Eine Ära geht zu Ende – Spitalgeburten in Liechtenstein

Liechtensteinisches Landesspital in Vaduz
(Bildquelle: http://www.volksblatt.li)
Unser Sohn, wenige Stunden nach der Geburt im typischen Holzwägelchen.

Verzeiht, aber mangels Zeit und Zeitungsabo konnte ich nicht so recherchieren wie ich gerne wollte… Deshalb fehlen mir Zahlen, die ich gerne nennen würde… trotzdem möchte ich heute über das unter Liechtensteiner Müttern derzeit heisse (und emotionale) Thema sprechen. Kurz: Das Liechtensteiner Landesspital wird wohl oder übel seine Geburtenabteilung per Ende März schliessen. Es ist laut heutigem Zeitungsartikel kaum mehr zu vermeiden. Seit 1981, meinem Geburtsjahr (aber wohl laut Artikel schon früher – mit einem Unterbruch – die Infos hierzu fehlen) können Mütter ihre Kinder in Vaduz zur Welt bringen sofern sie das wollen. Hierzulande gebären Frauen in der Regel in demjenigen Spital, in dem ihr Frauenarzt tätig ist falls er denn überhaupt Geburten begleitet. Nicht alle machen das. Eigentlich nur drei, hierzulande. Die anderen Frauen gebären dann eben bei einem anderen Arzt oder in Grabs falls ihr FA in der Schweiz praktiziert. Diese drei FA, die als Belegärzte im Spital Vaduz tätig waren, haben aber bereits vor ein paar Monaten angekündigt, ihren Dienst einzustellen. Aufgrund ihres Alters und dem doch anstrengenden Bereitschaftsdienst… Verständlich… Dr. Rainer Wolfinger, der heute im Liechtensteiner Volksblatt zitiert wird, hat seit 1992 über 2500 Kinder auf die Welt begleitet. Die Zahl der anderen beiden dürfte ähnlich sein. Und nu? Neue Belegärzte kommen scheinbar nicht in Frage und die fixe Anstellung eines Ärzteteams lohnt sich bei der Anzahl von Geburten im Jahr (rund 200) finanziell nicht.
Die Schliessung der Geburtenabteilung trifft viele Mütter. Viele von ihnen verbinden nur gute Gefühle mit der kleinen, familiären Abteilung und können sich gar nicht vorstellen, ihr Kind nicht im eigenen Land zu gebären.
Auch meine beiden Kinder sind in Vaduz zur Welt gekommen. (Meine Tante arbeitete sogar viele Jahre lang als Hebamme dort.) Dies, natürlich, weil ich sicher sein konnte, dass mein FA, Dr. Dietmar Flatz, bei den Geburten anwesend sein würde (nun, bei Nr. 2 ging es Schlag auf Schlag, so dass ich das Kind schon im Arm hatte als er zur Tür reingeschneit kam aber immerhin kümmerte er sich dann darum, mich wieder zuzunähen und allein seine Anwesenheit beruhigte mich ungemein, was daran liegt, dass er in meinen Augen ein sehr souveräner Arzt ist 😀 Nichtsdestotrotz: Die Geburt schafften wir ohne ihn, bei Kind 1 war das etwas anders: Meinem kleinen Sterngucker musste mit Zange und Dammschnitt nachgeholfen werden… Wäre Dr. Flatz in einem anderen Spital als Belegarzt angestellt gewesen, wären meine Kinder woanders zur Welt gekommen, ganz egal, wo.
Nach beiden Geburten fühlte ich mich schlecht aufgehoben, was wohl weniger an den Hebammen oder Kinderkrankenschwestern lag sondern an meinem Babyblues und den massiven Stillproblemen ab Tag 1, die einfach eine intensivere Betreuung erforderten. Die nahm ich mir dann bei Kind 2 zuhause, wohin ich nach 2,5 Tagen dankbar flüchtete und mich in die fähigen Hände der Nachsorgehebamme begab. Bekäme ich noch ein weiteres Kind, ich würde ambulant gebären oder sogar zuhause und dies boomt ohnehin gerade wieder ein bisschen so dass sicher auch in Zukunft Kinder in Liechtenstein zur Welt kommen werden, wenn auch nicht im Spital. Aber das ist ein anderes Thema. Was ich mich aber frage, ist:

  • Was passiert mit den Angestellten? Den fähigen Hebammen? (Ich hatte bei beiden Geburten Hebamme Charlotte und sie war die beste, die mir hätte passieren können, ohne sie hätte ich wohl die Geburten nicht überstanden). Den liebenswürdigen Kinderkrankenschwestern? Wo werden sie nur unterkommen?
    Wird die Stillgruppe weitergeführt? Wenn nicht, wird wohl Nestwärme einspringen müssen 😉 Aber vlt organisieren sich die Hebammen ja privat und bieten zumindest weiterhin Geburtsvorbereitung und Stillgruppe in Vaduz an?
  • Warum wird die Geburtenabteilung nicht als Hebammenabteilung (oder sogar Geburtshaus) weitergeführt? Es ist nicht lange her, da berichtete das Liechtensteiner Vaterland nämlich dieses. Das wäre doch eine Alternative. Heute nämlich wird der Frauenarzt bei jeder Geburt automatisch herbeigerufen, dabei ist dies, verläuft die Geburt komplikationslos, gar nicht unbedingt erforderlich (Im Prinzip kann eine Frau ihr Kind alleine gebären, wir sind hier nur alle recht spitalisiert worden und vertrauen nicht mehr darauf aber das ist wie schon erwähnt ein anderes Thema…). Und nähen dürfen/können gewisse Hebammen meines Wissens auch. Ich fürchte aber dass dies trotzdem einen Frauenarzt auf Abruf im Spital bedingt, für die Notfälle und Notkaiserschnitte. Oder kann auch ein normaler Chirurg einen Kaiserschnitt fachmännisch durchführen? Trotzdem: Den Hauptteil der Arbeit übernimmt die Hebamme in Eigenregie, sie leitet die Geburt.
  • In welches Spital wird eine Schwangere ab April gehen? Wovon hängt die Entscheidung ab und wann wird sie getroffen? Ich habe gehört, dass Grabs nicht unbedingt (immer) die Kapazitäten für Liechtensteiner Mütter hat, es ist aber so ziemlich das naheliegendste und persönlichste (Das Landeskrankenhaus Feldkirch ist kein Spital, das ist eine Stadt!)… Was aber wenn ich kurz vor der Geburt stehe und dort anrufe und sie sagen: „Sorry, wir sind voll!“?

Ich fände es sehr schade, wenn in Liechtenstein in Zukunft keine Spitalgeburten mehr möglich wären… viele, sehr viele Mütter, werden wohl wehmütig zurückblicken. Die Geburt eines Kindes ist einer der wohl einschneidensten Momente im Leben, verbunden mit ganz viel Emotionen (und Hormonen 😉 Keine Mutter wird diese Ersten Minuten, Stunden und Tage im Leben ihrer Kinder je vergessen. Und diese werden für immer und ewig gebunden sein an diesen Ort: Dieses kleine Spital mit den hässlichen Spannteppichen in den Gängen, den herzlichen Kinderschwestern, dem Sekt, den es zur Geburt gab und dem ersten Zmorga, der einem in den frühen Morgenstunden serviert wurde, den lustigen Holzwägeli in denen man die Babys jeweils zum Waschen und Wägen fuhr, der blauen Arbeitskleidung der Hebammen und dem Schenkeltätscheln der Frauenärzte, die einem bei ihrer täglichen Wöchnerinnenkontrolle stets Mut machten.
Es ist eben nicht nur die Abteilung, die schliesst, es sind auch die lieb gewonnen Frauenärzte, die, wenn bei einer von uns Müttern ab Ende März die Wehen beginnen sollten, nicht mehr gerufen werden können. Dies wird vielleicht einige Schwangere dazu bewegen, sich einen neuen Frauenarzt zu suchen oder sich in der Schwangerschaft von einer Beleg- oder Hausgeburtshebamme betreuen zu lassen.
Wege gibt es immer, ein Kind zu gebären. Der Ort ist nebensächlich, die Personen, die einen (vielleicht) betreuuen (werden), sind schon viel wichtiger. Aber schlussendlich, wenn das Kind da ist, geht die Türe zu, und was bleibt sind: Mutter, Vater (oder wer auch immer bei der Geburt dabei war) und Kind. Und für diese drei zählt dann nur noch der Moment…
Geburtenabteilung Vaduz, es war schön mit Dir, trotz allem; Dr. Flatz, Du warst souverän und in dem Moment, in dem Du kamst, warst Du unser Fels, aber ich weiss, es geht auch ohne Dich, und es geht auch woanders.

PS: Weiss jmd, wie man die Fotos hier gescheiter einbindet? 😛

Ein Kommentar zu “Eine Ära geht zu Ende – Spitalgeburten in Liechtenstein

  1. Hallo,

    es ist so schade, dass diese kleinen, familiären Abteilungen immer mehr verschwinden. Dieses Foto von deinem Sohn bezeugt schon so viel Liebe. So ein besonderes Bettchen, nicht irgendein Krankenhausbettchen.

    Es tut mir leid, dass die Abteilung zu macht. Hoffentlich finden die fähigen Mitarbeiter eine gute Bleibe.

    Liebe Grüße
    Andrea

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