Katharina Saalfrank: Was unsere Kinder brauchen – Buchrezension

Katharina Saalfrank dürfte jedem ein Begriff sein aus Ihrer Zeit als „Super Nanny“ im deutschen Fernsehen. Längst hat sie sich aber auch als Pädagogin mit eigener Praxis, ihrer Eltern- und Familienberatung, als Autorin und in den sozialen Medien einen Namen gemacht. Ich habe bereits ihr 2013 erschienenes Buch „Du bist ok so, wie Du bist“ gelesen. Nun liegt schon seit einer Weile ihr neustes Werk „Was unsere Kinder brauchen – 7 Werte für eine gelingende Eltern-Kind-Beziehung“ vor mir. In den letzten Tagen habe ich mir endlich Zeit genommen, es richtig zu lesen und bin sehr angetan. Erstens ist es schön, dass der Buchtitel meinem Nestwärme-Leitsatz („Was unsere Kinder wirklich brauchen“) gleicht und zweitens ist das Buch sowohl wunderbar aufgebaut und verständlich sowie auch inhaltlich absolut hilfreich. Ich sah‘ mich innerlich ganz oft nicken und sagen: „ja, genau so ist es“. Nur leider verfällt man selber so oft in „alte, eingeprägte Muster“, meist aus der eigenen Erziehungserfahrung, dass es gut tut, schwarz auf weiss zu lesen und verstehen, wie schädlich das eigentlich sein kann für eine gute Beziehung zu den Kindern. Mir fällt es leicht, solches „Fehlverhalten“ bei anderen zu sehen und (z.B. bei meinem Mann) auch anzusprechen, ich selber ertappe mich meist zu spät dabei, wenn ich wieder in irgendwelchen Stereotypen gefangen bin und einfach nur „schimpfe“, anstatt mir Zeit zu nehmen, eine Situation genauer anzusehen und dabei auch die Gefühle der Kinder wahrzunehmen, zu ergründen, zu respektieren und zu benennen. Nach der Lektüre des Buches will ich es in Zukunft (noch) besser machen. Oft geht im Alltag nämlich diese wertvolle und etwas intensivere Auseinandersetzung mit einer Situation einfach unter weil man vielleicht gerade mit etwas anderem beschäftigt ist und möglichst schnell wieder seine „Ruhe“ will.

Zum Aufbau des Buches:
Es ist überaus liebevoll gestaltet, mit vielen Illustrationen, mit vielen, wichtigen Zitaten, die farblich und in grosser Schrift herausgehoben werden, mit einer Seite von „Aha-Effekten“, die am Ende jedes Kapitels aufgezählt werden und ein Resümee bieten, mit kleinen Infoboxen namns „Rückenstärkung“, in denen sich Katharina Saalfrank nochmal mit ein paar ganz wichtigen Punkten an die Leser wendet und mit vielen, ganz konkreten Praxis-Beispielen von uns allen bekannten Alltags-Situationen. Diese finde ich besonders wertvoll, weil die Autorin hier zeigt, wie man oft fälschlicherweise reagiert (und darum immer wieder in dieselbe Situation gerät) und wie man anstatt dessen reagieren kann und welch‘ positive Auswirkung dies nicht nur auf die Beziehung zum Kind haben wird, sondern auch, dass auf diese Weise Konflikte im Familienleben nachhaltig gelöst werden können.

Die sieben Werte im Überblick:

  • Beziehung statt Erziehung
  • Achtsamkeit statt Belehrung
  • Verantwortung statt Bevormundung
  • Wertschätzung statt Abwertung
  • Vertrauen statt Kontrolle
  • Dialog statt Monolog
  • Miteinander statt Gegeneinander

Ich kann und will hier nicht alle Themen umreissen, denn Ihr sollt selber mal reinschnuppern, aber es kommt wirklich vieles zur Sprache, das uns im Alltag mit Kindern immer wieder begegnet, seien es Aggressionen (hier rät uns Katharina Saalfrank z.B., uns bewusst zu machen, dass das Verhalten des Kindes uns etwas sagen will, ein unerfülltes emotionales Bedürfnis birgt, und wir nicht einfach versuchen sollten, in unseren Augen negatives Verhalten zu unterdrücken, sondern nach dem wahren Grund zu forschen – und das geht nicht, wenn wir unser Kinder bewerten und bevormunden) oder vermeintlicher Trotz und Verweigerung.

Überhaupt schätze ich es sehr, wie Katharina Saalfrank dafür einsteht, unseren Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Grenzen nicht zu überschreiten und die eigene Macht nicht zu missbrauchen. Sie lehnt Strafen genauso vehement ab wie Belohnungen weil beides auf Dauer eher kontraproduktiv ist und die Beziehung zum Kind verschlechtert. Auch traut sich endlich mal jemand, die Sache mit der Konsequenz anzuzweifeln, weil „wenn Eltern um der Konsequenz willen konsequent sind, endet das häufig mit Geschrei und Machtkampf.“ Für viel wichtiger hält sie, dass Kinder „Erwachsene erleben, die in ihrem Denken, Fühlen und in ihren Werten beständig sind und sich auch entsprechend verhalten und nicht widersprüchlich agieren – die also konsistent sind“.

Fazit:

Obwohl die Themen inhaltlich für mich nicht neu sind, profitierte ich wirklich von der Lektüre. Es ist alles wunderbar auf den Punkt gebracht und super verständlich. Für mich knüpft dieses Buch direkt an beziehungsorientierte Werke von Renz-Polster, Nora Imlau oder Susanne Mierau etc. an. Während letztere eher auf die Baby-Zeit ausgerichtet sind, finde ich hier wertvolle Tipps für den Umgang mit älteren Kindern (ich würde sagen so ab 4 Jahren…) und das fehlte mir bis jetzt in meiner Bibliothek 😉
Danke, liebe Katharina, für diese tolle Bereicherung im Ratgeber-„Dschungel“.

Ein Kommentar zu “Katharina Saalfrank: Was unsere Kinder brauchen – Buchrezension

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