Sanfte Eingewöhnung…

Und nun komme ich endlich wieder mal dazu, einen persönlichen Beitrag zu schreiben. Dies, während das Mäuschen gerade in der Kita weilt. Ihr habt ja, wenn Ihr ab und zu hier mitlest, sicher mitbekommen, dass uns die Eingewöhnung des Mäuschens in der Kita bevorsteht. Diese Woche war es nun soweit und damit alles reibungslos laufen konnte, hatte ich so wenig wie möglich Termine ausgemacht, denn wir würden jeden Morgen in der Kita sein. Weiterlesen

Interview mit Nicole Klingler – Mama, Ärztin, Triathletin

Wer sagt, dass sich Training und Kind nicht vereinbaren lässt? 😉
Ich kenne Nicole Klingler vom Sehen schon seit meiner Schulzeit. Da sie aufgrund ihrer sportlichen Erfolge öfter in den Medien vertreten ist, blieb sie präsent. Mein Interesse weckte sie aber erst so richtig als sie Mutter wurde und ihren Sport weiterhin betrieb. Ich dachte: Wie macht sie das nur? Und als ich erfuhr, dass sie Medizin studierte und als Assistenzärztin am Berner Inselspital (rund drei Stunden entfernt von ihrem Wohnort hier in Liechtenstein) arbeitet, war ich doch ziemlich perplex: Mama, Sportlerin und – wir wissen es alle seit Grey’s Anatomy, Scrubs etc. – ein sicher irre anstrengendes Arbeitspensum plus zahlreiche Wegkilometer (Zuhause-Arbeitsort und Sportveranstaltungen im Ausland) – wie schafft sie das nur!?


 Ich muss zugeben: Ich war voller Vorurteile, wie man sie nun mal gerne ersinnt wenn man als (praktisch) Vollzeit-Mama nicht viel mehr tut als die Kinder zu bespassen, den Geschirrspüler einzuräumen und auf Spielplätzen festzusitzen. Ganz klar: Da ist auch sehr viel Neid dabei, denn ich wäre auch gerne sportlich und hatte nach dem Gymnasium nicht den Mut, mich als Medizinstudentin zu bewerben 😉 
Im April dieses Jahres, also vor rund zwei Monaten, bekam Nicole Klingler, ziemlich genau drei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes Lian, noch eine Tochter, Yuna.
Inzwischen hatte ich nicht mehr viel an Nicole Klingler gedacht aber als ich dann letzte Woche wieder einen Artikel über ihre (sportlichen) Pläne las, wollte ich es genau wissen, schrieb ihr eine E-Mail und bat sie um ein Interview. Et voilà, sie fand Zeit und beantwortete meine vielen, neugierigen Fragen. Seid gespannt! 🙂
Und entschuldigt bitte das Schriften-Wirrwarr! Weiss nicht, wie ich das ändern kann 😛

Nicole mit ihrem Sohn Lian im Oktober 2010.

Nicole, hast Du vor Deiner ersten Schwangerschaft erwogen, den Leistungssport oder Deinen Beruf aufzugeben? Was waren Deine Überlegungen als Du wusstest, dass Du ein Kind möchtest?

Geplant habe ich das nicht mit dem Profisport. ich werde mein Leben lang Sport machen und habe es einfach etwas reduziert nach der ersten Geburt. Dass ich aber trotzdem noch auf so hohem Level mithalten kann – mit relativ wenig Aufwand – hat mich überrascht und so bin ich einfach dabei geblieben. Arbeiten muss ich aus finanziellen Gründen aber dank meiner netten Chefin kann ich flexibel arbeiten. Aber ich könnte gut ein paar Jahre aufs Arbeiten verzichten…


Wirst Du nur die üblichen 16 Wochen Karenz nehmen oder länger?
Ich werde mindestens 6 Monate Mutterschaftsurlaub nehmen, den ich auch ohne Probleme noch 2-3 Monate verlängern kann.

Wie viele Prozente arbeitest Du und wie sieht das dann genau aus? Ärzte müssen ja auch Schichtdienst leisten. Hast Du in dieser Zeit in Bern eine Wohnung oder pendelst Du?
Ich arbeite 50%, wovon ich die Hälfte im Homeoffice machen kann. Zudem kann ich dann auch mit 30 oder 40% einsteigen, da bin ich flexibel. Es ist eine sehr kinderfreundliche Stelle, ich bin sozusagen „Bürodoktor“ und arbeite nur am PC. Dadurch bin ich flexibel, kann morgens um 6 Uhr oder bis abends um 20 Uhr arbeiten. Nacht-und Wochenenddienste fallen auch weg und so passt das sehr gut für den Moment. Ich pendle mit dem Zug nach Bern, bisher an 2 Tagen die Woche, morgens um 5 Uhr aus dem Haus, kurz vor 8 Uhr im Büro, dann 10 Stunden arbeiten und gegen 22 Uhr bin ich dann wieder daheim. 
Wer betreut dann Deine Kinder?
An diesen beiden Tagen brachte mein Partner unseren Sohn jeweils zu meinen Eltern, welche dann halbtags auf ihn aufpassten. Nachmittags besuchte er die Kita, wo ihn mein Partner wieder abgeholt hat. So konnte ich 3 volle Tage zuhause sein.

 

Am Strand mit Lian: Es dürfte wohl klar sein, dass sich Nicole Klingler nicht mit überflüssigen Schwangerschafts-Kilos herumschlagen muss! 😉


Trainiert hast Du schnell wieder, auch jetzt, nach der Geburt Deiner Tochter. Wer betreut währenddessen Deine Kinder?

Ja, mit Training hab ich nach einigen Tagen wieder angefangen. Anfangs nur auf dem Hometrainer, da hat der Grosse Mittagsschlaf gemacht und das Baby hat sowieso viel geschlafen. Am Wochenende war mein Partner da und ich konnte auch mal joggen oder schwimmen gehen. Sonst passen meist meine Eltern auf, es sind ja meistens nur 2-3 Stunden.


Wie viel Zeit bleibt Dir mit den Kindern und wie gestaltest Du diese?
Mir bleibt noch sehr viel Zeit mit den Kindern. Jetzt wo ich ein halbes Jahr nicht arbeite, sowieso. Wir haben keinen Fernseher zuhause und so spielen wir viel oder lesen Bücher. Zudem ist mir wichtig, dass wir jeden Tag draussen sind. Meistens machen wir am Morgen einen Spaziergang, entweder zum Einkaufen oder im Wald oder auf den Spielplatz und am Nachmittag sind wir im Garten, treffen Freunde oder machen einen Ausflug.
Wann, wenn überhaupt, hast Du Zeit für Dich alleine und mit Deinem Partner?
Da bleibt momentan tatsächlich wenig Zeit übrig. Mein Partner trainiert selber auch 4-5x in der Woche und so sind wir ziemlich straff organisiert. Aber für uns passt das und wir schauen, dass wir am Wochenende immer alle gemeinsam etwas unternehmen. Zudem haben wir Wettkämpfe in vielen Ländern und verbinden diese oft auch mit einem Urlaub. So war unser Sohn in seinem ersten Lebensjahr bereits in Thailand, Teneriffa, Italien und Zypern mit dabei. Bei unserer Tochter wird es nicht anders sein, wir nehmen die Kinder überall hin mit.

Mamas grösster Fan.


Du stillst Deine Tochter und passt Deine Trainingszeiten entsprechend an. Hast Du das schon bei Deinem Sohn gemacht?
Ja, ich stille und da die Kleine relativ oft durstig ist, dauern meine Trainings momentan höchstens 90 Minuten. Bei meinem Sohn war das viel einfacher, ich habe auch gestillt, aber 5 Monate lang abgepumpt. Er hat problemlos aus der Flasche getrunken. So war ich viel flexibler und da ich damals gerade das Staatsexamen an der Uni Bern machen musste, war ich gezwungenermassen auch mal einen ganzen Tag in Bern und meine Eltern habe ihm dann die abgepumpte Milch gegeben. Leider will unsere Tochter nichts aus dem Schoppen trinken, so dass Abpumpen bisher nicht so optimal war. Aber ich versuchs immer wieder 🙂Wann hast Du bei Lian abgestillt?
Nach einem halben Jahr. Ich habe aber schon vorher Wettkämpfe gemacht und ihn immer mitgenommen. Statt mich vor dem Rennen aufzuwärmen, hab ich Milch abgepumpt und meine „Konkurrentinnen“ haben dann geschmunzelt. Da Lian aber nur aus der Flasche trank, wurde das Abpumpen mit der Zeit zu aufwendig. Bei Yuna lasse ich es auf mich zukommen. Bis ich wieder zu arbeiten beginne, werde ich sicher weiterstillen.

Musstest Du Deine sicherlich eh schon spezielle Ernährung während der Schwangerschaften und der Stillzeit anpassen? Wenn ja, wie?
Nein nicht direkt. Ich kann einfach etwas mehr von allem essen, da ich ja oft trainiere. V.a. beim Stillen habe ich aber gemerkt, dass ich doch regelmässig (auch in der Nacht) essen muss, damit ich nicht zuviel Gewicht verliere, Da ich ja auch 1-2 Stunden am Tag trainiere. Vor dem Wettkämpfen muss man natürlich auf gewisse Dinge achten, aber ansonsten nicht allzu strikt.

Wie hast Du Dein Training an die drei Trimester der Schwangerschaft angepasst?
Bei der ersten Schwangerschaft habe ich noch mehr trainiert aber während der zweiten fühlte ich mich nicht allzu wohl. Zudem habe ich oft gearbeitet und wollte dann die übrige Zeit lieber noch mit meinem Sohn geniessen.
Ich habe nie nach Plan trainiert, sondern nach Lust und Laune und Zeit, so konnte ich das Training immer spontan anpassen. Im zweiten Trimester ging es eigentlich noch am besten, am Anfang war mir viel zu übel und am Schluss war ich dick und müde 🙂
Kannst Du bestätigen, dass Deine Geburten aufgrund Deines trainierten Körpers leichter waren?
Nein. Die Geburten selber waren nicht einfacher, aber die Erholung danach. Ich war gleich danach wieder fit und konnte nach ein paar Tagen mein Pensum wieder aufnehmen. Aber eine Ausdauersportlerin ist nicht unbedingt gut geeignet für eine Schwangerschaft.
Warum nicht? Ausdauersportlerinnen haben oft einen tiefen Fettanteil und somit auch einen niedrigen Anteil an weiblichen Hormonen, was erschwert, überhaupt schwanger zu werden. Wenn es dann aber geklappt hat, sind sie meist fitter, da ja viele auch weiterhin trainieren und auch von der Geburt können sie sich oft besser erholen.

Wie oft nimmst Du Deine Kinder mit zum Training (im Sportwagen/Velo-Anhänger)? Ist dieses Training dann genau so effektiv?
Nein, effizient ist das Training damit nicht. Momentan trainiere ich höchstens 1-2/Woche so, je nach Wetter. Mit dem Veloanhänger kann ich nicht gut trainieren, denn mit dem Rennvelo ist man doch etwas zu schnell, aber es ist eine gute Möglichkeit, z.B. ins Schwimmbad zu fahren. Lieber gehe ich laufen oder inlinen mit dem Babyjogger. Das geht um einiges besser.
Woher nimmst Du die Energie für Deinen Spagat zwischen Mutter- und Partnerschaft, Arztberuf und Leistungssport?
Ich habe mir immer Kinder gewünscht und geniesse es sehr. Klar ist es manchmal sehr anstrengend, aber das kennen ja alle. Ich treibe wahnsinnig gerne Sport und es gibt mir viel Energie. Das ist meine Leidenschaft und ich werde wohl mein ganzes Leben diesen Sport machen. im Beruf bin ich nicht allzu ehrgeizig und strebe auch keine Karriere an. Aber Zeit nimmt er natürlich schon in Anspruch.
Liebe Nicole, ich bedanke mich ganz herzlich für Deine Zeit und das tolle Interview und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Lebensweg! 🙂
Wer mehr über Nicole Klingler erfahren will, kann sich auf Ihrer Homepage umsehen. Übrigens ist auch Nicole eine Tragemama, zwar nicht im Tuch aber sie trägt fast täglich… 🙂
Die Verwendung dieses Textes ohne Quellenangabe (Link auf diesen Blog) ist untersagt!

Voll was los…

Mein letzter Eintrag liegt nun schon eine Weile zurück. Ich habe anstrengende Tage und Nächte hinter mir. Das „Highlight“ war wohl der sonntagabendliche Kinderarztbesuch mitten im Raclette-Essen für unsere Trauzeugen. Mein Sohn hat derart gehustet, dass mir Angst und Bange wurde. Kaum im Auto war der Anfall weg und ein Zäpfchen und ein paar Tropfen später fand er einen langen, erholsamen, tiefen Schlaf. Weiterlesen

Nota bene:

Eine Mutter machte mich darauf aufmerksam. Festgesessen in eben genau dem Rollenbild, das frau seit geraumer Zeit versucht, umzustossen, habe ich in meinem vorangegangenen Beitrag die Männer unter den Tisch fallen lassen. Wo immer „Mütter“ steht, kann man natürlich genau so gut „Väter“ einsetzen. Das ändert aber nichts daran, dass die Kinderbetreuung nicht mehrheitlich in fremde Hände gehört. Die Eltern, egal ob schwergewichtig Mutter oder Vater – idealerweise beide, sollten die zentrale Bezugsperson des Kindes bleiben. Im Geburtsvorbereitungskurs wurde uns werdenden Eltern die Aufgabe gestellt, anzugeben, zu wie vielen Prozent wir nach Ende des Mutterschaftsurlaubs arbeiten werden und zu wie vielen wir gerne arbeiten würden. Dabei ging es lediglich um die Aufteilung Mutter-Vater. Die meisten gaben ein „Ist“ an, bei dem der Vater zwischen 80 und 100%, die Mutter etwas weniger, beschäftigt sein wird. Das „wäre schön wenn“ ergab meist ein 50-50.

Als meine Eltern sich diese Gedanken machen mussten, entschieden sie sich für das klassische Modell. Meine Mutter verdiente zwar mehr als mein Vater, wollte aber ihre Mutterrolle wahrnehmen und ihre Stelle aufgeben. Mein Vater wäre bereit gewesen, mich zu betreuen und Hausmann zu werden – was er immer wieder betonte, wenn meine Mutter sich über ihre Situation beklagte. Damit wäre er wohl, Anfang der 90er Jahre, eine exotische Erscheinung gewesen. Doch trotz Bänz Friedli sieht es heute, 30 Jahre später, nicht viel besser aus.

Die Gesellschaft hat sich zwar in wenigen Jahrzehnten stark verändert, doch noch immer sind es die Mütter, welche ihre Beschäftigung einschränken oder aufgeben. Um dem entgegenzuwirken fördern die Regierungen Krippen, damit beides geht, anstatt, dass sie den Familien, die sich für eine (Beinahe-)Vollzeit-Betreuung ihrer Kinder durch Vater oder Mutter entschliessen, mehr Kindergeld in Aussicht stellen. So wäre wenigstens das finanzielle Problem keines mehr.

Und noch einmal: Eltern müssen und sollen zur Arbeit gehen. Wer wann zuhause bleibt, ist egal. Wenn beide arbeiten, darf ein Engpass auch mal durch Fremdbetreuung (also Kita, Nanny oder Tagesmutter) ausgeglichen werden. Dem Kind wird’s nicht schaden. Aber die fremde Obhut darf nicht die Überhand nehmen.

Besser und ganz ohne Kitas hat man’s früher gemacht und macht man es in anderen Kulturen noch immer: Das Zusammenleben in grossen Clans und Sippen sorgte dafür, dass die Kinder automatisch von mehreren Betreuungspersonen aufgezogen wurden. Eltern, Grosseltern, Onkel, Tanten, Geschwister, Nachbarn…