Wochenbett: Unterstützung im Haushalt

Heute habe ich sie an der Tür verabschiedet, im Wissen, dass ich nun alleine klar kommen muss (und werde). Der Abschied soll nicht für immer sein, denn im Laufe der vergangenen Monate wurde sie fast zu einem Teil der Familie. Zwei Mal in der Woche kam sie, um uns im Haushalt zu unterstützen: eine ausgebildete Fachkraft der Pro Senectute. Und so kam das: 

Da sowohl in Liechtenstein, wo ich herkomme, als auch in der Schweiz, wo wir jetzt leben, den frischgebackenen Vätern nicht mehr als ein freier Tag nach der Geburt zugestanden ist (eine Katastrophe!), konnte mein Mann lediglich eine Woche nach der Geburt unserer Kinder zuhause sein (wofür er natürlich Urlaub nehmen musste). Ich wiederhole: Katastrophe!

Dabei wäre Unterstützung im Wochenbett so, so wichtig! Ich habe darüber bereits mehrmals berichtet. Nicht nur die Mama und das Baby, nein, auch der Vater und die allenfalls schon vorhandenen Geschwisterkinder, ja die Familie eben, sollten in Ruhe ankommen und sich kennen lernen können. Oft ist das schwierig… Während die Mutter sich voll und ganz auf ihr Baby und das Stillen konzentrieren sollte und dabei viel ruhen, schlafen und gut essen und die Besuche der Hebamme stattfinden, kann der Mann sich um die grossen Kinder, das Kochen und den Haushalt kümmern sowie die Besuche koordinieren, sofern es denn schon welche gibt. Und natürlich kann auch der Papa mal mit dem Baby kuscheln 🙂 Was aber, wenn der Vater eben nach so kurzer Zeit wieder zur Arbeit muss? Plötzlich ist die Mutter mit den Kindern allein. Klar kann man Freunde und Verwandte mal einspannen und Einkäufe online tätigen, aber viele Frauen getrauen sich nicht, um Hilfe zu bitten. Zudem gehen viele einer Erwerbstätigkeit nach und haben keine Zeit.

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Und so ertragen die Frauen stattdessen die Besuche, die im frühen Wochenbett oft nur Stress bedeuten, sie versuchen, für die grossen Kinder da zu sein und scheitern dann meist am Haushalt, der in dieser Zeit brach liegt. Der Mann kommt abends erschöpft nach Hause und findet schlimmstenfalls Chaos vor, eine hungrige und müde Frau, ein weinendes Baby und ein Geschwisterkind, das alles noch nicht verarbeitet hat und den Papa nun ganz fest braucht.
Nicht auszumachen, wie es Frauen geht, die noch unter Geburtsverletzungen, Blutverlust oder der Kaiserschnittnarbe leiden. Frauen, die Zwillinge zu versorgen haben, Frauen, mit mehreren, noch kleinen Kindern. Frauen, die keine Familie in der Nähe haben, deren Mann vielleicht von morgens früh bis abends spät ausser Haus oder gar noch auf Geschäftsreise ist! Mütter, bei denen das Stillen nicht gleich klappt. Die noch abpumpen müssen etc. Mütter, deren Baby vielleicht noch nicht so fit ist oder kränklich ist und viel weint, das rund um die Uhr seine Mama braucht. Mütter mit einem kranken Geschwisterkind, Mütter mit einer Brustentzündung oder auch nur einer Grippe… 

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Eins vorweg: auch eine institutionelle Unterstützung kann nicht alles abfangen. Aber einiges! Nehmt sie unbedingt in Anspruch, wenn ihr nicht zur Sorte der Mütter gehört, die 5 Bälle gleichzeitig in der Luft halten können oder ein Baby haben, das 20 Stunden täglich schläft. Oder in einem Wohnblock mit den pensionierten Grosseltern, die morgens Gipfeli bringen und nachmittags die Kinder auf den Spielplatz entführen… ich hatte schon nach der Geburt der Maus in Liechtenstein die Familienhilfe und war mehr als froh darum. Und so kümmerte ich mich auch hier auf den Rat meiner Hebamme hin schon in der Schwangerschaft darum, alles in die Wege zu leiten. Zum Glück! Denn vom Spitalbett aus wäre das erstens etwas kurzfristig gewesen und zweitens sagt einem beim Austrittsgespräch niemand, dass es eine solche Hilfe gibt und die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt (ob mit oder ohne Arztzeugnis und welchen Anteil, das hängt wohl von der jeweiligen Versicherung ab, könnt Ihr aber rasch selber abklären).

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Und so besuchte uns ab der 2. Woche zwei mal die Woche eine liebe Fachfrau der Pro Senectute und tat während der 2 Stunden alles, das ich nicht schaffen konnte. Sie putzte die verwahrlosten Bäder, faltete Wäsche, kaufte ein, weil ich morgens mit dem Baby kaum aus dem Haus kam und nachmittags mit allen dreien schon mal gar nicht, kochte Mittagessen, räumte den Geschirrspüler aus, trocknete Tränen, öffnete die Haustür, spielte mit den Grossen, hielt Ausschau nach der Maus, die mal nicht pünktlich nach Hause kam, wischte den Boden, nahm das Baby, damit ich schnell unter die Dusche konnte und und und… es war sehr hilfreich, dass ich immer die selbe Betreuerin hatte und so auch ein gutes Verhältnis und Vertrauen entstand – auf beiden Seiten. Kam sie nachmittags, war das die beste „Beschäftigung“ für meine Grosse. Sie zeigte, wo das Geschirr zu versorgen ist, sie „half“ beim Putzen oder in der Küche und beim Wäsche falten und die beiden unterhielten sich dabei bestens. Das war für mich eine grosse Erleichterung weil ich kaum Zeit hatte, um mit ihr zu spielen.

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Auch wenn ich all diese Dinge an den anderen Tagen irgendwie selber machen musste (zum Teil, vieles blieb auch einfach liegen bis sie kam), waren diese 2×2 Stunden Gold wert. Mein Mann und die Grossen konnten an diesen Tagen nach Hause kommen und hatten eine warme Mahlzeit und einen gedeckten Tisch. Und mein Mann fand ein sauberes Heim vor. Und Milch im Kühlschrank 😉

Aber irgendwann, und das ist wohl individuell, geht vieles wieder ringer. Man sagt ja, dass es nach den ersten drei Monaten deutlich bessert, das ist tatsächlich oft so. Das Baby braucht nicht mehr ständig Aufmerksamkeit, gewisse Dinge kriegt man im Haushalt wieder in den Griff… aber längst nicht alles! 😉

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIch bin sehr, sehr dankbar für diese wertvolle Unterstützung und bezahlte den Selbstbehalt gerne, das war es wert. Gerade die ersten 2 Monate wären ohne diese Hilfe sehr hart geworden. Und so bin ich froh, dass ich auch über das Wochenbett hinaus noch eine Zeit lang davon profitieren durfte. Auch, weil mein Mann doch noch viele Auswärts- und Abendtermine hatte und die Maus tagsüber immer öfter wach war.
Und gestern stand ich dann vor einer Kiste im Vorratsraum und sah, wie aus einem alten Sack Kartoffeln ein halber Strauch herauswuchs 😀 Da wusste ich: ja, es ist wohl an der Zeit, den Haushalt wieder halbwegs unter Kontrolle zu bekommen… daran werde ich nun selber wieder täglich zu kämpfen haben. Aber da die erste, anstrengende Zeit vorbei ist und sich vieles mittlerweile gut eingespielt hat (kein erkennbarer Rhythmus aber das Stillen klappt z.B. tadellos) und die Grossen sich an die neue Situation gewöhnt haben (und ihr Geschwisterchen sehr lieben), sehe ich doch eine Chance, dass das was wird 😉

An dieser Stelle möchte ich unserer „Hauselfe“ nochmals ganz herzlich danken – für ihr offenes Ohr, für ihr Verständnis, für ihre Liebenswürdigkeit, für ihre vielen Tipps, für ihre stets gute Laune und ihr Strahlen und natürlich für alles, was sie hier im und ums Haus für uns getan hat (und ja, da fällt schon eine Menge an in einem Haus mit 3 Kindern 😉 Es war eine tolle Zeit mit Dir und wir freuen uns darauf, wenn Du uns mal auf einen Kaffee (von uns serviert! :D) besuchen kommst. Die Maus hat nämlich auch vergessen, dass sie noch etwas für Dich gemalt hat, also schau‘ bald mal rein! 😉
Danke auch für die Bereitschaft, Dich an Deinem letzten Tag bei uns noch fotografieren zu lassen! 😉 

Und wie war das bei Euch? Wusstet Ihr von dieser Möglichkeit der Unterstützung? Würdet Ihr sie gerne in Anspruch nehmen bzw. hättet Ihr gerne davon gewusst? Oder kamt Ihr selber klar oder hattet eine andere Art von Hilfe? Freue mich über Eure Erfahrungen! 

Ein Kommentar zu “Wochenbett: Unterstützung im Haushalt

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