Mein Samstag in Zürich

Je näher der Termin rückte, desto nervöser wurde ich. Seit der Geburt der Kleinen war ich nie länger bzw. weit weg. Ich fuhr vielleicht mal in die IKEA nach St. Gallen, das war’s dann aber auch schon! Und der Grundkurs für die Trageberatung dauerte zwar fast drei Tage, fand aber in unmittelbarer Nähe statt so dass ich jederzeit nach Hause kommen hätte können und abends war ich jeweils pünktlich daheim. So… jetzt also der erste Auswärts-Termin für die La Leche League: Die GV am Samstag in Zürich. Mit dem Zug eine Stunde entfernt. Und dann noch Tramfahren und Fussweg. Eigentlich keine grosse Sache doch mir war mulmig zumute, meinen Mann alleine mit den Kindern zurück zu lassen obwohl sie gemeinsam mit der Nana wenig später in den Zoo fahren und dort sicherlich gute Ablenkung haben würden. Dennoch gehöre ich zu den Menschen, die sich gerne viel zu viele Gedanken und Sorgen machen. Kann halt nicht aus meiner Haut. Ausserdem befürchtete ich unter dem Titel „GV“ eine sterbenslangweilige Veranstaltung (da bin ich vorbelastet durch etliche solche GV-Besuche während meiner Zeit als Redaktorin „Land und Leute“ während der Gymi-Zeit) und sehnte mich nach Zoo mit den Kindern, die ich schon am Abend davor vermisste obwohl ich ja noch bei ihnen war. Jaja, Glucke halt… 😉
Und dann wurde der Tag doch ziemlich cool. Die GV war so schnell fertig, dass ich mir in der Stadt über Mittag richtig Zeit lassen konnte und gemütlich durch die Bahnhofstrasse schlendern und lädeln konnte. Nicht dass ich viel gekauft hätte, nee, das kann sich ja eine Mutter vom Land alles nicht leisten 😛 Aber war toll, wieder mal…
Schon das alleine in den Zug steigen und danach ins Trämli, rief bei mir viele Erinnerungen an meine Studentenzeit hervor. Bin damals an jedem Wochenende hin und her gependelt, immer mit allerlei Gepäck. Und ich sah‘ mich wie ich damals dauernd von der Uni zum Tram und vom Tram in den Zug hetzte, sei es zur WG oder am FR nach Hause 😉 Aber eine schöne Zeit war das… und so ist Zürich immer noch ein kleines bisschen Heimat.
Angekommen am Ort der GV war ich positiv überrascht. Es war nicht proppenvoll (viel weniger Leute als ich erwartet hätte), hell und freundlich (kein grauer Bunker ohne Luftzufuhr) und eine bunte Mischung an Frauen. Ich bin natürlich auch nicht vorurteilsfrei und erwartete so ein bisschen das Klischee der stillenden Öko-Grossfamilien-Mutter 😉 Obwohl ich das selber auch nicht erfülle 😀 Nun, es war hier aber alles vertreten: Junge und ältere Mütter, ganz wenig öko (hier und da mal ein langer Rock oder Strickpullover, mehr aber auch nicht), dafür auch einige sehr modisch (Desigual-Kleid, roséfarbene Skinny-Jeans, geschminkte Lippen, Designer-Top etc.); natürlich einige stillend (mit Babys/Kleinkindern), einige mit Babybauch und viele tragend (viele im Tuch, eine mit Baby-Björn(!), der wurde ihr wohl noch von keiner ausgeschwatzt 😉 Und alle (zumindest diejenigen, die ich nun persönlich kennen lernen durfte) sehr nett! Ich glaube, die einzige, die aus dem Rahmen fiel, war ich 😀
Den sonnigen Mittag verbrachte ich in der proppenvollen Bahnhofstrasse. (Gut, wann ist die nicht voll ausser am frühen Morgen?) Dort gibt es seit Neuem(?) einen japanischen Schnellimbiss mit riesiger Sushi-Auswahl, Edamame, Joghurt, Eis, Tees etc. pp. Alles, was das Herz begehrt! Der Himmel! Und so stylish! Und unter meinem Tisch sah man durch Glas ins untere Stockwerk, wo’s Running Sushi gab. Ich glaube hier könnte ich täglich 5x Sushi holen wenn der Laden in meiner Nähe wäre. Ist er zum Glück nicht, sonst müsste ich im Lotto gewinnen. Den regelmässigen Verzehr hier können sich wohl nur die Typen vom Paradeplatz leisten 😉 Dann bin ich noch in ein grösseres Kaufhaus und das Angebot wie die Menschenmassen mit denen ich mich treiben liess, haben mich fast erschlagen. Vorbei an Kinderkleidern für CHF 70.-(!) das Teil und einem Just Cavalli Dress für über CHF 1000.-… Zürich halt. Hier sind auch fast restlos alle Menschen irgendwie total stylisch, modisch und hip. Auch die Mütter (und mir fiel nie zuvor auf, dass es sie hier gibt aber ich hab‘ halt, selber kinderlos damals, auch nie darauf geachtet) stossen ihre Bugaboos und Phil&Teds hier in High Heels durch die Gegend, mit riesigen Shades, Coiffeur-Mähne und camelfarbenem Mantel. Sogar Tragemamas hab‘ ich abseits der GV gesichtet, im Sushi-Laden z.B. Natürlich auch die total in-style (bis auf das Tuch, da muss meine Kollegin Brenda noch dran arbeiten ;D). Anders traut man sich hier wohl kaum auf die Strasse. Nur ich hatte die guts dazu 😉 Hierzulande/auf dem Lande falle ich in Jeans und Hoodie/Sweater, Sneakers und Fleece-Jacke gottlob auch überhaupt nicht auf. Hier tuscheln meine Kolleginnen und ich sogar wenn wir auf dem Spielplatz mal wieder eine „Aufgedonnerte“ sehen, die mit Stöckelschuhen durch Sand und Rasen stakst (und sich dabei die Schuhe ruiniert). Dabei sind das sicher nur die armen Frauen, die vom Job zur Kita gehetzt sind und nun noch eine Std Quality Time auf dem Spielplatz verbringen wollen. Daran ist nichts auszusetzen aber nur so als Tipp: Packt halt die Turnschuhe mit ins Auto, auch wenn sie nicht zum Outfit passen, dafür müsst ihr dann nicht abends den Dreck vom Bleistiftabsatz pulen…
Natürlich bekomme ich beim Anblick all der Beautiful People auch Lust, mich mal wieder aufzuhübschen und wenn ich endlich mal die zu vielen Kilos los bin, passe ich auch wieder in die schicken Klamotten von früher aber es hat im Alltag jetzt grad weder Platz noch Priorität, dazu fehlen mir Zeit und Musse. Meine Kinder stört es nicht und mich noch weniger und da ich nicht täglich durch die Bahnhofstrasse tigere und Sushi kaufe, sehe ich nun auch keinen Sinn dahinter, mich hier täglich zu stylen nur um von zuhause auf den Spielplatz oder vom Laden zur Spielgruppe zu fahren (eh alles mit dem Auto also kein Publikum…). Auch habe ich kaum Kundenkontakt, mein Job erledigt sich weitgehend von zuhause aus und für die Trageberatung ziehe ich immer die selbe schwarze Kombi aus knielangem Kleid und Leggins an, die es den Frauen erlaubt, gut zu sehen, wie ich das Tuch binde und mich davor bewahrt, mir ständig irgendwo das Shirt runterzuzupfen weil es beim Binden mehr freigibt als irgendjemand sehen will 😉
Nach dem Abbruch meines Studiums bin ich mindestens einmal im Jahr für einen Tag nach Zürich um hier zu shoppen. Und als ich noch selber verdient habe, konnte ich mir auch ein paar Einkaufstüten voll mit Kleidung etc. leisten. Heute nicht mehr. Ich bin am Samstag also als ein ganz anderer Mensch nach Zürich und es kam mir auch so vor, in eine ganz andere Welt einzutauchen, die nicht mehr die meine ist, es eigentlich auch nie war (da ich nie richtig hier gelebt habe, sondern mehr im Hörsaal, im ÖV und in der WG) und ich kam mir vor wie ein Alien.
Nach einem interessanten wenn auch nicht wirklich viel Neues bringendem aber doch bedeutenden Vortrag, der nach dem Mittagessen noch erfolgte – zum Thema Babyblues, Wochenbettdepression bzw. -psychose (ein unterschätztes Thema!) – fuhr ich, bewaffnet mit einer Klatschzeitschrift (mein Musthave auf Zugfahrten nach dem Studium 😉 wieder nach Hause, wo mich die Kinder schon freudig erwarteten. Und das ist auch mal schön als Mama. Dass man ein bisschen vermisst wird wenn man ’ne Weile nicht da war… und sie konnten den Papa mal exklusiv geniessen 🙂
Und hier der SA in wenigen, (schlechten) Bildern – für alle, die lesefaul sind 😀 Sry für’s Zutexten!

Im Zug mit Gratiszeitungen…
Noch fast leere Bahnhofstrasse am Morgen und schon einen tollen Shop entdeckt… 😉
Glückliche lange Mittagspause – im Sushi-Himmel!!!
Mittagessen :))) Wirklich lecker!
Auch das musste sein, wenn man schon mal hier ist: Irgendeinen Cold Caramel Latte oder so
von der Kaffeeröster-Kette mit der Meerjungfrau…
Eindeutiges Stadt-Merkmal: Der Coop hat von 6 bis 22 Uhr geöffnet (dafür am SO zu! 😉
– Coop am CH-Wohnort hat sogar mittags(!) geschlossen.
Kleines Mitbringsel: Bei rice* zuschlagen ohne Versandkosten bezahlen zu müssen 😉

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