Buch-Rezension: Theresa Thönnissen: "Mein Jahr als Säugetier"


Ein Buch, an dem man
nicht vorbeikommt… 😉

Ich war ein wenig skeptisch als ich Titel und Cover dieses Buchs zum ersten Mal sah. Zwei Melonen und die Bezeichnung „Säugetier“ – das ist ein wenig unter der Gürtellinie und klingt nach Aufmerksamkeit erhaschend, mehr ist es aber auch nicht, sondern genau einfach nur ein Mittel zum Zweck und das hat gewirkt: Ich musste das Buch gleich haben 😉
Und dann überraschte mich das Buch noch in Bezug auf einen anderen Aspekt. Ich dachte, dass ich jetzt wieder die nächsten Wochen mit Lesen beschäftigt bin und dann habe ich es innert drei Tagen gelesen(!) Das ist neuer Rekord seit ich Mutter bin. Es war aber auch superspannend für mich und las sich wirklich fast in einem Zug durch.
Theresa Thönnissen startet dieses autobiographische Werk bei ihrer Schwangerschaft, führt uns ins Krankenhaus, wo sie bald einen Kaiserschnitt haben muss und ein Frühchen zur Welt bringt, nimmt uns mit auf die Neonatologie und wir dürfen bei den ersten Pump- und später Stillversuchen über die Schulter schauen. Weiter geht’s dann mit den Themen Brustentzündung, Beikoststart, Kita-Suche, Eltern-Zeit in Südafrika, einer Stillverletzung und schlussendlich der Rückkehr der Autorin in den Job und dem darauf bald folgenden Abstillen, das, soweit ich das erkenne, nicht nur von der Mutter ausgeht.
Theresa’s Schreibstil ist sehr ansprechend. Weder nimmt sie ein Blatt vor den Mund noch redet sie lange um den heissen Brei herum. Wen interessiert das? Vor allem Mütter, die dasselbe erlebt haben. Für Schwangere oder Männer ist das Buch wahrscheinlich ob seiner Offenheit und Detailgenauigkeit eher nicht zu empfehlen. Stillprobleme und unkontrollierbares Laktieren in der Öffentlichkeit? So genau will man das eigentlich nicht wissen. Es sei denn eben man erkennt sich selber bestens in den beschriebenen Situationen wieder.
Wie denkt die Autorin über das Stillen? Sie tut es nicht aus Pflichtgefühl obwohl sie denkt, dass genau das schliesslich so von der Natur eingerichtet wurde für ihr Baby. Vielmehr findet sie das Stillen, als es gut klappt, einfach nur sehr praktisch, v.a. nachts. Gegen kritische Stimmen, die, man kennt es, meist vom näheren Umfeld stammen (die Grosseltern des Kindes, der Vater etc., ein junger Verkäufer), weiss sie sich zu wehren oder schweigt sich aus. Sie lässt sich das Stillen von keinem ausreden und hört auf ihr Herz. Auch dann als das vermeintlich nun für Brei reife Kind wie so viele erst mal nichts von Möhren und Co. wissen will. Und auch dann wenn es nachts noch die Brust verlangt. Zwar führt sie irgendwann erfolgreich ein Abendfläschchen ein (und schafft es so auch an die Weihnachtsfeier ihrer Firma), fühlt sich dann aber in Südafrika sehr wohl als sie als weisse Stillende zwar auffällt, als stillende Frau eines Kindes, das schon älter als 6 Monate ist, generell aber null Aufsehen erregt. Nicht zu stillen, das können sich die ärmeren Mütter hier gar nicht leisten. Und auch sie selber wundert sich über die inkonsequente Haltung in Europa: 6 Monate lang ist es das Beste fürs Kind und Muttermilch ein Muss, danach soll dann aber bitte ganz schnell abgestillt werden.
Eine Brust abgestillt hat sie dann in Südafrika nachdem sie beim Stillen auf dem Rücksitz während dem Autofahren(!) beim Bremsen (ihres Mannes) von ihrem Sohn ungewollt derart heftig gebissen wird, dass man wohl nähen hätte müssen.
Nach der Elternzeit tauscht sie mit ihrem Mann die Rollen. Er bleibt noch eine Weile zuhause während sie wieder ins Büro geht. Weiterstillen tut sie noch nachts und frühmorgens doch mit der Zeit wird es weniger und bald stillt sie zum letzten Mal. Sie resümiert, dass sie das Stilljahr zwar genossen hat und es wieder tun würde, jedoch verstehe sie „richtiges“ Langzeitstillen nicht. Damit meint sie wahrscheinlich das Stillen von Kindern so ab dem 4. Lebensjahr…
Wieder voll zu arbeiten (auch ihr Mann wird nach seiner Elternzeit wieder in den Job einsteigen) ist einerseits stressig und sie sieht ihren Sohn nur noch abends kurz und am Wochenende. Jedoch bringe es ihr auch Energie. Ganz überzeugt ist man am Schluss der Lektüre jedoch nicht davon, dass sie dieses Arrangement glücklich macht. Man blickt aber nicht weiter durch, inwiefern sie vielleicht keine andere Wahl hat.
„Mein Jahr als Säugetier“ ist also nicht nur ein „ehrliches Stillbuch“ (Untertitel) sondern auch ein schöner Erfahrungsbericht über Schwangerschaft, Geburt und das Eltern-Werden und -Sein, der auch ganz übliche Themen wie Babyschwimmen, Zahnen, Brei, Schlafgewohnheiten und Kita behandelt. Und damit ist es ganz allgemein eine nette Lektüre für alle Mütter und sonst wie Interessierten 😉

Einzig das „Jahr“ im Titel liess mich erahnen, dass hier nicht nur doof über das Stillen berichtet wird sondern ernsthaft und dass die Autorin nicht ungerne gestillt hat.

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