We don’t need no education

In sogenannt „alternativen“ Kreisen hört man derzeit immer wieder die Begriffe Unschooling, Homeschooling oder Freilerner. Bisher habe ich mich nicht eingehend damit auseinandergesetzt, finde das Thema aber ziemlich spannend. Ich fürchte aber, dass man sich wirklich intensiv damit befassen muss um eine klare Meinung darüber abgeben zu können. Ich habe bisher höchstens an der Oberfläche gekratzt, wüsste aber gerne Eure Meinung zu diesem Thema oder ob ihr vielleicht jmd kennt, der das macht etc.

Worum geht’s?

Die Kinder gehen weder in den KiGa, noch zur Schule. Sie bleiben zuhause im gewohnten Umfeld. Sie werden aber auch nicht direkt zuhause unterrichtet.
Je nach Land ist das gesetzlich gar nicht so einfach durchzusetzen weil eine für alle geltende Schulpflicht besteht.

Was steckt dahinter? 

Der Wille und die Lust zu lernen steckt in uns Menschen drin, sonst würden wir noch immer auf Bäumen hocken. Man muss ein Kind nicht zum Lernen bringen. Es will aus sich heraus jeden Tag lernen und tut das auch.

Warum nicht in die Schule?

Kinder brauchen keine anderen Kinder, Kinder brauchen Vorbilder und das sind die Eltern. In der Schule geht viel Zeit für Organisatorisches, Soziales etc. drauf. Z.B. braucht der Lehrer zu Schulbeginn meist mal ein paar Minuten bis die Klasse ruhig ist. Die Zeit, in der die Kinder wirklich etwas Neues lernen, ist eigentlich ziemlich begrenzt. In der Zeit könnten die Kinder also genau so gut draussen toben. Denn die Schule ist vor allem eins: Sie schränkt die Kinder in ihrer Bewegungsfreiheit ein, zwingt sie, still zu sitzen, sich zu konzentrieren obwohl das nicht immer einfach fällt. Es gibt nur kurze Pausen, in denen sich die Kinder frei bewegen können. Kein Wunder also wenn aus einst lebendigen Kindern früher oder später Couch Potatoes werden…
Vereinsamen werden die Kinder übrigens nicht. Freizeitsport, Kurse und Besuche bei Freunden können ja trotzdem auf dem Programm stehen. An sozialen Kontakten mangelt es sicher nicht.
Böse gesagt ist die Schule eine Aufbewahrungsstätte und die meisten Eltern sind froh, die Kinder so ab einem bestimmten Alter aus den Füssen zu haben.

Kritik?

Was wird aus diesen Kindern, die nicht zur Schule müssen? Denen die Wahl gelassen wird, was sie später werden wollen? Lernen sie wirklich von alleine zu schreiben und zu rechnen? Spätestens mit 16 Jahren werden auch sie sich entscheiden (müssen), etwas Richtiges zu lernen. Wird ihnen das einfach fallen? Wenn sie dann plötzlich doch in die Maschen des Systems geraten? Diese Fragen beschäftigt wohl die meisten Kritiker? Ich kenne ja kaum persönlich solche Familien und diejenigen, von denen ich weiss, haben noch keine 16-Jährigen also kann man wohl noch nicht sagen, wie das ausgehen wird…

Meine persönliche Meinung

Ich glaube nicht, dass das für mich in Frage kommt… ich denke, das setzt auch voraus, dass die Kinder zu Hause beschäftigt sind und stark in die haushalterischen Tätigkeiten miteinbezogen werden oder dass die Mutter allenfalls einen pädagogischen Hintergrund hat und gezielt auf die Lernwünsche ihrer Kinder eingehen kann. Die selber immer zuhause ist und die bereitwillig auf ihre Kinder eingeht. Ich finde es ist eine grosse Verantwortung und ich würde sie mir nicht zutrauen. Ich habe grossen Respekt vor jedem, der das tut.
Wenn ich selber zurück blicke, so habe ich die Schulzeit und das Lernen sehr geliebt. Ich habe sehr gerne gelernt. Spätestens aber im Gymnasium haben nicht mehr alle Fächer Spass gemacht, mochte man nicht alle Lehrer und deren Unterrichtsstil. Vielleicht wäre mehr Wahlfreiheit hier eine gute Alternative zum Homeschooling. Ich hätte zB die Fächer Mathematik, Chemie und Physik getrost weggelassen ohne, dass sie mir heute gefehlt hätten. Sie waren einfach nicht notwendig, lagen mir auch überhaupt nicht. Es war nur Qual, dich da durchzubeissen und auf gut Glück ne knappe 3 zu kassieren. Trotz allen Aufwands lag nie mehr drin. Und wem so ein Fach nicht liegt, der wird auch nimmer eine Ausbildung/einen Beruf wählen, der das Können dieses voraussetzt. Lieber hätte ich noch mehr Sprachfächer gewählt (griechisch, russisch, spanisch…) oder hätte Kurse in Hauswirtschaft, Psychologie oder Pädagogik besucht – rückblickend! Also diese zahlreichen Schul- und Lernstunden waren definitiv für die Katz‘! Logarithmik? Periodensystem? Differentialrechnung? Nie im Leben werd ich das mehr brauchen. Und viele Schulstunden waren tatsächlich vor allem eines: Zeit abhocken. Besonders unser Lateinlehrer ist mehr als oft vom Ostia (dem Lehrmittel) abgeschweift zu irgendwelchen Geschichten, die wahrscheinlich schlussendlich mehr gebracht haben als das Vokabel- und Grammtikbüffeln.
Kinder zuhause zu behalten muss man sich aber auch erstmal leisten können. Erstens kann ein Elternteil nicht arbeiten, zweitens müssen zahlreiche Lehr- und Lernmittel, Ausflüge, Museumsbesuche etc. selber berappt werden.
Den chronobiologischen Aspekt finde ich noch interessant. So heisst es ja immer, dass alle älteren Kinder Eulen sind und es eine Zumutung ist, sie derart früh aus dem Schlaf zu reissen und in die Schule zu schicken. Hier wird ja schon länger gekämpft. Ich wäre auch im Arbeitsleben für Gleitzeit. Für mich war das Aufstehen jeden Tag so ziemlich das mindeste, v.a. in der Schule aber auch im Job 😉

3 Kommentare zu “We don’t need no education

  1. Ich habe mich lange mit dem Thema befasst, hätten wir viele Kinder gehabt, wäre Homeschooling definitiv zum Thema geworden. Aber mit einem Einzelkind möchte ich das nicht.
    Trotz der ganzen Faszination für das „freie Lernen“ setze ich mich heute in der Schulkommission und kantonalen Bildungspolitik dafür ein, dass die Schule besser an die Bedürfnisse der Kinder angepasst wird. Ich halte das für zielführender, als Kinder aus dem System auszuklinken und damit von ihren „Artgenossen“ zu isolieren.

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  2. einerseits finde ich es sehr gut das du dich mal oberflächlich mit diesem thema auseinandergesetzt hast.
    andererseits ist dein post aber nur oberflächlich und kann nicht einmal annähernd bringen, was homeschooling oder unschooling wirklich bedeutet.
    es ist kein weg den man einfach so geht..
    es ist eine logische konsequenz aus dem zusammenleben mit kindern
    die wichtigste voraussetzung ist wohl, dass man seine zeit mit den kindern verbringen mag. und alles andere kommt von den kindern aus.
    ob man dann einen strukturierten alltag führen möchte oder einfach mit seinen kindern zusammenlebt und sie weiterbegleitet, bleibt jedem wohl selbst überlassen. der grundgedanke an diesem weg ist jedoch, das man die verantwortung über die bildung der kinder NICHT aus der Hand gibt, im gegenteil, durch die entscheidung diesen weg zu gehen, übernimmt man noch mehr verantwortung. das ist aber auch nur ein oberflächliches statement denn für detailierte beschreibungen und meinungen fehlt es grade an zeit. deshalb
    http://www.ohnewindel.at/schulfrei
    http://www.pro-lernen.ch
    http://www.freilerner.at
    http://www.bildung-zu-hause.ch
    das sollte interessierten weiterhelfen

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  3. Stimmt, das wollte ich auch noch sagen: Mit einem Einzelkind stelle ich es mir doch recht anspruchsvoll vor… Susanne, das stimmt natürlich mit dem oberflächlich. Mir fehlte leider auch die Zeit, mich eingehend damit zu beschäftigen und deshalb super, dass Du die Links gepostet hast, so kann sich nun jeder selber informieren. Mich beschäftigte das Thema einfach und ich wollte es ansprechen bzw darauf aufmerksam machen, denn die wenigsten wissen von seiner Existenz und ich glaube das habe ich somit mal erledigt 😉 Bei Gelegenheit werde ich mich dann vertiefen…

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