Grossvater geht mit Enkel durch den Wald

„Ohne Grosseltern geht es nicht“ (mit Verlosung)

Die Grosseltern sind heute mehr denn je ein bedeutender Faktor in punkto Vereinbarkeit. Über 50% aller in der Schweiz fremdbetreuten Kinder werden von den Grosseltern betreut! Die Zahl wäre vermutlich um einiges höher, wenn alle Grosseltern auch in der Nähe ihrer Kinder leben würden. Damit ist klar: ohne Grosseltern geht nicht viel! Sie sind von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft, die Familien und nicht zuletzt auch für die Wirtschaft. Honoriert wird ihre Betreuungsleistung genausowenig wie diejenige von Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen – tant pis!

Da Euch das Thema, vor allem auch die Konflikte, die entstehen, wenn man schlussendlich wieder „abhängig“ ist von seinen Eltern, weil sie die nun eigenen Kinder betreuen, interessiert, habe ich jemanden interviewt, der es wissen muss: Melanie Borter* ist Chefredaktorin des Grosseltern-Magazazins. Zuerst habe ich sie zum Magazin befragt, das mir auch schon am Kiosk auffiel…

Melanie Borter, sitzend

Foto: Tibor Nad

Frau Borter, warum braucht es ein Magazin für Grosseltern?
Melanie Borter: Keine Gossmutter, kein Grossvater braucht dieses Magazin, aber jene, die es abonniert haben, freuen sich Monat für Monat darüber. Das zeichnet das Grosseltern- Magazin nämlich aus, dass es nicht lehrmeisterlich oder besserwisserisch daherkommt, sondern die Grosseltern in ihrer Freude und vielleicht ihrem Stolz bestärkt.

Was für Themen finden Eingang in ihr Magazin?
Die Themenvielfallt ist schier unendlich: In unseren grossen Geschichten berichten wir über das Leben mit Enkelkindern, das Zusammenleben der Generationen hier und anderswo, natürlich auch über Konflikte, die dadurch manchmal entstehen, und vor allem über das Glück der Grosseltern. Wir sind mit unseren Geschichten nah an den Menschen. Im Dossier tauchen wir jeweils vertieft und umfassend in ein Thema ein, da geht es zum Beispiel um Erziehungsströmungen, um Rituale und ihre Bedeutung, aber auch um die Rolle der Grosseltern aus wissenschaftlicher oder politischer Sicht. Neben diesen grossen Geschichten bieten wir in jeder Ausgabe eine Fülle an Ideen für den Alltag mit den Enkelkindern. Ausflugs-, Wander-, Lese-, Basteltipps eine Beratungsseite unserer Psychologin, eine sehr beliebte Kolumne unseres Hausarztes Edy Riesen oder neu eine Kolumne des Altersforschers Francois Höpflinger.

Wie sind die Rückmeldungen aus der Leserschaft? Was gefällt Ihren Lesern, wo üben sie Kritik aus?
Was uns besonders freut – und für ein Printprodukt keine Selbstverständlichkeit ist: Wir erhalten viele Zusendungen per Email, Facebook und per Post. Die meisten beziehen sich auf unsere Rubriken „Kindermund“ und „Wie uns unsere Enkelkinder nennen“, aber auch Leserbriefe oder wunderschöne berührende „Briefe an die Enkel“ sind dabei. Unsere Leserinnen und Leser sind interessiert an authentischen Geschichten, die nah am Leben sind. Sie schätzen besonders, wenn es uns gelingt, Brücken zu schlagen zwischen den Generationen. Zum Beispiel schreibt eine 14-Jährige für uns Kolumnen. Sie berichtet aus ihrem Teenie-Leben, das ist sehr unterhaltend. Auch die Kolumne, die ich mit meiner Mutter zusammen führe, in der wir jeweils unsere verschiedenen Sichtweisen aufzeigen, führte zu positiven Reaktionen bei den Lesenden.

Der Status der Grosseltern hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Eher und öfter gehen beide Elternteile wieder zur Arbeit, viele Grosseltern nehmen eine Betreuungsaufgabe wahr und hüten regelmässig ihre Enkelkinder, sind dabei aber häufig schon älter da das erste Kind heute tendenziell später zur Welt kommt. Was bedeutet das für die Grosseltern von heute, für ihre Beziehung zu den eigenen und zu den Enkelkindern?
Die Schweiz ist betreffend Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Entwicklungsland
: Ein Elternurlaub für Vater und Mutter fehlt, Teilzeitstellen für Väter sind selten, Kitaplätze knapp und Kindergarten- und Schulzeiten wenig berufskompatibel. Kurz: Ohne Grosseltern geht es nicht. Das bestätigt auch die Forschung: Über 50% von allen Kindern, die in der Schweiz fremdbetreut werden, werden von Grosseltern betreut. Dass diese heute tendenziell älter sind, wenn sie Grosseltern werden, wird mit der Tatsache wettgemacht, dass Grosseltern heute fitter, gesünder und aktiver sind, als es die Grosseltern der heutigen Eltern waren. Übrigens weiss man heute: Die Wirkung der Grosseltern auf die Enkel ist nicht so bedeutend, wie die umgekehrte Wirkung. Der Kontakt mit Enkelkindern bietet die Möglichkeit, sich durch Engagement für die jüngste Generation sozial zu verjüngen und à jour zu bleiben.

Sollte man die Grosseltern für regelmässige Betreuungsaufgaben entlöhnen und wenn ja, gibt es Empfehlungen?
Eine heikle Frage. Da scheiden sich die Geister. Es gibt Grosseltern, die der Meinung sind, eine Entlohnung werte die Freude ab, die sie mit den Enkeln erleben. Andere sehen es als Wertschätzung. Oft hat die Einstellung zu diesem Thema aber auch mit der finanziellen Lage der Grosseltern zu tun. Finanziell gut gestellte Grosseltern möchten auf keinen Fall Lohn für die Enkelbetreuung, Grosseltern, die nicht so viel haben (das sind oft alleinstehende oder geschiedene Grossmütter) sehen es hingegen als Wertschätzung. Apropos Wert: Untersuchungen des Soziologischen Instituts der Universität Zürich gehen davon aus, dass Grosseltern heute in der Schweiz rund 100 Millionen Stunden im Jahr in die Betreuung ihrer Enkel investieren. Diese knapp 100 Millionen Stunden entsprechen bei einem Stundenansatz von 30 Franken einer notabene gratis erbrachten Wirtschaftsleistung von rund 3 Milliarden Franken.

Kommt es nur mir so vor oder hat unsere Generation mehr Konflikte mit ihren Eltern in Bezug auf die Kindererziehung als noch vor rund 30 Jahren?
Auch das ist sehr individuell. Wenig erstaunlich ist, dass da Konflikte entstehen, wo Erziehungsideen auseinanderdriften (sei das nun zwischen den Generationen oder zwischen zwei Menschen derselben Generation). Aber ja, die Bedeutung der Grosseltern war vor dreissig Jahren noch nicht so gross wie heute. Dass Grosseltern heute viel mehr Zeit mit den Enkelkindern verbringen, führt naturgemäss dazu, dass auch mehr Konfliktpotential vorhanden ist. Und was sich ebenfalls verändert hat, ist die jederzeit griffbereite Informationsflut an Erziehungsratgebern und Fachmeinungen. Hier wäre manchmal (vor allem bei den Eltern) weniger mehr: Weniger Fachwissen, mehr Vertrauen in die eigene Intuition und vor allem mehr Vertrauen in das Kind.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach die grössten Konflikte und warum?
Medienkonsum, Essen, Verwöhnen. Das sind die grossen Konfliktherde.
Weil sich vieles verändert hat in den letzten Jahrzehnten und weil verschiedene Erwartungen oft nicht oder zu ungenau kommuniziert werden.

Wie sag‘ ich’s am besten, wenn mir etwas nicht passt?
In der Theorie ist es einfach erklärt: Keine Beschuldigungen, keine Kritik, keine Du-Botschaften, sondern mitteilen, wie es mir geht – in der Psychologie spricht man da von gewaltfreier Kommunikation, die ein vierstufiges Verfahren vorsieht: 1. Beobachtung, 2. Gefühle, 3. Bedürfnis, 4. Bitte/Wunsch. In der Praxis ist es natürlich dann doch nicht so einfach, dies anzuwenden. Dennoch kann es sehr hilfreich sein, sich diesen Ablauf vor einem klärenden Gespräch vorzunehmen.

Und wie sag‘ ich’s, wenn ich merke, dass es trotzdem gemacht wird?
Nach demselben Schema. Konkret: 1. Ich habe gemerkt, dass du trotz unserem Gespräch Lea eine Tafel Schokolade gegeben hast. 2. Ich fühle mich ehrlich gesagt hintergangen. 3. Ich möchte dir die Kinder gerne bringen, ohne dieses schlechte Gefühl. 4. Ich wünsche mir einfach, dass Lea nicht so viel Süsses isst. Das mag für dich nicht so wichtig sein, aber für mich schon. Bitte halte dich an unsere Abmachung, ihr keine Schokolade mehr zu geben.

Grosseltern wissen alles besser. Klar, sie haben ja uns auch „gross bekommen“. Leider bedeutet das auch oft, dass jeder 2. Satz eine Kritik an uns als Eltern ist.
Grosseltern wissen nicht alles besser, aber ja, sie haben mehr Erfahrung. Wenn jeder zweite Satz als Kritik daherkommt, dann kann das aber nicht bloss an einer der beiden Parteien liegen. Vielleicht ist die mittlere Generation da auch etwas zu sensibel? Was wirklich nicht verwunderlich ist, weil auf sie viel mehr Kritik prasselt, als dies früher der Fall war, von allen Seiten.

Wie wirken sich die unterschiedlichen Erziehungs-Auffassungen und der verschiedene Umgang auf die Enkelkinder aus?
Das ist überhaupt kein Problem. Kinder können sehr früh zwischen verschiedenen Settings unterscheiden und auch problemlos damit umgehen, wenn hier andere Regeln gelten als da.

Was empfehlen Sie, damit sich die Generationen besser annähern können?
Grundsätzlich muss man festhalten, dass das Zusammenleben der Generationen sehr gut funktioniert, gerade im familiären. Womit wir wieder beim Anfang des Gesprächs angelangt wären. Das Grosseltern-Magazin ist nicht zur Konflikt Bewältigung zwischen den Generationen oder als Ratgeber gedacht, denn dafür braucht es kein Grosseltern-Magazin. Was wir mit dem Magazin möchten, ist die Freude an den Enkelkindern und an den eigenen Kindern zu verstärken.

Melanie Borter (38) ist Chefredaktorin des Grosseltern-Magazins, das seit über drei Jahren auf dem Markt ist. Sie hat drei Kinder, 13, 10, und 2 Jahre alt, und lebt mit ihrer Familie in Ennetbaden AG. www.grosseltern-magazin.ch

Verlosung

Das Grosseltern-Magazin stellt uns ein Jahres-Abo zur Verlosung zur Verfügung. Wer das Magazin gewinnen möchte, der…

  1. teile uns doch bitte in einem Kommentar mit, welche Bedeutung für ihn oder die Enkelkinder die Grosseltern haben (vergisst nicht, die E-Mail-Adresse zu hinterlassen – sehe nur ich)
  2. darf gerne für Zusatzlose auf Facebook kommentieren, und die Seiten von Mama mal 3 und dem Grosseltern-Magazin liken.

Der Gewinner wird in ein paar Tagen ausgelost und privat benachrichtigt. Viel Glück! 🙂

Titelfoto: Symbolbild/pixabay

17 Kommentare zu “„Ohne Grosseltern geht es nicht“ (mit Verlosung)

  1. Für uns ist das Grosi und der Grosspapi als Unterstützung nicht wegzudenken. Sie sind ein wichtiger Teil der Kinderbetreuung und fpr unseren Sohn jede Woche nach wie vor ein Highlight. Wir schätzen ihre Mithilfe und den unkomplizierten Umgang miteinander enorm.

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  2. Die Grosseltern sind für unseren Kleinen wichtige Bezugspersonen, mit welchen er ein inniges Verhältnis hat. Er ist jeweils einen Tag pro Woche bei den Grosseltern!

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  3. Meine Mutter ist eine wichtige Bezugsperson für meine Grosse, da sie sie jeweils vormittags betreut und auch sonst immer für sie da ist. Die zwei sind wirklich beste Freundinnen. Ich hoffe, dass wird auch mit meiner kleinen so, wenn mein Mutterschaftsurlaub bald zu Ende geht.

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  4. Für uns sind die Groseltern nicht wegzudenken. Sie bringen uns puntuelle entlas5ung mit den Jungs. Und unsere Buben haben sie total ins Herz geschlossen und lieben es mit ihnen etwas zu unternehmen und manchmal auch dinge zu tun die sie bei Mama und Papa nicht dürfen 😉

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  5. Ohne die fabelhafte Unterstützung der Grosseltern könnte ich nicht mehr arbeiten gehen. Obwohl ich sehr gerne bei den Kids zu Hause bin ist es doch finanziell eine zusätzliche Entlastung. Sie sind imme für uns da. Merci für die uneingeschränkte liebe

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  6. Für mich sind die Grosseltern Gold wert. Dank Ihnen kann ich wieder ein Tag in der Woche arbeiten gehen. Auch sonst stehen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Wir geniessen Sie einfach immer sehr.

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  7. Oooh, ohne meine Eltern wär einiges sehr viel schwieriger geworden. Meine Tochter ist auch ein totales Oma Opa kind. Sie kiebt die beiden über Alles und umgekehrt auch. Bin so froh und dankbar dass sie immer da sind und dad wir auch im gleichen Ort wohnen. Die Eltern von meinem Partner wohnen leider einige 100 km weit weg …

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  8. Sehr spannendes Interview. Ich bin ein bisschen neidisch, wenn andere Eltern Großeltern in der Nähe haben, die sie entlasten. Andererseits arbeiten unsere eigenen Eltern ja auch und könnten die Kids nicht betreuen. Mein Papa arbeitet noch 10 Jahre (dann ist die Große 15 und die Kleine 14), meine Mama noch 13 Jahre, dann ist die ältere Tochter sogar schon 18 und die Kleine 17. Dann ist man aus der Betreuungsfrage schon lange raus…
    Ich wohne allerdings in Deutschland und wir bekommen es inzwischen gut hin. Für 260 € habe ich in Dresden eine Ganztags-Betreuung für beide Kinder.

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  9. Für uns eine grosse Hilfe und Unterstützung seis zuhause mit kochen oder als kinderbetreuung für die arbeit. Und meine kinder lieben Sie überalles, sie nehmen sich viel zeit für sie. Das wär ein tolles geschenk!

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  10. Für meinen Sohn sind die Grosseltern sehr wichtig.. sie hüten ihn seit er ein Baby ist und er schläft auch sehr gerne bei Ihnen. Wir haben grosses Glück so engagierte, liebe Grosseltern zu haben. Sie ermöglichen mir Teilzeit arbeiten zu gehen und entlasten uns auch sonst viel. Danke!!!

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  11. Pingback: Familienpolitik quo vadis? | Mama mal 3

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