1 Monat Mäuschen (und Maslow)

Ihr fragt Euch jetzt vermutlich, wer oder was zum Geier Maslow ist. Aber vielleicht kennt Ihr ihn ja (wieder) wenn Ihr auf die Grafik schaut. 

maslow-pyramideJa, genau, die Bedürfnis-Pyramide. Genau an diese erinnere ich mich aktuell ganz oft, wenn ich unsere Tage so durchdenke. Wir sind ganz unten gestartet, logo, und diese untere Stufe diktiert unseren Tag, Baby’s Tag.
Atmen tut es gottlob von selber, zum Trinken (Nahrung) meldet es sich genau so wie wenn es müde ist. Und bei uns kommt noch das Ausscheidungsbedürfnis hinzu, das sich durch gewisse Signale zeigt und dem ich mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg versuche entgegen zu kommen. Es ist also ein 24h-Kreislauf von Nahrungsaufnahme-Ausscheidung-Schlaf und wieder von vorne, unterbrochen nur durch mehrere Wachphasen…

Ob Sicherheit und das Soziale auch schon dazu kommen? So ein wenig schon, oder? Sicher bin ich ganz nah bei Mama, Papa oder sonst jemandem, der mich trägt oder hält. Und Kommunikation ist durchaus ein Thema. Es wird Blickkontakt gesucht, Laute werden von sich gegeben. Weinen gehört auch dazu. Es kann ja noch nicht sprechen…

Vielleicht findet Ihr den Vergleich ja total albern, aber ich finde es stimmt 😉 Maslow-Baby *g* Und Mama als 24h-Bedürfnis-Abklärerin und -Erfüllerin, jawohl!

Signale richtig deuten
So. Und um Bedürfnisse richtig erfüllen zu können, muss man natürlich wissen, welche das Baby gerade äussert. Das ist nicht immer so einfach. Es gibt Tage, da bringe ich sie problemlos zum (Ein)schlafen, innert weniger Minuten, weil ich offenbar den richtigen Moment erwischt habe. Beim Hunger kann ich oft auf die Uhr gehen bzw. ich weiss, dass sie nach dem Aufwachen gleich mal an die Brust muss. Dito mit dem Pipi… nach dem Schlafen muss man einfach. Auch das grosse Geschäft habe ich bisher immer erkannt obwohl es glaub’s ganz oft einfach Zufall war 😀 Aber oft weiss ich nicht, was sie gerade hat. Dann halte ich sie, in der Meinung, sie müsse pieseln, ein ums andere Mal über den Topf und nix kommt. Aber so einfach ist es halt auch nicht. Vielleicht ist sie dann müde oder wollte einfach auf den Arm… da muss ich noch dazu lernen… und alles wird man nicht immer richtig deuten können… ich erinnere mich noch eine Situation mit unserem Grossen. Er war damals 15 Monate und wir wegen der Hochzeit meines Vaters in Griechenland. Wir hängten eine Woche in einem Hotel am Meer an. Eines Tages brüllte der damals Kleine wie am Spiess… nichts half! Wir waren total ratlos und trollten uns schliesslich auf’s Zimmer weil die anderen Leute schon komisch guckten. Irgendwer von uns kam dann mal auf die Idee, ihm die Windel auszuziehen und siehe da: knallroter Po!!! Irgendwas muss den Po gereizt haben. Wahrscheinlich war die Windel voll, ich weiss nicht mehr, was es war. Wir haben uns auf die Stirn geklatscht, dass wir das nicht geschnallt haben, dass die Windel weg muss… und ganz oft waren die Kleinen auch völlig grundlos quengelig, was man dann immer auf’s Zahnen schiebt wenn man sonst nicht weiss, was ist 😀 Gottlob war das bei beiden kein grosses Thema, weil sie erst nach jährig Zähne bekamen. Das geht dann sanfter und unbemerkter zu und her. Mal sehen, wie’s beim Mäuschen wird.
Aber um hier nochmals „Werbung“ für’s Abhalten zu machen: dadurch, dass ich ein zusätzliches Bedürfnis versuche zu erkennen, was mir auch mehrmals täglich gelingt, fallen ganz viele unruhige/unzufriedene Situationen mal weg, an die ich mich im Nachhinein bei meinen Grossen oder auch fremden Kindern erinnere… und dafür lohnt sich meiner Meinung nach der Mehr-„Aufwand“.

Mit 1 Monat…

…entdeckt meine Mama einen gewissen Rhythmus, der sich aber von einem Tag auf den anderen wieder ändern kann. Hättest wohl gern, bäh! 😀

…stille ich schon fast wie ein Profi

…geht kein grosses Geschäft mehr in die Windel – juhu!

…werde ich täglich in Tuch oder Tragehilfe getragen

…habe ich auch viele wache Momente

…weiss keiner, wie viel ich wiege, aber der Doktor wird’s uns nächste Woche wohl sagen

…bin ich meistens zuhause und finde das ganz OK so. Zu viel Trubel mag ich nicht

…freue ich mich über meine lieben Geschwister, besonders über die grosse Schwester, die jetzt nachts bei uns schläft, mich oft streichelt, mir vorsingt und mich sehr lieb hat.

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Baby’s Töpfchen…

Das wichtigste Accessoire beim Thema „windelfrei“ ist eine Windel. Was nicht ganz logisch klingt, uns aber damals im Kurs zum Windelfrei-Coach als erstes gelehrt wurde, macht durchaus Sinn. Gerade in den ersten Wochen pieseln Babys nämlich ständig. Kleine Mengen, dafür immer mal wieder. Und wer hat im Wochenbett schon die Gnade, ständig was abfangen zu wollen?
Ich habe zwar letztens von einer Windelfrei-Mama gelesen, die bei ihrem Neugeborenen „30 von 40 Pipis am Tag aufgefangen“ hat, aber ganz ehrlich, dafür muss man schon die entsprechende Musse haben. Neben zwei Kindern, Stillproblemen, Besuchen, Haushalt und mir selber, hätte ich dafür nicht den Nerv gehabt und auch jetzt halte ich nicht bei jedem Unwohlsein der Maus ab, denn dann könnte ich sie nach jedem Einpacken gleich wieder auspacken… Die Baby-Maus trägt also meist eine Windel als „Back-up“. Eine Stoffwindel tagsüber und nachts meist noch Wegwerfwindeln weil sie auch mal länger schläft und die Windel dann ziemlich voll/nass ist und meine teils neuen Stoffwindel-Einlagen noch nicht ihre volle Saugkraft erreicht haben. Trotzdem habe ich eigentlich von Anfang an häufig abgehalten und zwar in den sogenannten „Standardsituationen“, also nach jedem Schlafen, zwischen und nach dem Stillen, wenn sie im Tragetuch unruhig wurde und manchmal auch zwischendurch mal, wenn ich das Gefühl hatte, irgendwas plagt sie gerade. Meist war das dann der Stuhlgang und ich muss sagen, der landet bei uns tatsächlich meist im Töpfchen und das freut mich schon sehr. Erstens, dass ich ihre Signale korrekt deute, zweitens weil es so weniger „Sauerei“ am Po gibt und die Windeln nicht schmutzig werden.
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Ja, so funktioniert das Abhalten derzeit bei uns. Es wäre wohl einfacher, statt Windel ein Backup zu benutzen, das schneller aus- und wieder angezogen ist aber da ich gerade eh noch Stoffwindeln für Nestwärme teste, passt das so. Es wäre aber schon das Ziel, mich dann mal an die Back ups ranzutrauen sobald ich merke, dass die Windeln auch mal trocken bleiben…
Aber nicht immer merke ich, dass sie pieseln muss, gerade während dem Stillen oder auch danach wenn ich das Gefühl habe, sie hat nur Hunger und setze nochmals an anstatt sie x mal abzuhalten, geht auch mal was in die Windel. Auch wenn sie länger schläft, ist die Windel danach meist voll. Natürlich ist sie nicht immer im Tiefschlaf und im Halbschlaf pieseln Babys auch. Es gibt auch hier Mamas, die dann problemlos und vorsichtig abhalten, aber mir ist es da lieber, sie nicht vor lauter noch aufzuwecken und ich lasse sie in Ruhe schlafen 😉 Denn „windelfrei“ soll Spass machen und kein Wettrennen sein und das Ziel der Sache soll auch nicht sein, unbedingt immer komplett ohne Windeln auszukommen (schön, wenn das irgendwann klappt!), sondern die „Kommunikation“ mit dem Baby. Darum heisst es auch auf englisch „elimination communication„, also sowas wie „Ausscheidungskommunikation“. Das Baby äussert sein Bedürfnis und ich reagiere darauf indem ich es abhalte…
Aber das Ganze ist total spannend und lohnt sich. Es ist einfach toll, zu sehen, wie sich die Maus beim Abhalten gleich entspannt und ihre „Geschäfte“, gross wie klein, auf mein Zeichen hin ins Töpfchen lässt. Abhalten kann man natürlich auch über dem Waschbecken o.ä. Mehr zum Thema lest Ihr im ganz oben stehenden Link zu meiner Website oder auch in meinem Gastbeitrag hier.
Ich werde auch sicher mal wieder berichten, wie es bei uns damit läuft…