Kinder einen Einfluss hat.
    Deine Gedanken:
    – es geht noch 2 Jahre bis der kleine in den Kiga kommt, wie soll ich das aushalten?
    – wann isst das Baby endlich Brei?
    – Wann kann ich sie endlich abgeben für eine Zeitlang?
    – warum sind meine Kinder so anstrengend?
    -Wieso schlafen sie nicht?
    – warum haben andere so friedliche Kinder?
    -warum bin ich nicht fähig die Kinder zu erziehen?
    ect.
    Oder du beschreibst positiv, wie dein Junge gerade schläft und die Kleine sich selber beschäftigt. Aber dann kommt direkt wieder die Erwartungshaltung „warum kann das nicht öfters so sein?“….
    Alle diese Gedanken sind so Negativ und das merken deine Kinder.

    Das sieht man doch oft auch im Umfeld. Mütter die ruhiger sind und gelassener, dort sind auch die Kinder ruhiger. Mütter die schnell unruhig werden oder gar aggressiv, das wiederspiegeln auch die Kinder mit ihrem verhalten.

    Gerade heute war ich beim voltigieren mit meinen Kindern. Meine Kollegin kommt mit ihren 2 Kids auch mit, da ihr Mädchen auch mitmacht. Ich geh meist nach einer Weile raus, weil Levin nicht die Geduld hat, die ganze Zeit zuzuschauen. von der Kollegin der Junge ist 3 und er hat das Volti halt nun auch schon x mal gesehen. Daher ist es ihm zu langweillig. Er blödelte dauernd rum und ärgerte die anderen Kids (auch gefährlich wegen den Pferden). Aber anstatt das die Mutter zB. sagt, komm wir gehen mal raus spazieren – droht sie ihn ins Auto höckt (was sie eh nicht durchzieht) oder mit dem Bett wenn sie nach Hause gehn. Dann guckt sie mich an und fragt, „warum habe ich das verdient so ein Junge?“.
    Nicht der Junge reagiert hier falsch, sondern ihre Erwartungen sind zu hoch.

    Manchmal hat man als Eltern eifnach zu hohe Erwartungen an die Kinder und wenn sie nicht erfüllt werden, dann denkt man, die Kinder funktionieren nicht richtig. Aber ich denke, da muss man als Eltern umdenken und seine Erwartungen runterschrauben und eine andere Lösung suchen.

    Der Schlüssel bei der Erziehung liegt in einem selber. Die Haltung und Gedanken der Kinder gegenüber, die Erwartungen sowie auch lernen zu akzeptieren, dass das Kind nun so ist, wie es ist. Grenzen setzten und stehts bereits sein, an sich selber zu arbeiten.
    Es gibt keine perfekten Kinder, keine perfekten Eltern. Gut so!

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  2. Hi Sarina! Das ist so, so wahr! Gerade das mit der Erwartungshaltung predige ich immer wieder meinem Mann. Und was mache ich? Ich erwarte zu viel. Eines frage ich mich aber doch: Wer war zuerst? Das schwierige Kind oder die komplizierte Mutter? Denn eigentlich dachte ich immer, dass ich eine totaaal lockere Mutti werde, die alles bestens im Griff hat. Und was war? Ich wurde zu einer hochkomplizierten, total überforderten Glucke…

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  3. Du hattest wohl schon eine zu hohe Erwartung an dich selber.
    Ich glaube, kein Kind kommt schwierig auf die Welt. Es entwickelt sich schwierig durch die Umstände.

    Aber das mit der Erwartungshaltung haben wohl alle Eltern mal. Das habe ich ja auch. Nur ist es einfach wichtig, das man zwischendurch mal Stoppt sich selber sagt und sich hinterfragt.

    Es ist schon schwierig und jedes Kind ist anders und das macht es noch komplizierter. Aber das schöne ist ja, dass man jeden Tag die Möglichkeit hat es einwenig anders, vielleicht besser zu machen. Es gelingt nicht immer, aber immer öfters 😉

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