Letzte Ferienwoche – Herausforderungen

Der Grosse, er stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, hält uns den Spiegel vor, überrascht uns, bremst uns, jeden Tag auf’s Neue. Die Mama und die Nachbarin, sie plauderten irgendwann im Mai oder Juni. Und die Nachbarin sprach die Sportwoche an. Eine Woche mit vielen sportlichen Aktivitäten, hier in der Region, für Jung und Alt. Es gab auch ein Angebot für Kinder im Alter unserer Söhne. Täglich von 8.30-11.30 Uhr in der Turnhalle in Vaduz. Tolle Idee, dachten wir und meldeten an. Ohne zu fragen, zumindest ich für meinen Teil. Ich sah: nach 4 Ferienwochen ein gelangweiltes Kind, dem eine Portion Bewegung gut tun würde. Aktivitäten mit dem Nachbarssohn, mit dem er stets und viel spielt und sich bestens versteht. Und auch: eine gestresste Mutter, die wenig Zeit für sich hatte und froh um die frühzeitige Wiedereinkehr einer Struktur ist. Es traf ein: Protest. Starker Protest. Der Sohn, er reagierte auf die Ankündigung am Samstag, als würde ihm jemand das Schlimmste aller Zeiten antun wollen. Er war wahnsinnig verzweifelt. Wir wollten bis Montag nichts mehr dazu sagen. Doch das Thema kam darauf als die Schwiegermutter den Montag ansprach. Das selbe Spiel. Ich wollte abwarten. Am Montag wollte er dann nicht mit seinem Freund fahren. Also fuhr ich hin. Rund 15 Kinder und mein Sohn. Und sein Freund. Erst spielten die zwei mit den aufgestellten Geräten. Bis zum Sitzkreis mit Vorstellungsrunde gerufen wurde. Da sassen gut 15 Kinder in einem Kreis. Und ein Kind mit dem Rücken zum Kreis, aussen, neben mir. Die Arme verschränkt. Ich wusste, es würde nicht klappen, zumal ich vor 9 Uhr bei der Schwiegermutter sein wollte. Und so brachen wir wieder auf.
Was es mir einmal mehr zeigte: hör‘ auf Deinen Instinkt und gib‘ es auf, den Sohn zu etwas bewegen zu wollen, dass er nicht will. Ich hatte es nämlich tief drin im Gespür, dass es nicht klappen würde, hegte einfach die Hoffnung, es würde schon weil ja der Freund dabei war. Aber das half auch nichts. Was mein Sohn daran nicht wollte, so genau weiss ich es nicht. Die fremde Umgebung, die fremden Kinder, die fremden Betreuerinnen? 15 Kinder stresst das nicht, meinen Sohn schon. Ja, da ist er anders, da hat er eine ganz starke Meinung und er scheut sich nicht davor, sie kund zu tun. Darauf sollte ich stolz sein als Mutter. Zu oft wünschte ich mir, er wäre wie die anderen. Alles wäre einfacher. Aber muss das Kind so gefügig sein? Gerade dann wenn man es für etwas anmeldet ohne vorher zu fragen? Ist es dann nicht sein Recht, „nein“ zu sagen? Muss er doch schon vieles anderes akzeptieren? Den täglichen Kindergarten? Dass er mal mit zum Einkaufen muss? Mit zu meinen Kolleginnen weil ich ein Playdate habe und er vielleicht an dem Tag grad keine Lust? Mit zum Arzt? Mit zum Amt? Abends ins Zimmer wenn wir Bettruhe verlangen? Essen, was auf den Tisch kommt und kein Wunschmenu? Viel Entscheidungsfreiheit bleibt da ja nicht mehr im Alltagsleben eines Kindes. Da finde ich es eigentlich legitim, dass er sich wehrt. Und der Kampf, den ich deswegen führe, den führe ich mit mir. Weil ich gespalten bin zwischen dem Zugeständnis zu meinem Sohn, dass er sein darf, wie er ist und dem Wunsch, dass er sich fügen möge oder vielleicht auch der Akzeptanz in der Gesellschaft (weil das Kind halt oft nicht der Norm entspricht). Und eigentlich ist er wie ich und vielleicht macht es das so schwer. Ich hätte auch nicht gewollt als Kind. Ich hätte auch Panik vor einer solchen Situation gehabt. Vielleicht etwas weniger wenn eine Freundin dabei gewesen wäre… und eigentlich schwimme ich selber gerne gegen den Strom wenn ich es für richtig halte. Ach…
Nun werde ich morgen vielleicht einfach mal mitgehen und länger bleiben (keine Termine). Und sehen ob er sich dann, mit meiner Unterstützung, einfügen kann. Und es ihm dann vielleicht gefällt. Heute habe ich es sein gelassen. Und wenn es morgen nicht klappen will, dann geht er da eben nicht hin. Und es war mal wieder eine Lektion in Sachen Elternsein…

Und sonst? Es ist warm hier, ja heiss. Und wir lassen die Tage auf uns zukommen. Wir waren Am Weekend im Hallenbad und am Rhein. Und hatten es eigentlich soweit gut, bis auf die üblichen, kurzen Krisen. Wir haben, bis auf ein Playdate am Mittwoch, die Woche null verplant. Es ist die letzte Ferienwoche und es herrscht auch noch Ferienstimmung. Kann es kaum fassen, dass nächste Woche schon wieder der Alltag einkehrt. Dass mein Grosser dann früher zum KiGa muss (7.45 Uhr), dafür nun mit seinem Freund (dem Nachbarn) und dass er dann auch zwei mal nachmittags hin muss. Ich bin gespannt, wie er das aufnehmen wird. Und der Start nach den Sommerferien läutet den baldigen Herbst ein. Und das stimmt mich, so sehr ich die Hitze grad nicht mag, enorm traurig. Weil mehr als das halbe Jahr wieder um ist, weil wird doch gerade erst in den Ferien waren, weil der Sommer gefühlt so wahnsinnig kurz ist. Weil ich es einfach nie ertragen werde, dass die Zeit so rast… weil mich heute ein Twitter-Beitrag zum Weinen gebracht hat. Dabei war die Botschaft froh… nur, nicht für mich.

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