Buchrezension: Michèle Roten: Wie Mutter sein

Michèle Roten ist bekannt als Kolumnistin im „Tagi-Magi“, dem Magazin der schweizerischen Tageszeitung „Tages-Anzeiger“, die in Zürich publiziert wird.
Leider weiss ich nicht allzu viel über diese Kolumne da wir den Tagi nicht abonniert haben. Die wenigen, die ich las, fand ich entweder durchwegs amüsant oder eher seltsam intelektuell anmutend aber das gilt auch für den Rest des Magazins, das die Leute wahlweise überall mitgehen lassen oder als Untersetzter für den Frühstückskaffee zweckentfremden.

Schlichtes Cover im Reclam-Stil.

Michèle Roten hat bereits ein Buch mit dem Titel „Wie Frau sein“ geschrieben. Damit möchte sie so ein bisschen die Alice Schwarzer in sich sprechen lassen, wie ich aus den gelesenen Rezensionen verstanden habe. Ich glaube auch, dass sie sich als Feministin bezeichnet, die Frau Roten. Nun wurde sie aber vor rund zwei Jahren Mutter und liess bzw. lässt ihre Erfahrungen aus Schwanger- und Mutterschaft gerne mal in ihre Kolumnen einfliessen. Das vorliegende Buch ist aber nicht nur ein gesammeltes Werk dieser Kolumnen sondern bietet auch neue Texte. Nun, für mich war bis auf einen Text tatsächlich alles neu 😉
Ich muss sagen, ich mochte das Buch. Es ist zwar „nur“ der x-te Erfahrungsbericht einer Mutter, die zufällig schreiben kann, wie es ihn auf dem Markt recht zahlreich gibt, aber er ist kurz und knapp und in zahlreiche, unterschiedlich lange Häppchen (manchmal nur ein Satz lang) gegliedert, was die Lektüre sehr bekömmlich macht. Vor allem aber bleibt man „dran“ weil es wirklich spannend ist! Und ist ein wenig enttäuscht, dass die Lektüre nach 174 Seiten schon zu Ende ist.
Ich erkenne mich an vielen Stellen im Buch wieder und teile Rotens Ansichten bis auf ein paar wenige. Sie beschönigt nicht, übertreibt nicht und sie berichtet nicht nur von eigenen Erfahrungen, Begegnungen, Erlebnisse etc. sondern auch von denen anderer. So ist ein Mail-Verkehr mit Nils Pickert zu finden und die Geburtsberichte von Frauen, die sie befragt hat, inklusive Protokoll von Hebamme u/o Arzt (Achtung Fachsprache!). Zudem erwähnt sie auch mal eine Studie oder sonst eine spannende Tatsache, die sie gerade gelesen hat und streut ihre Gedanken dazu ein.
So habe man z.B. herausgefunden, dass Männer und Frauen, die sich die Haushalt ganz modern aufteilen, weniger Sex haben. Roten plädiert deshalb für eine Änderung der Perspektive auf die Haushaltspflichten damit sie der Mann auch machen kann ohne danach als asexuelles Wesen da zu stehen. Ihre Anregungen:

„Staubsaugen: supermaskulin! Laute Maschine. Langes Rohr. (…) Einstecken, ausstecken. Einstecken, ausstecken.
Gartenarbeit: supermaskulin! (…) Jäten ist Töten. Es gilt, Feinde in die Flucht zu schlagen (Schnecken, Läuse). Nur ein ganzer Kerl kann einen Rittersporn am Leben halten.
(…)
Einkaufen: supermaskulin! (…) Männer beziehen ja angeblich total viel von ihrer Männlichkeit daraus, Versorger zu sein, dann muss doch konkretes Essen-nach-Hause-Bringen die absolute Testosteron-Dröhnung sein!“

Dem ist nichts beizufügen…

Nur noch dies: Leider sind dem Echtzeit-Verlag wohl die Rezensionsexemplare ausgegangen, weshalb mein Mann Unmengen von Geld für das Printen der Druckfahne aufwenden musste. Hätte ich das Buch, hätte ich es selbstverständlich behalten um immer mal wieder darin zu schmökern, aber dieses lose Papier im Klarsichtmäppli muss weg, drum: Dr Schneller isch dr Gschwinder. Mag jemand die Ausdrucke haben? Ich verschenke sie an den erstbesten, der sie abholt (oder das Porto zahlt 😉

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