Aufbruchstimmung

Vieles ist nun schon gepackt, einiges schon gezügelt, einiges wurde und wird verkauft. Wir sind nun täglich beim Haus und je mehr Zeit ich darin verbringe, desto mehr fühlt es sich wie „mein Zuhause“ an und das ist gut denn ich schob die letzten Tage doch ein bisschen Koller… Einerseits ging es mir körperlich nicht gut (Ansteckung durch Melissa(?), kurze Nächte, innere Unruhe etc.), andererseits war ich auch psychisch ziemlich am Boden. Familieninterne Streitereien, dann der Tod von Sarah Ritter, der nun doch recht plötzlich kam (ihr habt von ihr in meinem Krebs-Beitrag gelesen; sie war 31) und mich sehr aufwühlte. Ich musste ein paar Tränen unterdrücken, die Kinder haben mich schnell abgelenkt. Nein, ich kannte sie nicht gut aber irgendwie steht einem hier im Land schnell einmal jemand nah, vlt auch weil hier alles so klein ist. Natürlich ging mir v.a. ihr Schicksal sehr nah und ich kann gar nicht recht begreifen wie ein junger Mensch von einer solch ominösen Krankheit in kürzester Zeit so befallen sein kann, dass keine Hoffnung mehr besteht. Ich sage ja: Der Krebs ist furchtbar! Vor 2-3 Wochen sah ich eine Bekannte, die in der „Clique“ meiner Mama verkehrte plötzlich auch mit einem „solchen“ Kopftuch. Es war klar, dass sie es nun auch hatte aber ich habe mich nicht getraut, sie anzusprechen und meinte zu glauben, dass sie den Kontakt grad auch nicht wollte also grüssten wir uns nur knapp. Irgendwie denkt man dass es nur eine Frage der Zeit ist bis wir alle Krebs bekommen. Das mag jetzt etwas gar negativ klingen aber man muss sich schon fragen, wer ihn nicht hatte. In fast allen Todesanzeigen steht „nach kurzer/langer, schwerer Krankheit“.
Anderes Thema…
Was ich vemissen werde, ist die Umgebung hier. Den Spazierweg den wir 1000e male gelaufen sind… ich kann mich noch genau an den Tag erinnern als wir nach der Geburt unseres Grossen zum 1. Mal mit dem KiWa raus sind auf diesen Weg. Und von da an war ich täglich 2-3 Mal so unterwegs. Auch mit Tuch bin ich oft durch das Riet gestreunt… unzählige Male. Später mit der Kleinen und ich weiss auch noch genau wie wir mit ihr spazieren gingen als sie laufen gelernt hatte. Danach sind wir oft mit dem Laufrad und dem Velo/Anhänger gefahren. So waren wir ganz schnell auf dem Spielplatz.
Wir sind hier „gross“ geworden. Ich bin hier Mama geworden. Über 4 intensive Jahre (die Schwangerschaft mitgezählt) von insgesamt ca. 7 in denen ich hier gewohnt habe. Ich bin hier ein bisschen erwachsen geworden, meine Kinder ein bisschen „gross“. Zwei Schwangerschaften durfte ich hier erleben. Prägend waren diese Jahre! Es war, überspitzt gesagt die schönste und gleichzeitig teilweise auch schlimmste Zeit meines Lebens, die ich hier verbracht habe. In diesem Wohnzimmer auf dem Sofa habe ich geweint, gelacht, gelitten, mich gefreut – alles erlebt von einer Skala von 0 bis 10. Wehen, Schmerz und Tränen in den Augen wenn ich meinen Kindern beim Spielen zugesehen habe.
Ja, ich bin sehr verbunden mit diesem Ort hier, ich hänge sehr daran, das habe ich schon erwähnt, ich hänge an Materiellem mehr als andere. Nicht mehr so wie früher aber trotzdem noch… ja früher hatte ich noch keine Kinder, jetzt hänge ich an ihnen, ist ja klar. Mein Leben ist dort, wo meine Kinder sind.
Es wird gut kommen am neuen Ort, doch, sicher… ich bin optimistisch wie so oft. Drückt mir die Daumen! Es möge uns gut gehen, es möge, vor allem, den Kindern gut gehen.
Morgen werden wir mit dem Umzug beginnen und am Samstag vermutlich schon im Haus schlafen. Morgen Abend also werden wir das letzte Mal hier zusammen spielen und schlafen gehen. Und ich hoffe die Kinder lenken mich gut ab denn sonst werde ich sicher flennen wie eine Irre! 😀
Was mich noch sorgt: Wer wird das alles putzen? Das Haus scheint riesig! So viel Fläche, so viel Fenster! Ich werde wohl mehr arbeiten müssen um mir eine Raumpflegerin leisten zu können 😀 Das mag jetzt nach Detail klingen, aber es beschäftigt mich doch: Der Weg abends vom Wohn- zu den Kinderzimmern ist viel länger als hier! Werde ich rechtzeitig hören? Werde ich schnell genug oben sein wenn etwas ist? Ich werde rennen müssen! Hier waren alle Wege so angenehm kurz! Nur wenige Schritte vom Sofa zur Küche, zum WC od zu den Kindern. An die neuen Dimensionen muss ich mich erst gewöhnen! Nachts einen Schoppen für den Grossen machen zu müssen wird länger dauern! Naja, vlt auch nicht, wir haben nachher ja Induktion! 😀 Dafür wird der Weg zum Briefkasten näher und der Weg zum Kompost vlt auch… noch haben wir nicht einmal eine Lösung dafür und ich weiss auch noch gar nicht, was mit dem Müll zu tun sein wird da es glaube ich keine Gebührenmarken gibt wie hier…
Aber das Ärgste kommt zum Schluss: Wenn wir Pech haben werden wir E-W-I-G kein Internet, TV und Telefon haben. Die Sch… äh… Swisscom und wir stehen auf Kriegsfuss! Mein Mann musste sich durch Dutzende(!) von Telefonaten kämpfen und nach drei Wochen haben wir immer noch keine Box, kein Kabel, rein GAR nichts, dass eine Verbindung zur digitalen/virtuellen Welt erlauben würde! Es ist der blanke Horror! Ich werde abends wohl zu meiner Kollegin nach Vaduz abschleichen müssen um TV gucken zu können und wir werden das Internet unserer Nachbarn anzapfen oder was weiss ich aber ohne geht gar nicht! So viel kann ich gar nicht stricken! Und ohne Bloggen und Facebook? Ich! Niemals! Ich schätze ich muss Swisscom auf Schadenersatz verklagen wenn das nicht zu stande kommt. Seelische Qualen sind das! Jaja, immer diese Internetjunkies, klar, aber ich stehe dazu und ich gebe mir eh schon Mühe, nur 2-3x am Tag so richtig online zu sein. Und das ist schon schwer genug 😀 Spass… OK… jetzt ist dann mal wieder an der Zeit für Fotos. Werde ich nachreichen 😉

Ein Kommentar zu “Aufbruchstimmung

  1. Viel Kraft dir weiterhin ! Du musst aber gerade auch sehr viel seelisch verpacken. Eigentlich ein bisschen zu viel.

    Paß gut auf dich auf !

    Ich war am Montag bei meiner Cousine zu Besuch. Sie hatte Geburtstag und ist Elisas Patentante. Wir sind spontan zu ihr hin und trafen dort auch auf ihre Mädchenclique. Ich wußte, das eine der Freundinnen von ihr Krebs hatte, aber auf diesen Anblick – anders kann ich es nicht sagen – war ich nicht gefasst. Dieses kleine, magere Persönchen mit dem Kopftuch zwischen den ganzen vor Lebenskraft strotzenden Mädchen. Das hat mich sehr, sehr geschockt. Und als ich meine Cousine drauf ansprach, sagt die doch glatt zu mir, das ihre Freundin gerade sehr gut aussehe. Drei Jahre ununterbrochen Chemo liegen hinter ihr. Meine Güte. Das macht mir wirklich Angst.

    Alles, alles Gute für euren Umzug !

    Liebe Grüße
    Andrea

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