Eltern liegen mit Baby auf dem Boden

Am Freitag ist „Mama-Tag“

Martina kenne ich schon seit meiner Schulzeit im Gymasium. Über die Jahre haben wir uns zwar selten gesehen, aber nie ganz aus den Augen verloren. Besonders schön war es dann, vorletztes Jahr zu erfahren, dass wir gleichzeitig schwanger sind. Martina und ihr Mann Lukas leben das traditionelle Familienmodell – nur umgekehrt. Heute erzählen sie im Blog davon. Weiterlesen

35 Jahre – mitten im Leben

In weniger als einem Monat kündigt sich wie jedes Jahr der Tag an, den man als Erwachsenen am wenigsten schätzt: der eigene Geburtstag. Ab einem bestimmten Alter, das ich längst überschritten habe, wacht man nicht mehr vor Spannung auf die Geschenke freudigst auf, sondern würde sich eigentlich lieber wieder umdrehen und erst dann wieder aufwachen, wenn man eine dem Tag würdige Situation vorfindet: weisser Sandstrand, eine bequeme Doppelliege mit Blick auf türkisblaues Meer, Sonnenschein und angenehmer Wind. Der Bikini zwickt nicht, die Haut sanft gebräunt und ein Hotelangestellter serviert soeben ein kühles Getränk. Aber, nein, es ist, wie es ist, im Leben, ein Tag wie jeder andere mit schonungslosen Nachrichten: „ein Jahr älter, Du Kuh! Von jetzt an geht es nur noch abwärts mit Dir!“ Danke aber auch. Und wann habe ich eigentlich begonnen, mich alt zu fühlen? Als die ersten Fältchen im Laufe des Tages nicht mehr verschwanden? Als mich jüngere Typen schamlos „alt“ nannten? Als ich bemerkte, dass Sport seinen Tribut zollt und abends im Bett meinen Körper mit Schmerzen quält? Als mich ein Kind mit „Grüezi“ begrüsste? Ich weiss es nicht, es kam wohl schleichend…

Kurzer Check… wie geht es mir mit 35?

Körper: Kriegsgebiet
Seele: Tornado
Geist: Rostlaube

Summa summarum: Kollateralschäden, soweit das Auge reicht…

Der Punkt im Leben also, an dem man näher an der 40 als an der 30 ist, ruft Mid-Life-Crisis-Symptome hervor… wäre ich ein Mann, würde ich mir ein schnelles Auto kaufen und mir eine 20-jährige anlachen. Als Frau ist das nicht ganz so simpel… vermutlich stünde jetzt die erste Schönheits-OP an. Ein Facelift, etwas Botox, Fettabsaugen, Brustkorrektur (höher, weiter). Dafür fehlt mir das Budget. Ist wohl auch besser so! Stattdessen gönne ich meinem Körper (Kampf)sport galore – besser als jede Droge und vielleicht erspart es mir auf Dauer das Fettabsaugen (aber nicht den Chiropraktiker)? Ich versuche, mich halbwegs gesund zu ernähren (was regelmässig scheitert). Ich unternehme nicht-invasive kosmetische Massnahmen. Die Fassade muss aufrechterhalten werden, so gut es eben geht… man greift schon mal mit schlechtem Gewissen zur Anti-Aging-Gesichtslotion und lässt die jugendliche N*vea soft Creme links liegen, deren Design viel schöner ist… mit einem Seufzen. Partyeskapaden? Alkohol? Fehlanzeige. Alles schlecht für die Haut. Aber ich vermisse es auch nicht. Selten. Ja, älter werden ist für Frauen nicht einfach. Man sagt meist nur Männern nach, dass sie mit Fältchen und grauen Haaren an Attraktivität und Charakter gewinnen (George Clooney!).
Und was geht hinter der Fassade ab? Ich blicke zurück. Immer mal wieder. Aber lieber nach vorn. Geboren am 1. Juni 1981 in Chur GR. Unweit davon starb meine Mutter vor Jahren, weshalb ich die Stadt nicht mehr sehen will, es sei denn es muss… unauffällige Kindheit. Da mein Bruder recht älter war, wuchs ich quasi als Einzelkind auf. Das war nicht immer einfach. Ich vermisste eine Schwester… umso mehr hing ich gern mit anderen Kindern rum… ich malte viel. War ruhig. Hatte erst Fische als Haustiere und später einen Westie. Ich mochte die Schule und war gut darin. Ich war eher der Aussenseiter… auch im Gymi. Ein Sozialnerd*, der mit anderen Nerds rumhing und meist als eine der letzten in die Völkerball-Mannschaft gerufen wurde. Ich musste 19(!) Jahre alt werden bis ich endlich einen Typen kennenlernte, der mein Schmachten erwiderte. Den heiratete ich dann auch, irgendwann nachdem ich das Studium abgebrochen hatte. Aber ich entwickelte mich weiter als er, es passte nicht mehr… ich machte einen Fehltritt und reiste beruflich nach Japan, wo ich meinen jetzigen Mann kennen lernte. Als ich zurückkam, war die Wohnung leer und ich bald geschieden. Zwei Jahre später sagte ich nicht nur erneut „ja“, sondern trug auch unser erstes Kind unter dem Herzen. Es ist ein Klischee, aber mein Leben war danach wirklich nicht mehr dasselbe und ich ein neuer Mensch. 9 Monate später begann ich diesen Blog. Fast 6 Jahre lang schwamm ich in der Mama-Blase, mal mehr, mal weniger glücklich. Aber eigentlich sehr zufrieden, wäre da nicht die schlechte Figur gewesen… Die Kinder waren anstrengend, sehr sogar. Wenig Schlaf, viel Süsses… das musste aufhören. Ich mochte mich so nicht mehr. Daher die Sportattacke. Und die half. Sehr. Am Ziel bin ich noch nicht. Die Ernährung, wie gesagt, ist noch ein Streitpunkt in mir… 😉
Und beruflich? Das ist vielleicht der Grund, weshalb ich denke, nichts erreicht zu haben. Aber eigentlich habe ich auch keine Ambitionen, hatte ich nie… ein Sozialnerd kämpft sich selten an die Spitze. Trotzdem habe ich mich selber überrascht, als ich irgendwann das Japanologie- und Publizistikstudium gegen die Ausbildung zur Journalistin eintauschte? Warum? Eben darum, weil es für mich früher nichts Schlimmeres gab, als auf Leute zugehen zu müssen. Es ist mir bis heute schleierhaft, ob ich mit dieser Berufswahl eine Selbsttherapie einleiten wollte oder ob es einfach die Folge eines Hirn-Blackouts war… Mit meiner ersten, richtigen Stelle wurde tatsächlich alles besser… ich fühlte mich wohl. Es war mir/uns damals aber auch klar, als wir uns für Kinder entschieden, dass ich zuhause bleiben und höchstens ein kleines Pensum weiter arbeiten würde. Ich stieg denn auch später wieder ein als versprochen und verärgerte damit meine Vorgesetzten. Aber das Kind war mir wichtiger und irgendwann trennten wir uns in gegenseitigem Einverständnis während ich längst als freie Mitarbeiterin dann schrieb, wann ich wollte. Bis heute ist es für mich der perfekte Job, da ich ihn mir einteilen kann und ein Grossteil der Arbeit von Zuhause aus erledigt werden kann. Das Bloggen nimmt auch viel Zeit in Anspruch und ich sehe es auch fast als Job an, wäre da nicht der Fakt, dass mich niemand in bar dafür bezahlt. Aber ab und zu bekomme ich Produkte und das sowie der Spass an der Sache und das tolle Feedback bzw. die Interaktion mit den Lesern motiviert mich ebenso.

Noch so ein Neben-Job ist die Trage- und Windelfreiberatung. Zwar habe ich im Schnitt nur etwa eine Beratung im Monat und der Verdienst ist klein (und die Ausrüstung wird sich nie amortisieren) aber auch dies ist ein Herzprojekt

Ausblick

35 Jahre und kein bisschen weiser… das ist schon so. Ich fühle mich oft mehr wie 5 als 35. Im Herzen noch Kind und manchmal nur Dummheiten im Kopf… aber vielleicht muss das so, weil’s sonst langweilig wär‘…
So, das Leben geht weiter und macht, was es will. Stets eine neue Überraschung parat. Hier ein Schock, da ein Schicksalsschlag, selten ein Zuckerschlecken aber immer geht es weiter. Schöne Momente gibt es natürlich auch, wir wollen mal nicht kleinlich sein… aber im Grunde, weiss keiner, was kommt. Jeder Tag ist ein Tritt in den Hintern und ich bleib‘ Zen – so soll es sein! #ironieoff Stay tuned for the fun! 

Und die Gretchenfrage an Euch: wie habt Ihr’s mit dem Alter? Alles cool? Leichter Bammel? Gleichgültigkeit, Zufriedenheit oder älter werden rockt

*schüchterner Mensch mit verschwindend kleinem Selbstbewusstsein, der sich gerne kleiner macht als er ist und lieber zuhause in der Stube hockt als unter „normalen“ Gleichaltrigen verkehrt.

Fotos: üble Selfies mit blauem Auge. Kein Makeup bis auf: Lipstick Novum von Dr. Hauschka.

Buch-Rezension: „Neuland“ – Sachcomic zum Thema Stillen und Wochenbett

Es dauerte eine Weile bis dieses ganz spezielle „Baby“ von Comic der Schweizer Illustratorin und Comic-Zeichnerin Kati Rickenbach, geboren werden konnte. Die Freude ist umso grösser, es nun endlich in den Armen halten zu dürfen: „Neuland“. Für einmal wurde das Themen Stillen und Wochenbett nicht nur textlich sondern als gezeichneter Comic umgesetzt – und greift damit viel tiefer. Es wird wohl kaum eine mit dem ersten Baby frischgebackene Mutter geben, die sich nicht in der liebevoll erzählten Geschichte von Louise, ihrem Mann Tom und der kleinen Anna erkennen wird. Das Comic-Projekt, das Kati Rickenbach in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens verwirklichte, dient aber nicht nur der Unterhaltung, sondern vor allem auch der Information. Viele der Frauen, die heute ihr erstes Kind bekommen, haben praktisch null Erfahrung mit Säuglingen, geschweige denn mit dem Stillen. „Neuland“ zeigt, was alles auf die Eltern zukommt in der ersten Zeit nach der Geburt im Spital, wie sich das Stillen einstellt und entwickelt und wie es zuhause weitergeht. Die Leser erfahren ganz nebenbei auch einige sehr nützliche Fakten rund um Stillen, Muttermilch und Wochenbett. Und auch wenn Louise, Tom und Anna fast schon eine Vorzeigefamilie sind, in welcher die üblichen „Stolpersteine“ wie Schmerzen beim Stillen, Milchstau und Brustentzündung, Hormonchaos und Schlafmangel sowie ein aus unerfindlichen Gründen schreiendes Baby, das einen fast verzweifeln lässt, nur gestreift werden, so werden sie doch nicht ausgelassen und zeigen, dass bei allem Elternglück auch einige Hürden auf einen zukommen, auf die man besser vorbereitet ist – zumindest psychisch. Denn von leichteren (bis schwereren – man denke an die postpartale Depression) Startschwierigkeiten beim Erstgeborenen verschont wird kaum eine Familie und manch eine Mutter erzählt, dass ihr niemand, auch im Geburtsvorbereitungskurs nicht, gesagt hat, dass das Stillen am Anfang nicht so einfach ist wie es aussieht. Wer meinen Blog schon länger liest, weiss, wovon ich spreche.
comic10Der Comic ist äusserst wertvoll und sollte eigentlich jeder mit dem ersten Kind schwangeren Frau in die Hand gedrückt werden. Ich hoffe, dass jeder Frauenarzt und jede Hebamme den Comic im Wartezimmer auflegen lässt. Er ist im Nu durchgelesen und informiert dabei nicht nur sondern unterhält auch – mit ganz ehrlichen Zeichnungen und Situationen, wie sie eben fast alle frischgebackene Mütter so oder ähnlich erleben. Das erste Stillen, das erste Mal alleine zuhause, der Besuch von Hebamme und Stillberaterin sowie Verwandten und Bekannten, die Kochambitionen des frischgebackenen Vaters (war hier genauso J), sich ausser Haus wagen, die Mütterberaterin aufsuchen, das Abpumpen (auf die Wiederaufnahme des Berufs hin), die anstrengende Doppelbelastung und schliesslich – mit einem Zeitsprung – wie sich die Familie nochmals vergrössert hat – süss! J
Ich kann die Lektüre wirklich allen ans Herz legen, die ein Kind erwarten, also natürlich auch dem werdenden Vater, der sich in der Regel vor der Geburt noch viel weniger mit dem Thema Stillen auseinandersetzt. Der Stillcomic zeigt aber auf, wie wichtig auch die Unterstützung des Vaters, gerade in der Wochenbettzeit aber auch danach, ist, und dass ein Vater sich genauso auf das Baby einlassen und die Mutter entlasten kann. Ein Vater kann nämlich auch wickeln und beruhigen, trösten und tragen und für seine Liebste da sein und sie bekochen und verwöhnen, ihr den Rücken frei halten.
comic15Ganz wichtig finde ich auch, dass die Hebamme im Comic betont, dass nur eine „faule Wöchnerin“ eine gute Wöchnerin sei denn es gibt wohl wahrhaftig genug Mütter, die das Gefühl haben, nach der Geburt gleich wieder „voll funktionsfähig“ sein zu müssen. Dabei sollen sie sich ausruhen und ihr Baby in Ruhe kennen lernen. Nur so gelingt auch der Stillstart optimal. Gerade während des Wochenbetts sollte sich also kein Elternpaar zu scheu sein, Unterstützung anzufordern und seinen Besuch auch mal zu bitten, einfach etwas zum Essen mitzubringen…
150219_still_coverbroschur_dtpage0011Der Stillcomic erscheint übrigens zusammen mit einer Broschüre „Fragen und Antworten“, die, ebenfalls von Kati Rickenbach illustriert, ergänzend zum Comic noch viele weitere wichtige Informationen rund ums Stillen enthält sowie die wichtigsten Adressen, Links und Literaturhinweise. Da bleibt fast keine Frage mehr unbeantwortet – ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für einen erfolgreichen Stillstart.
Als Trageberaterin freut mich auch, dass im Stillcomic viele Tücher und Tragehilfen zu sehen sind, dafür kann man wirklich nie genug Werbung machen, aber das nur am Rande J

Und hier auf der Seite der Stiftung kann der Stillcomic inkl. Broschüre bestellt werden.