Wie sich die Stillbeziehung verändert…

Angeregt durch einen Beitrag, den „Frollein 0.2“ letztens schrieb (ein Stilltagebuch ihres jüngsten Babys), kam mir die Idee, dieses auszuweiten auf unsere Stilljahre und damit vlt auch etwas „Werbung“ für längeres Stillen zu machen (nicht, dass ich das müsste, denn ich kenne mitunter fast mehr Frauen, die mindestens 12 Monate gestillt haben).

Die ersten Wochen

Ach, was ein Kampf, darüber habe ich schon oft genug ausführlich berichtet. Das erste Stillen ist oft schmerzhaft und so bleibt es meist eine Weile, kann sogar einen Peak erreichen, an dem man glaubt, aufgeben zu müssen (und es vlt auch tut). Ich hatte das bei beiden Kindern und ich muss wohl nicht erwähnen, dass diese ersten Wochen für die meisten Mütter nicht einfach ist. Milcheinschuss, Milchstau, Brustentzündung, zu wenig Milch, zu viel, das Kind saugt nicht richtig etc. Bis sich alles einpendelt, Angebot und Nachfrage sich bestens regeln, dauert es; meist genau bis zum Ende des Wochenbetts. Es muss nicht so sein aber oft ist es so, zumindest beim ersten Kind. Mit der Unterstützung einer kompetenten Hebamme/Stillberaterin, Vertrauen in sich und das Kind und Durchhaltewillen ist diese Hürde zu bewältigen.

Die Monate bis zur Beikostreife

Sobald das Stillen gut läuft und sich ein Rhythmus entwickelt hat, ist das Stillen wunderbar (und) praktisch. Mutter und Baby sind ein eingespieltes Team, die Brust schön weich, die Stilleinlagen bald nicht mehr nötig, man verwendet oft nur noch zwei Stillpositionen (Liegen und Wiegehaltung) und braucht das Kissen auch nicht mehr zwingend. Alles easy… oder? So um den 4., 5. Monat herum beginnen aber viele Babys sich vermehrt für ihre Umgebung zu interessieren – ein Zeitpunkt, in dem man am liebsten nur noch im stillen, dunklen Kämmerlein stillen möchte weil das Baby sich einfach nicht auf’s Stillen konzentrieren mag. Abends klappt’s dann wieder wunderbar. Und so schnell die Phase kam, ist sie auch wieder vorbei.
Wer gerne stillt, der hat es nicht eilig mit der Beikost, andere können es kaum erwarten, bald unabhänginger zu sein (wenn sie dies nicht eh schon mit dem Abpumpen geworden sind) weil das Baby nun eine Stillmahlzeit nach der anderen auslassen wird. Doch so wie es im Lehrbuch steht, funktioniert es bei weitem nicht immer. Nicht wenige Babys wollen bis gut zum 12. Lebensmonat von fester oder breiförmiger Nahrung nichts wissen und bevorzugen ihre Mamamilch. Wen’s nicht stört, der forciert nichts und lässt das Baby den Zeitpunkt entscheiden, ab dem es auch etwas anderes als Milch bekommt. Schaden wird auch das Vollstillen nicht denn in der MuMi sind genügend Nährstoffe enthalten, auch nach dem 6. Monat auch wenn manche Ratgeber oder Ärzte etwas anderes behaupten. Wichtig ist, dass die Mutter weiterhin gut zu sich schaut und sich gesund ernährt und regelmässig isst und trinkt.

Von Stillstreiks und Bisswunden

Auch um den 5. Monat rum bemerken viele Mütter einen „Stillstreik“. Das Baby schreit die Brust an oder weint anstatt zu stillen. Was’n jetzt los? Alles ganz normal und kein Grund zur Sorge oder zu denken „huch, es will sich abstillen“. Kein Kind wird sich je vor dem 12. Monat abstillen (und seine Nahrungsquelle kappen), es sei denn es wird so häufig mit dem Fläschchen gefüttert neben dem Stillen dass es das irgendwann bevorzugt (weil’s schneller geht z.B. Kann aber muss nicht). Auch wir hatten die Phase und auch die ging vorbei. Wenn die Kleine bockte, hab‘ ich sie halt nicht gestillt. Dafür hatte sie dann irgendwann später Hunger… oder ich stillte im Liegen oder im Halbschlaf. Irgendwas klappt meistens.
Wenn die ersten Zähnchen kommen, kann es dann nochmal unangenehm werden. Auch ich musste diese Erfahrung 2-3x machen allerdings erst recht spät, da war die Maus schon etwa 18 Monate alt. Einmal biss sie wohl beim Wegdösen zu (also ganz unbewusst, da muss man aufpassen weil da manchmal einfach der Kiefer zusammenklappt, passiert aber selten). Das war ziemlich heftig und ich hab‘ ihr danach fast 2 Monate lang nicht mehr „vertraut“ und hatte immer den kleinen Finger „im Anschlag“ um sie schnell lösen zu können… doof, aber war danach auch wieder gut…

12 Monate und dann?

Wenn 6 Monate die erste magische Grenze war, ab der viele Mütter langsam abstillen, dann ist 12 Monate oft der zweite Zeitpunkt, an dem manche Mutter das Stillen beendet. Der Tragling wird zum Laufling, das Baby so langsam zum Kleinkind. Der Druck von aussen wächst, denn manch Tante oder der eigene Mann oder auch Fremde mögen ein Kind, das läuft und noch bei der Mutter stillt als befremdlich ansehen. Was in anderen Kulturen/Ländern als völlig normal angesehen wird, kann also in unserer Gesellschaft, in der eher kurz gestillt wird, Aufsehen erregen. Muss es aber nicht. Die meisten Kinder essen mit 12 Monaten schon bestens am Familientisch mit und dürfen nun auch alles essen sofern sie können (meine Kinder hatten in diesem Alter noch keinen einzigen Zahn, wohlgemerkt, konnten aber trotzdem schon vieles essen). Das Interesse nach der Mutterbrust beschränkt sich also sowieso meistens auf Zuhause, auf’s Einschlafen/Aufwachen etc. und muss so niemanden stören bzw. geht auch niemanden etwas an ausserhalb der Familie! Zurückziehen kann man sich zum Stillen auch unterwegs wenn man das denn will, ich hielt das aber nur äusserst selten für nötig denn Stillen kann man auch diskret und meist ist das Kind eh schnell „fertig“.
Da Kinder ab 12 Monaten auch Kuhmilch vertragen, ist das meist ein weiterer Grund für gewisse Mütter, das Stillen nun ausklingen zu lassen. 
Man kann sich aber auch fragen, warum eigentlich? Never change a running system… Stillen ist nach wie vor denkbar einfach, ist das effektivste Beruhigungsmittel bei allerlei Wehwehchen und praktisch nichts bringt das Kind schneller zum Einschlafen. Warum also aufhören? Ausserdem strotz das Stillkind meist nur so vor Gesundheit (zumindest meine Maus war bisher kaum krank) und es ist auch erwiesen, dass gewisse antibakteriell wirkende Stoffe in der Muttermilch zu diesem Zeitpunkt auch wieder ansteigen. Das hat Mutter Natur gut eingerichtet, denn Babys, die sich fortbewegen können (krabbeln, laufen) sind nun auch vermehrt Erregern ausgesetzt…

Und dann sind’s zwei Jahre

Ich weiss nicht mehr ob ich mir je eine magische Grenze gesetzt hatte. Wenn, dann vlt am ehesten die 2-Jahres-Grenze. Und ehrlich gesagt dachte ich auch irgendwann mal so um den 15. oder 18. Monat rum (keine Ahnung mehr, sorry 😉 dass sich die Maus bald abstillt. Sie stillte nämlich eine Zeit lang nur noch wenig, vlt abends und wohl nachts auch nicht mehr oft und v.a. nur ganz kurz. Da dachte ich dann auch das übliche, dass ich eh kaum mehr Milch habe. Aber ich hab‘ mir darüber ehrlich gesagt nie den Kopf zerbrochen wie man es vlt in der Babyzeit macht. Sie war ja nie unzufrieden an der Brust und motzte weil nichts kam. Vlt nuckelte sie auch nur, wer weiss das schon. Den MSR spürte ich irgendwann nach dem 1. Jahr eh kaum bis gar nicht mehr, erst wieder als das Stillen wieder häufiger wurde aber natürlich nie mehr so intensiv wie am Anfang. Auch trank Maus an der linken Seite immer weniger, seltener, ungerner und irgendwann gar nicht mehr. Seitdem stille ich nur noch mit der rechten Brust. Ab und zu nimmt sie mal spontan aus Spass die linke in den Mund, nuckelt höchstens kurz, lässt sie wieder los und lacht. Jaja, witzig… nun, ist halt so, warum auch immer… 😉

Und so geht das weiter…

…und weiter. Sie ist jetzt 2,5 und kein Ende in Sicht und das passt so für uns beide. Ich sag‘ jetzt mal, dass ich sie nicht bis zum Kindergarten stillen werde… aber wer weiss das schon!? Ich glaube daran, dass sie sich abstillt wenn die Zeit reif ist. Im Moment braucht sie es eher öfter. Ich bin halt immer da, verfügbar, wir sind oft zuhause… Sie ist halt öfter mal müde oder tut sich weh oder hatte Streit mit dem Bruder. Irgendwas halt und dann will sie kurz an die Brust und dann ist auch wieder gut. Am Abends, v.a. wenn sie nicht bei mir war (Kita, Nana), braucht sie es um „anzukommen, runterzufahren“. Ich geniesse es dann genauso, einfach bequem auf dem Sofa, innige Kuschelzeit. Auch zum Einschlafen stillt sie. Ist sie müde, schläft sie so ruckzuck ein, auch tagsüber (aber eher selten leider). Für mich ist das Lebensqualität. Mein Sohn konnte und kann heute tagsüber ganz schlecht abschalten und einschlafen. Es war jedes mal ein Kampf. Von alleine schlief er meist viel zu spät ein und es war immer mit Theater verbunden, das Aufwachen auch. Maus stilt halt wenn sie müde ist, ist binnen weniger Minuten weg und nach dem Aufwachen dasselbe umgekehrt. Und sie ist bester Laune dann. Das Stillen ist für uns wirklich sowas wie das Mittelchen für alles, eine Ruheinsel, ein Kraftort, ganz ehrlich. Es lädt jedes mal meine Akkus auf und es ist Bindung gänzlich ohne Aufwand. Und ich wage zu behaupten, dass wir beide, meine Tochter und ich, davon ein Leben lang zehren werden. Diese wenn auch kurzen Momente sind so kostbar.

Im Dezember 3 Jahre… 

Mal sehen ob wir das schaffen 😉 Und wenn sie sich abstillt? Dann werde ich das natürlich akzeptieren – mit einem weinenden Auge, ganz klar, aber auch mit einem lachenden. Denn ich gewinne so vielleicht doch gefühlt ein wenig mehr Freizeit (das heisst ich könnte auch mal weg, das könnte ich sicher jetzt schon aber irgendwie würde es sich nicht gut anfühlen und vlt wird es sich das auch nachher nicht…). Aber ich hoffe und denke doch, dass sie das Stillen dann einfach mit Kuscheln ersetzt 😉
Eine Stillbeziehung ist eine gleichberechtigte Beziehung. Wenn jemand nicht mehr will/kann/mag, dann soll er sie beenden dürfen. Es ist eine Beziehung mit Höhen und Tiefen wie es eine jede Beziehung ist. Und das ist gut so denn das hält sie lebendig, macht sie spannend. Man sollte nicht bei einem Hauch von Problemen das Handtuch werfen, dafür ist die Beziehung viel zu wertvoll und man könnte es später bereuen. Denn ein Zurück gibt es hier nicht mehr. Höchstens eine zweite Chance mit einem weiteren Baby. Nur wenn man sich nicht mehr wohl fühlt, eingeschränkt oder ausgemergelt, dann sollte man sich überlegen, ob es Alternativen gibt, ob man etwas ändern kann (mit grösseren Kindern lässt sich auch schon „reden“) oder ob man es tatsächlich beenden will. Ich bin froh, dass ich nie vor ernsthaften Problemen stand. Die Maus auch nicht 😉 Es gab Nächte, die waren enorm anstrengend weil sie unendlich oft aufwachte und an die Brust wollte und dann ewig nicht von selber wieder los liess. Das war zeitweise streng und da und nur da gab es Momente da ich ans Abstillen dachte. Aber so schnell diese Nächte plötzlich da waren, so schnell waren sie auch wieder vorbei. Einfach so. Phase eben. Wie alles im Leben… 😉
Ich bin stolz, ich bin glücklich so wie es ist, meine Kleine ist total gesund, kränkelte fast nie, ist ein sehr zufriedenes Kind. Ich geniesse es solange ich kann und freue mich darüber, dass mich die Stillhormone meist bei guter Laune halten (wenn mich die Kinder nicht gerade arg stressen 😉
Ich kann es nur empfehlen, so lange zu stillen (wenn es für einen passt und für das Kind auch), ich sehe nur Vorteile darin… und ich trinke auch mal ein Glas Wein. Eingeschränkt fühle ich mich nicht.
Und nun bin ich sehr gespannt, was diese Beziehung noch bringt und freue mich nun auf’s Bett, vlt nicht auf’s nächtliche Stillen aber sicher auf’s morgendliche, da kann ich auch nochmal dösen ‚bei 😉

4 Kommentare zu “Wie sich die Stillbeziehung verändert…

  1. Hallo !

    Ich habe jetzt schon sechs Kinder gestillt. Alle ganz unterschiedlich lang, eines aber auch drei Jahre. Es hat so viele Vorteile, das unterschreibe ich auch. Und länger als ein Jahr stillen, ist total wichtig für die Kinder. Dann schafft der Körper die Beikost auch besser. Eingeengt habe ich mich auch nie gefühlt, denn ich hätte die Kinder eh nie mehr alleine gelassen, als das stillen eben ermöglichte.
    Liebe Grüße an euch
    Andrea, mit Stillbaby Nummer 7 jetzt drei Monate alt 🙂

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  2. Pingback: Stillen – Der Start mit Stillkind #3 | Mama mal 3

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