Tom Hodgkinson: "Leitfaden für faule Eltern"

Über einen Artikel im Brigitte MOM bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden. Faul bin ich also her mit dem Buch. Auch dass man den Kindern so viel Freiheit wie möglich geben solle, sprach mich an zumal ich meiner Meinung nach genau das eh schon tat (aber manchmal Zweifel an der Richtigkeit dessen hatte). Beginnen möchte ich mit einem kleinen Auszug aus dem „Manifest der faulen Elternschaft“:

Wir geloben, unsere Kinder in Ruhe zu lassen

Wir verweigern uns dem grassierenden Konsumismus, der vom Augenblick der Geburt an in das Leben unserer Kinder eindringt

Wir verschwenden kein Geld für Familienausflüge und Urlaubsreisen

Faule Eltern sind sparsame Eltern

Wir bleiben so lange wie möglich im Bett liegen

Wir trinken Alkohol ohne Schuldgefühle

Wir spielen auf den Wiesen und im Wald

Wir schicken die Kinder in den Garten und machen die Tür zu damit wir das Haus putzen können

Wir arbeiten beide so wenig wie möglich, vor allem, solange die Kinder noch klein sind

Glückliches Chaos ist besser als freudlose Ordnung

Wir erfüllen das Haus mit Musik und Fröhlichkeit 

Nieder mit der Schule

Wir übernehmen die Verantwortung

Der Möglichkeiten sind viele

Ich finde das Buch durchaus bemerkenswert, eine erfrischende Abwechslung im Erziehungsratgeber-Dschungel, zumal der Autor Locke und Rousseau zitiert, das Ganze also auf eine angenehme, philosophische Ebene hievt. Die Ratschläge, die teils durchaus sehr konkret sind, richten sich aber, wie ich im Laufe der Lektüre immer wieder einsehen musste, eher an Eltern mit älteren Kindern, zumindest älteren als ich sie habe. Wenn er zB meint, man solle doch am Wochenende als Eltern einfach im Bett liegen bleiben, die Kinder würden sich schon selber Frühstück machen, dann würde zwar auch mein bald 3-Jähriger was im Schrank finden, jedoch müsste ich dann nach dem Aufstehen nicht nur mir selber was zu essen machen sondern auch die Spur der Zerstörung, die ein unbeaufsichtigter Rabauke mit sich bringt, wieder verwischen. Ausserdem wohnt hier noch ein Baby, das sich nicht ohne uns zu beschäftigen weiss. Tant pis!
Hodgkinson kommt dann auch mit allerlei Ratschlägen in Bezug auf die Schule (was uns jetzt auch noch gar nichts angeht), die allerdings den meisten Eltern zu radikal erscheinen werden. Ein Thema, das vlt in England, der Heimat des Autors, durchaus verschiedene Lösungsvorschläge birgt. Es geht hier um die Wahl zw. Homeschooling, Privat- oder öffentliche Schule.
Ansonsten sind die Ansätze des Autors sehr nachvollziehbar. Er setzt sich dafür ein, den Kindern nicht zu viel Spielzeug zu kaufen, sie einzuspannen, wo es geht, sie aber weitestgehend in Ruhe zu lassen und zwar wann immer möglich in der freien Natur. Er rät auch dazu, sich irgendwo, allenfalls gemeinsam mit anderen Familien, ein Landstück zu kaufen, wo man die Kinder den lieben langen Tag rumrennen lassen kann während die Erwachsenen sich ab 15 Uhr dezent dem AlkoholismusGenuss hingeben. Glückliche Eltern, glückliche Kinder.
Für Entlastung sorgt auch: „die Familie ausdehnen, ein Netzwerk aus Freunden und Nachbarn schaffen, die sich gegenseitig unterstützen. Kurz gesagt: Indem wir einander helfen, können wir das Familienleben sehr viel reicher machen.“ (Na, propagiere ich das nicht dauernd in meinem Blog? 😉
Was ich auch sehr schön fand, vor allem, weil er es als Vater sagt, nicht als Mutter, ist, in der Kleinkindzeit als Elternpaar so viel Zeit wie möglich zuhause zu bringen und die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren. Geld verdienen und Karriere machen kann man immer noch, den Kindern beim Aufwachsen zusehen nur ein mal im Leben! Er nennt auch genügend Tipps für Spatpotential…
Weitere Passagen aus dem Buch:

  • Die Kinder zu unabhängigen, selbstständigen Menschen erziehen; 
  • ein einfaches „Nein“, ruhig und bestimmt vorgebracht und vom anderen Elternteil mitgetragen – das sollten alle faulen Eltern beherrschen. Mit einem „Nein“ zu Dingen helfen Sie Ihrem Kind, kompetent und selbstständig zu werden, denn ein Nein zu Dingen ist ein Ja zur Menschlichkeit und ein Ja zum Leben. Meiden Sie Situationen und Orte, an denen Geld den Besitzer wechselt. Machen Sie einen Bogen um McDonalds und Toys’r’us. Steigen Sie nicht ins Auto. Sperren Sie Ihre Kinder nicht ein Lassen Sie sie in Ruhe! (Zitat)
  • Raufspiele am Abend wie Ringkampf oder Wettrennen machen die Kinder müde und ersetzen die Erzeugnisse der Spielzeugindustrie 
  • „Nörgeln und Quengeln entstehen aus Machtlosigkeit. Wir müssen also unsere Kinder stark machen und das bedeutet weniger Einmischung. Mein Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass Eltern und Kinder das tägliche Leben geniessen. Von der Vorstellung einer perfekten oder idealen Erziehung sollten wir uns verabschieden. Alles Weitere erwächst aus dem einfachen Prinzip: „Spass, jetzt!“

Übrigens: Ich bin erst in der Hälfte des Buchs angelangt, vlt erscheint hier also nach Beendigung der Lektüre noch ein Nachtrag zu dieser Rezension 😉 Gespannt bin ich nun zB noch auf das Kapitel „Tischmanieren“. Ich werde gegebenfalls darüber berichten! 🙂

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