Buchrezension: „Das Geburtsbuch“ von Nora Imlau

Eins vorweg: wundert Euch nicht, dass ich das Buch an einem Pool fotografiert habe, aber es war zum Grossteil (einen Teil las ich schon zuhause) meine Urlaubslektüre und ich fand es so passend, am Meer und am Pool zu sein während ich z.B. den Part über die Wassergeburt las. Und, selber im 4. Monat schwanger, konnte ich mir dazu natürlich ganz viele Gedanken machen (z.B. dass ich ja eine Wassergeburt ausprobieren könnte wenn sich mein 3. Kind auf den Weg macht… 😉
Ich dachte ja, ich wisse alles über Geburten, nach zwei Kindern, der Lektüre anderer Geburtsberichte, Artikel aber auch Bücher zum Thema. Aber ich verschlang dieses Buch so richtig. Es ist einfach und verständlich geschrieben, feinfühlig und rücksichtsvoll und an keiner Stelle wertend. Im Gegenteil: Nora Imlau erwähnt immer wieder, dass Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und dergleichen fehl am Platz sind, wenn es darum geht, wie man geboren hat (z.B. ungewollt in einem Kaiserschnitt endend) und offenbart, dass es wahrscheinlich sehr viele Frauen gibt, die mit ihrem Geburtserlebnis hadern.
Die Geburt der eigenen Kinder ist eine der prägendsten Erfahrungen im Leben einer Mutter (und oft auch des Vaters). Nora Imlau wollte mit dem Schreiben dieses Buches bewirken, dass Schwangere wissen, welche Optionen sie haben um sich frei entscheiden zu können. Und dass sie dabei „offen bleiben für die unerwarteten Wendungen, die das Leben manchmal nimmt“. Es ist legitim, sich seine Traumgeburt auszumalen. Wer sich jedoch nicht darauf versteift, sondern sich auch bewusst ist, dass es ganz anders kommen wird, der wird weniger Mühe damit haben, wenn die Geburt nicht wie erwünscht verläuft. Und so sei dieses Buch auch für Mütter, die bereits geboren haben und ihre Geburt noch nicht ganz verarbeitet haben.
Mütter müssen sich auch bewusst sein, das sie selten alleine für eine „gute Geburt“ verantwortlich sind, es sei denn sie gebären allein. Das Umfeld und die Unterstützung vor, während und nach der Geburt ist essentiell. Je grösser die Unterstützung ist, auch wenn eine Geburt nicht wie gewünscht verläuft, desto gestärkter wird die Frau aus der Geburt gehen. Wird sie jedoch allein gelassen oder wird ohne Absprache eingegriffen, trägt das kaum zu einem guten Gefühl bei… ich kann dieses Buch deshalb jeder Schwangeren ans Herz legen. Allein deshalb, weil sie nach der Lektüre die Informationen hat, die sie braucht, um selbstbestimmt in die Geburt zu gehen.

Das Geburtsbuch ist in drei Kapitel unterteilt: Vorbereiten – Erleben – Verarbeiten. Während das erste Kapitel u.a. Grundsätzliches zur Geburt erklärt, die Geburtshelfer vorstellt und die Bedeutung eines Geburtsplans aufzeigt, listet das zweite Kapitel alle Arten von Geburten detailliert auf, erklärt den „normalen“ Ablauf, die Gründe, die für die jeweilige Geburt sprechen und beantwortet drängende Fragen, die sich dazu ergeben können. Ein umfangreiches und spannendes Kapitel, auch wenn sich einiges wiederholt weil sich die unterschiedlichen Geburten natürlich trotzdem in vielem ähneln.
Das Kapitel wird aufgelockert durch Erfahrungsberichte, die bei mir zum Teil wirklich für Gänsehaut sorgten (und mich als Schwangere natürlich besonders berührten). Und durch wunderschöne Geburtsfotos von Kerstin Pukall, Geburtsfotografin in Deutschland.
Das letzte Kapitel ist für Frauen, die bereits geboren haben und ihre Geburt erst noch verarbeiten (müssen). Je nach dem, wie die Geburt verlief, gerade auch in Relation zu den Vorstellungen und Wünschen, welche die Mutter hatte, braucht dies mal mehr, mal weniger Zeit und auch Unterstützung. Nora Imlau beschreibt die Gefühle nach der Geburt und auch den Körper. Z.B. haben Mütter nach einem ungeplanten Kaiserschnitt oft lange Mühe mit ihrer Narbe, wagen es nicht einmal, sie zu berühren. Imlau zeigt auf, wo man Unterstützung findet, wenn man zu sehr mit seiner Geburtserfahrung hadert. Es wird auch das Thema „Gewalt in der Geburtshilfe“ angesprochen – Gewalt, die sich ganz unterschiedlich äussern kann, die aber in jedem Fall zu verurteilen ist. Die Autorin prangert auch an, dass sich die Geburtshilfe (in Deutschland) leider eher weg von der Wahlfreiheit bewege, „hin zur Einheitsgeburt. Weg von Selbstbestimmtheit, hin zum Massenbetrieb“. So ist es z.B. vielen Frauen verwehrt, eine Hausgeburt zu erleben weil sie einfach keine Hebamme finden (Problem der Versicherung freiberuflicher Hebammen).

Auch das Nachwort von Dr. Herbert Renz-Polster (Autor von „Kinder verstehen“, „Menschenkinder“ u.v.m.) kann ich jedem empfehlen. Der Arzt spricht darin das „Dilemma der heutigen Geburtshilfe“ an. Dass das ganze Arsenal an Technik und Medikamenten, das Sicherheit vorgaukelt, ein System, das sich zwar in Notfällen bewähre, selbst aber wieder Probleme schaffe, neue Unsicherheit. Eine normale Geburt, ein natürliches Ereignis, ein Programm, das, fühlt sich die Frau geborgen und sicher, ganz von selbst abläuft, kann jäh gestört werden wenn vor lauter Angst, etwas könne schiefgehen, voreilig interveniert wird. Renz-Polster appeliert deshalb dazu, das Ereignis der Geburt zu schützen, bewahren und zu fördern.
Im Anschluss listet Nora Imlau noch weitere, empfehlenswerte Bücher rund um die Geburt auf.

Wohl auch weil es mich selbst betrifft, als Mutter, die schon zwei (unterschiedliche) Geburten hatte und sich auf die dritte, wahrscheinlich letzte, Geburt vorbereitet, fand ich die Lektüre des Geburtsbuchs wirklich sehr spannend und informativ. Obwohl ich meine Geburtserlebnisse beide gut „verdaut“ habe, kann ich mir vorstellen, dass die Lektüre auch denjenigen Müttern helfen kann, die daran noch zu nagen haben. Und vor allem lege ich sie, wie schon erwähnt, jeder Mutter ans Herz, die ihr erstes Kind erwartet 🙂

Und hier gibt es das Buch zu kaufen…
Das Geburtsbuch: Vorbereiten – Erleben – Verarbeiten

Ein Kommentar zu “Buchrezension: „Das Geburtsbuch“ von Nora Imlau

  1. Pingback: Gastbeitrag von Nora Imlau zum Thema Geburt | Mama mal 2 1/2

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s