Eltern liegen mit Baby auf dem Boden

Am Freitag ist „Mama-Tag“

Martina kenne ich schon seit meiner Schulzeit im Gymasium. Über die Jahre haben wir uns zwar selten gesehen, aber nie ganz aus den Augen verloren. Besonders schön war es dann, vorletztes Jahr zu erfahren, dass wir gleichzeitig schwanger sind. Martina und ihr Mann Lukas leben das traditionelle Familienmodell – nur umgekehrt. Heute erzählen sie im Blog davon.

Martina, arbeitet als Juristin in leitender Funktion in der Liechtensteinischen Landesverwaltung und ist nebenamtlich als Gemeinderätin politisch aktiv. Lukas ist „Familienmanager und schaut, dass es uns beiden gut geht„, wie Martina sagt.
Die beiden haben eine lange Kinderwunschphase hinter sich. Sie erzählt:
Da es auf natürlichem Wege über ein Jahr lang nicht zu klappen schien, liess ich mich ärztlich abklären. Dabei wurde festgestellt, dass ich am PCO-Syndrom leide. Dies ist eine Stoffwechselstörung von der sehr viele Frauen betroffen sind. Aufgrund dessen war eine Schwangerschaft ohne ärztliche Unterstützung kaum möglich. Es folgten mehrere Hormonbehndlungen und Inseminationen(*). Diese Zeit war für uns von Auf und Abs geprägt und auch die Nebenwirkungen der Behandlungen war nicht ganz ohne und für uns auch belastend. Umso grösser war dann natürlich die Freude, dass es endlich geklappt hat und wir nach einer problemlosen Schwangerschaft unser kleines Wunder in den Armen halten durften.

*Bei der Insemination werden im Gegensatz zum IVF-Verfahren keine Eizellen entnommen und im Labor befruchtet, sondern es wird das zuvor selektierte Sperma in die Gebärmutter übertragen, jedoch nicht direkt in die Eizelle wie beim ICSI-Verfahren.

Eltern mit Baby draussen

Martina, wie lange ist das nun her, dass ich Euch für ein Magazin dazu befragen durfte, wie Ihr Euch damals kennengelernt habt? 10 Jahre?
(Martina & Lukas haben sich über das Internet kennengelernt, etwas, das heute überhaupt keine Seltenheit mehr ist)
Puh, gute Frage. Interessant, dass du dich überhaupt noch daran erinnerst. Das wird sicherlich schon 10 Jahre oder länger her sein. Schliesslich sind wir schon knapp 9 Jahre verheiratet und doppelt so lange schon zusammen.

Ich finde es toll, dass Du und Lukas nicht nur immer noch zusammen seid, sondern nun auch eine wunderbare Tochter habt, die, wie meine, bald ihren ersten Geburtstag feiern darf. Ging dieses 1. Jahr für Dich auch so schnell um?
Ja, extrem. Luzia, und auch wir, haben in dieser Zeit so viele Fortschritte und Entwicklungen durchgemacht. Es ist faszinierend, einem so kleinen Wesen beim Aufwachsen zuzusehen und es dabei zu unterstützen. Und schon bald dürfen wir ihren ersten Geburtstag feiern.

Baby mit Bobby-Car vor grossem Fenster

Ein Jahr Mama – was hast Du in diesem Jahr gelernt? Womit hast Du gerechnet, was hat Dich überrascht?
Ich habe vor allem gelernt, dass die Familie das Wichtigste im Leben ist. Alles andere rückt in den Hintergrund bzw. verliert an Priorität. Für mich war es vor allem am Anfang eine grosse Umstellung, da ich es nicht gewohnt war, mein Alltagsrhythmus nach anderen zu richten. Aber dann war da plötzlich dieses kleine Wesen, das meine ganze Aufmerksamkeit und Zeit in Anspruch genommen hat. Plötzlich war ich nicht mehr so flexibel. Und vor allem haben wir uns als „Neu-Eltern“ wohl auch extrem kompliziert angestellt und alles dauerte länger, Ausflüge mussten genau geplant werden und nichts durfte fehlen.

Du bist nach 4 Monaten wieder in den Beruf zurückgekehrt während Lukas seine Stelle kündigte und sich nun um Luzia und den Haushalt kümmert. Wie habt Ihr diese Entscheidung gefällt? War das von Anfang an für beide klar oder habt Ihr verschiedene Varianten diskutiert?
Ich arbeite aufgrund einer befristeten Stellenreduktion derzeit 80%. Für uns stand schon früh fest, dass, wenn wir mal Kinder haben, Lukas zuhause bleibt. Da er sich bereits vor meiner Schwangerschaft mit Luzia eine berufliche Auszeit genommen hat, waren wir es uns schon gewohnt, dass er zuhause ist. Natürlich haben wir auch Optionen diskutiert, in welchen wir beide Teilzeit arbeiten. Diese Möglichkeit würde allenfalls auch für die Zukunft in Frage kommen, aber für den Moment ist es für uns so am einfachsten, weil wir dann nicht noch die Betreuung von Luzia durch Dritte organisieren müssen.

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Wie war Dein 1. Arbeitstag nach der Geburt? Fiel es Dir schwer, die „Babyblase“ zu verlassen oder hast Du Dich gefreut? Welche Vorkehrungen hast Du getroffen damit zuhause alles reibungslos läuft?
Der erste Arbeitstag war „hart“. Schliesslich war ich nicht nur in einer „Baby-“, sondern auch „Familienblase“. Lukas war ja auch während meines ganzen Mutterschaftsurlaubes zuhause. Zum Glück wurde ich aber im Büro gleich ins „kalte Wasser geworfen“ und habe mehr oder weniger dort weiter gemacht, wo ich aufgehört hatte. So war ich vor lauter Arbeit ziemlich abgelenkt, was mir den Einstieg sicherlich leichter mache. Zuhause musste ich nicht allzu viele Vorkehrungen treffen, da Lukas das Ganze ja schon kannte bzw. ich auch schon vorher stundenweise nicht zuhause war. Zudem wusste er auch, dass im Notfall meine Familie, die nebenan wohnt, einspringen kann. Was allerdings von Anfang an geblieben ist, ist, dass ich am Vorabend noch Luzias Kleider für den nächsten Tag bereit lege.

Und wie war es für Lukas, plötzlich auf sich alleine gestellt zu sein von morgens bis abends? Und wie hat es Luzia akzeptiert?
Es war und ist teilweise immer noch anstrengend für ihn. So einen Tag als Vater, Hausmann und Familienmanager darf man nicht unterschätzen. Insbesondere dann, wenn die Kleine mehr Aufmerksamkeit als sonst benötigt oder partout nicht schlafen will. (Anm. von Mama mal 3: das ist es wohl für beide Elternteile 😉 Für Luzia gehört das zu ihrem Alltag und sie geht sehr gut damit um. Am Morgen weiss sie meistens, dass ich aus dem Haus gehen werde und winkt dann jeweils schon, wenn ich mir in der Garderobe die Schuhe anziehe.

Habt Ihr in Bezug auf den Haushalt oder Luzia eine spezielle Aufteilung, sprich, übernimmst Du gewisse Dinge, wenn Du zuhause bist? Gibt es Sachen, die nur Du oder nur Lukas machen?
Den Haushalt schmeisst Lukas mehr oder weniger alleine. Allerdings bleibt unter der Woche einiges liegen, da Luzia noch viel Aufmerksamkeit braucht und Lukas sich die Zeit für sie auch nimmt. Das Liegengebliebene wird dann oft am Freitag erledigt. Dann habe ich nämlich „Mama-Tag“ und bin fast exklusive für Luzia da.

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Lukas, wie gefällt Dir das Leben als Hausmann? Was machst Du gern, was weniger?
Lukas
: Das Leben als Hausmann und Papa gefällt mir sehr gut. Klar gibt es Arbeiten, die man weniger gern macht, aber das gehört als Hausmann halt einfach dazu. Im Gegenzug habe ich das Privileg, unsere kleine Tochter zu begleiten und es ist jeden Tag so bereichernd mit ihr zusammen zu sein und all die kleinen und grösseren Fortschritte aus erster Hand zu erleben. Vor wenigen Wochen hat sie zu laufen begonnen.

Wie sieht Dein Alltag aus?
Unser Alltag ist einigermassen strukturiert. Meist wacht Luzia kurz vor oder mit uns auf am Morgen. Dann wird zusammen gefrühstückt. Anschliessend geht Martina zur Arbeit und ich erledige ein paar Kleinigkeiten im Haushalt während Luzia spielt. Gegen 10 Uhr gehen wir meistens spazieren, wobei Luzia gerne ein kleines Nickerchen macht. Anschliessend sind wir oft bei Nana und Neni zum Kaffee. Da Nana und Neni sowie Luzia’s Gotta mit ihrer Familie gleich nebenan wohnt, essen wir oft gemeinsam bei Nana und Neni und gelegentlich bei der Gotta. Nach dem Mittag, bei dem es bei der grossen Familie natürlich wild zu und her geht, ist Luzia oft müde und macht einen Mittagsschlaf. Je nachdem wie die vorherige Nacht mit Luzia war, lege ich mich auch noch etwas hin oder geniesse ein wenig Freizeit. Sobald Luzia wieder wach ist, verbringen wir den Rest des Nachmittags zusammen. Gegen Abend warten wir dann gemeinsam auf Martina und Luzia freut sich immer so sehr, wenn sie Martina am Fenster vorbeilaufen sieht. Falls Martina am Abend keine Termine mehr hat, geniessen wir dann gemeinsam den Abend. Bislang bin ich übrigens noch keinen anderen Hausmänner-Papa‘s über den Weg gelaufen. Aber unverhofft kommt oft.

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Wie hat Euer Umfeld auf das von Euch gewählte Modell reagiert bzw. wie reagieren heute noch Leute, die davon erfahren?
Martina: Unser Umfeld hat sehr positiv reagiert und unser Modell – zumindest gegenüber uns – auch nie in Frage gestellt. Überrascht war ich insbesondere von meiner 93-jährigen Oma, die es super findet, dass Lukas zuhause ist.

Unterdessen sind ja einige Monate vergangen. Hat sich das Modell für Euch etabliert oder gibt es Dinge, die Ihr ändern würdet/wollt? Dinge, die ihr vermisst?
Für uns passt es so. Sicherlich gibt es Zeiten, in denen ich auch gerne mehr zuhause wäre. Insbesondere dann, wenn ich Luzia wegen meiner beruflichen und politischen Tätigkeiten an einem Tag kaum oder gar nicht sehe. Und wenn ich zuhause bin, dann steht Luzia ganz klar im Mittelpunkt. Die anderen Dinge können warten bzw. werden dann erledigt, wenn Luzia schläft. Super ist natürlich, dass ich durch den unbezahlten Elternurlaub jeweils Freitag zuhause bin und „meinen“ Mama-Tag habe. Diese Zeit nutze ich unter anderem, um mit Luzia ins Babyschwimmen zu gehen. Sie liebt es, im Wasser zu plantschen und ich finde es toll, dass sie dort auch Kinder in ähnlichem Alter kennenlernt. Momentan würden wir deshalb auch nichts ändern, weil es unserer Familie und insbesondere Luzia damit gut geht, wie wir momentan unser Leben gestalten.

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Wird Lukas auf längere Sicht auch wieder in den Beruf zurückkehren?
Darüber haben wir uns bisher noch keine Gedanken gemacht. Wobei ich es klar befürworte, dass Lukas wieder (zumindest teilweise) arbeiten geht, sobald Luzia etwas selbständiger ist. Ich finde es immer gut, wenn man(n)/frau möglichst im Erwerbsleben steht bzw. bleibt, auch wenn nur mit wenigen Stellenprozenten.

Liebe Martina, lieber Lukas, ich danke Euch herzlich dafür, dass Ihr Euch für dieses (erneute 😉 Interview zur Verfügung gestellt habt und uns einen Einblick in Euer Familienleben gegeben habt! 🙂
Es ist schön, zu lesen, dass sich der Alltag von Lukas in keinster Weise vom normalen Mama-Alltag, wie ich ihn kenne, unterscheidet und dass auch bei ihm öfter mal was liegen bleibt, weil die kleine Luzia seine Aufmerksamkeit braucht. Es ist toll, dass Martina ihren Mama-Tag am Freitag geniesst. Falls Ihr Fragen an die Familie habt, dürft Ihr diese sicher hier stellen…

Fotos: von der Familie zVg

 

 

5 Kommentare zu “Am Freitag ist „Mama-Tag“

  1. das freut mich jetzt grad. Also nicht das Martina das Pco Syndrom hat, sondern das einmal jemand in unserem kleinen Land das selbe hat wie ich😊 und es freut mich das es bei ihnen geplappt hat und sie jetzt ihre kleine Luzia geniessen können. Bei uns blieben leider 3 Inseminationen erfolglos und psychisch ist das schwer zu verdauen. Heute sind wir zu “alt“ und es stimmt für uns. Heute können wir unser 4 jähriges Göttimaatle geniessen und wenn wir müde sind, geht sie nachhause😊😀 Aber spass bei seite. Danke vielmal für das schöne Interwiev und alles gute der jungen Familie❤

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    • Hallo Bea

      Ja, es gibt tatsächlich viele Frauen, die davon betroffen sind. Aber darüber redet kaum jemand.

      Ich kann gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Mir ging es nach den ersten erfolglosen Inseminationen genauso. Umso bewundernswerter finde ich es nun, wie offen du darüber sprichst und ihr euch als Paar nicht verloren habt, sondern eurer Zukunft neu gestaltet!

      Ich wünsche dir und deinem Mann alles Gute!

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