Mein chaotischer Haushalt

Vor einer Weile habe ich mal angemerkt, etwas zum Thema Haushaltsführung zu schreiben, also voilà! Bei uns herrscht tatsächlich seit Jahr und Tag „management by chaos“.  Ich bin in einer Generation aufgewachsen, die keinen Hauswirtschaftsunterricht hatte und Fächer wie Kochen waren optional und interessierten mich damals nicht. Aufgewachsen bin ich als Fast-Einzelkind (mein Bruder ist einiges älter als ich) mit einer Vollzeit- und -blut-Hausfrau/-Mama. Dagegen ist nichts auszusetzen, aber ich wurde natürlich auch ein wenig verwöhnt. Ich war ein Kind, das sich bestens selber beschäftigte und so schmiss meine Mutter den Haushalt allein, ohne mich grossartig um Mithilfe zu bitten. Oder, und diese Tendenz bemerke ich selber auch: viele Dinge erledigt man eben nervenschonender und schneller, wenn die Kinder einem nicht dabei helfen. Sicherlich deckte ich mal den Tisch, durfte beim Backen assistieren oder musste ihr bei der Gartenarbeit zur Hand gehen, aber sobald ich im Gymi war, schätzte sie es wohl als wichtiger ein, dass ich die Hausaufgaben erledige und brav lerne 😉 Einzig bei meiner Oma, ihrer Mutter, wurde ich jeweils stark eingespannt (und, nein, ich mochte es nicht).
De facto habe ich heute von einer erfolgreichen Haushaltsführung nur eine leise Ahnung und immer noch relativ wenig Interesse daran. Ich kann Euch hier also keinerlei Tipps geben, bin aber sicher, dass Ihr diesbezüglich im Internet oder in einschlägigen Ratgebern fündig werdet. Dazu kommt noch, dass jeder Mensch seine eigenen Ansprüche bzw. Vorstellungen eines funktionierenden Haushalts hat. Ich kenne Mütter, die haben alles im Griff, erstellen Listen von A-Z und planen die täglichen Mahlzeiten Wochen im Voraus. Ganz ehrlich: ich bewundere diese Mütter enorm. Ich. wäre. dazu. nicht. imstande. Nie. 
Und dann war ich schon in Häusern, da graute es mir, weil alles vollgestellt war, schmutzig in allen Ecken und man den Boden vor lauter Schmeisskleidung, Kinderspielzeug und dergleichen nicht mehr sah.
Ich ordne mich irgendwo dazwischen ein. Ich brauche ein Mindestmass an peniblem „Alles-an-seinem-Platz“ (und kein Millimeter daneben!) um mich wohl zu fühlen, habe aber eine hohe Toleranzschwelle in Bezug auf herumliegendem Kinderkram. So fünf Tage lang im Schnitt und dann überkommt es mich und ich räume den Kram weg. Leider sind mein Mann und ich da nicht ganz einer Meinung…
Arbeitsflächen (Küche, Esstisch) müssen aber häufiger frei geräumt sein. Ich kann Geschirr nicht lange stehen lassen, meist ergreift mich der Impuls, den Tisch abzuräumen, noch bevor ich den Kaffee ausgetrunken habe. Ähnlich ist es mit der Wäsche, die ich gerne abhängen würde, bevor sie trocken ist. Solche „Pendenzen“ stören mich immens, es ist so ein wenig Sisyphus, ein notwendiges Übel halt…
Haushaltsarbeit ist bei mir auch ganz oft stimmungsabhängig. Schleife ich mich durch eine Serotonin- und Endorphin-arme Januardepression (so wie jetzt gerade), ist mir sch… egal, wie es aussieht, dann würde ich mich einfach am liebsten verkriechen oder mich quer durch eine Schoko-Sahne-Torte futtern, oder beides. Moment… Ich will Toooorte! OK. Gut. Weiter im Text.
Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, wie das Ganze trotzdem funktioniert, weil, obviously, tut es das irgendwie, denn: meist sind abends alle satt und wir gehen nicht im Chaos unter. Es wird hier halt oft improvisiert und situativ gehandelt. Muss auch manchmal, ist ja nicht alles planbar. Mahlzeiten-technisch greife ich selten zu einem Kochbuch, koche eher aus dem effeff… an einem Mittag werden wir bei der SchwieMu verköstigt, an zwei Mittagen muss ich Maus von der Kita holen und habe ergo keine Zeit, gross den Kochlöffel zu schwingen. An den anderen Tagen sind Maus und ich auch öfter mal mit Playdates belegt und es wird halt 11.30 Uhr bis ich kochen könnte.
Das Ziel ist trotzdem, für ausgewogene Ernährung zu sorgen und dabei nicht mehr alle Wünsche zu berücksichtigen. Habe ich Bock, mache ich etwas, das auch dem Grossen schmeckt oder koche ihm eine Extrawurst. Habe ich weder Zeit noch Lust, dann koche ich rücksichtslos und er kann sich bei Nichtgefallen ein Joghurt aus dem Kühlschrank holen. Einen Zwang gibt es hier nicht, aber auch kein Buffet. So.
An Stresstagen gibt es eben Brot, Pasta, Pizza oder so. Manchmal auch Fast Food. Zweimal kalte Küche kommt aber selten vor, mindestens einmal am Tag soll’s was Warmes geben, ausser vlt im Sommer, wobei wir dann oft was auf den Grill schmeissen. Eine Stressmahlzeit gleiche ich meist mit einer aufwändiger-liebevolleren-gesünderen Mahlzeit aus. Und Brot bzw. kalte Küche heisst bei uns nicht nur Salamistulle, sondern es gibt auch immer Rohkost dazu: Salatgurke, Tomaten, Peperoni, Rüebli und je nach dem Eier, (Hütten)käse oder so für den Eiweiss-Anteil.
Der Geschirrspüler läuft hier so gut wie täglich, Wäsche wird 2x die Woche erledigt, gebügelt wird äusserst selten (meist die Boxbandagen und mein Gi), gesaugt wird mehrmals die Woche, der Kompost regelmässig geleert; sommers der Rasen wöchentlich gemäht, gegossen täglich, der Rest erfolgt, wie erwähnt, situativ 😉
Da der Mann gut 120% arbeitet und ich nur wenig, bin ich die Hauptverantwortliche im Haushalt, delegiere aber an den Wochenenden das Kochen an ihn weil er das a) besser kann und b) eigentlich auch lieber tut als ich. Selbstverständlich räumt er auch sonst mal die Küche auf, putzt etc. Letzteres ist nicht meine Stärke. Ich bin ein Minimalist, wie ihr jetzt ja wisst, d.h. ich putze die Fenster meist monatelang nur punktuell wenn mir grad was auffällt, aber nie richtig. Ich bin der Meinung, das Leben ist zu kurz um es mit Sisyphus-Arbeiten zu vergeuden. Sollte mir eines Tages grauenhaft langweilig sein, kann ich immer noch putzen. Erwarten wir Besuch oder habe ich eine Beratung, dann nehme ich aber schon mal den Putzlappen in die Hand 😉 Aber zur Beruhigung. wir sehen noch aus den Fenstern hinaus und wir haben auch keine Kakerlaken-Zucht.

Wisst ihr Bescheid, ne?
Und ihr? Alles im Griff? Ein strikter Plan ohne Abweichungen oder dolce far niente und laisser-faire?

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