„Ausruhen kann ich mich mit 50“

Polly Hollenstein kenne ich schon eine Weile. Zuletzt verband uns vor allem die Teilnahme an einem Outdoor-Trainingsangebot in der Region. Ich bewunderte es damals total, wie sie als Mama von drei Kindern, die sie mit kurzem Abstand zueinander bekam, eisern trainierte und heute eine richtige Sportskanone ist. Und noch viel mehr… aber lest selber. Ich habe ihr und ihrem Mann ein paar sehr „gwundrige“ Fragen über sie und ihr Familienleben gestellt und bekam entwaffnend ehrliche Antworten – ein wunderbares Interview einer tollen und aktiven Familie. Weiterlesen

„unerzogen“ – Missverständnisse & Versuch einer Annäherung

Eins vorweg: das Wort „unerzogen“ ist unglücklich gewählt. Es erinnert zu sehr an „ungezogen„. Aber der Begriff hält sich für diese Haltung. Man könnte das Ganze einfach von der anderen Seite betrachten und sich mit dem Begriff „Erziehung“ auseinandersetzen, der von „ziehen“ kommt. Im Sinne davon, das Gefühl zu haben, man müsse sein Kind in eine bestimmte Richtung ziehen, es formen… aus Mangel an Vertrauen daran, dass unsere Beziehung zum Kind zentral ist. Dass diese und unser Vorleben wichtiger ist und das „Ziehen“ eigentlich überflüssig macht.

Über einen Beitrag, den ich gestern auf Facebook entdeckt habe, komme ich nun endlich dazu, über das Thema zu schreiben.
Ich weiss nicht, wann ich das erste Mal von „unerzogen“ gelesen habe, aber ich fand es spannend und las mich ein wenig ein. U.a. bei Alfie Kohn und natürlich in diversen Blogs (z.B. hier) und Facebook-Gruppen. Eine Zeit lang hatte ich auch das Magazin dazu im Abo, wofür übrigens auch der Kinderarzt und Autor Herbert Renz-Polster ab und zu schrieb – er dürfte ein Begriff sein. Auch Katia Saalfrank schlägt in dieselbe Kerbe. Die Ansätze von Jesper Juul und seinem familylab ebenso. So viel zum Thema namedropping, aber es geht mir in erster Linie mal darum, kurz aufzuzeigen, dass die Haltung, sein Kind nicht erziehen zu müssen nicht irgendein neumodischer Spleen ist. Für mich ist „unerzogen“ die logische Weiterführung der von Geburt des Kindes an gelebten, bindungsorientierten Elternschaft, des Attachment Parenting, das sich bei vielen mit Babys und Kleinkindern unterdessen sehr gut etabliert hat.
Um nochmals zum Beitrag zurück zu kommen… er wurde auf mehreren Seiten geteilt und die Kommentare darunter waren zum Teil negativ und zeigten auf, dass der Beitrag teils nicht ganz gelesen oder auch einfach nicht verstanden wurde. Leider war der Titel etwas irreführend. Es ging um Körperpflege bei Kindern und der Titel stellte in Frage, ob waschen, Zähne putzen etc. sein müsse. Natürlich meldeten sich, ohne zu lesen, zig Mütter zu Wort (und ich rede jetzt gar nicht von meiner Facebook-Seite, sondern von den anderen, wo ich den Artikel auch her habe), die schwarz sahen vor lauter Karieslöchern, Coli-Bakterien und fettigen Haaren. Dabei war das gar nicht die Aussage des Artikels. Die Autorin selber hat 4 Kinder, die sich regelmässig waschen und Zähne putzen. Aber sie wollte klar machen, dass sie gegen physische und psychische Gewalt ist, um die Körperhygiene durchzusetzen, also Zwang, Erpressung oder Schwitzkasten beispielsweise. Im Hinterkopf hatte sie wohl die vielen „Kämpfe“, die manche Eltern tagtäglich mit ihren Kindern haben, um sie eben zum Zähneputzen oder Haarewaschen zu bewegen. Sie ist dafür, dass man diese Dinge einfach vorlebt und sich Lösungen überlegt, welche die Grenzen der Kinder nicht überschreiten.
Und weil sie von einer „gleichwürdigen“ Behandlung und „auf Augenhöhe“ sowie „Befürfnisse vereinbaren“ sprach, kamen sofort Protestrufe, die, das Ganze völlig missverstanden: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!“ Oder „Wer ständig nur die Bedürfnisse der Kinder erfüllt, zieht kleine Tyrannen heran!“ Darum geht es aber eben nicht!

Gleichwürdig heisst nicht gleichwertig

Bedürfnisse vereinbaren, heisst, auf die Bedürfnisse aller zu achten und Kompromisse zu finden

Und dann kommt oft das Beispiel, das immer kommt, so wie das Amen in der Kirche:
„Lässt Ihr das Kind denn einfach über die Strasse laufen wenn ein Auto kommt!?“
Natürlich nicht! Denn…

unerzogen heisst nicht antiautoritär oder laissez-faire
Weder werden die Kinder sich selbst überlassen, noch vernachlässigt.

Es geht um…

Beziehung, anstelle von Erziehung

Ich verweise an dieser Stelle auf diesen Beitrag, weil er mit vielen Missverständnissen aufräumt.

„Ach, die Kinder dürfen also immer alles selber entscheiden?“

Nein. Wie bereits oben erwähnt, werden sie nicht gleichwertig wie Erwachsene behandelt. Sie dürfen entscheiden, aber aus der Auswahl, die ich ihnen, der Situation entsprechend, mache. Wenn der Grosse keine Nudeln will, darf er sich nicht die Schokolade holen. Aber er kann ein Brot oder ein Joghurt haben – als Beispiel.

Oft heisst es auch: „Unerzogen? Das ist wohl für faule Eltern!

Mitnichten! Wer die Bindung und die Bedürfnisse ins Zentrum stellt, der führt u.a. Diskussionen, muss kreativ sein, Zwischenwege finden.
Leider falle auch ich viel zu oft zurück in ein altes, jahrelang von überall her geprägtes Muster und höre mich Erpressungen aussprechen: „Wenn Du nicht… dann…“ Davon will ich wegkommen. Ich hasse es. Ich hasse es. Mein Sohn hasst es auch, klar. Die Bindung zwischen uns geht in solchen Momenten sofort flöten – klar. Es ist der einfache, schnelle Weg, etwas zu erreichen wenn ich tatsächlich zu faul bin, um mich mit der Situation auseinander zu setzen und andere Lösungen zu finden. Ich muss dann aber nur in sein Gesicht sehen, in dieses enttäuschte, hilflose Gesicht und schon bereue ich es extrem. Natürlich muss mein Kind mich nicht immer mögen, aber würde ich ständig erpresst werden wollen!? Nein! Und ich will auch mein Kind nicht ständig in diese doofe Lage bringen. Es muss auch anders gehen. Aber genau das ist eben nicht einfach. Es setzt voraus, dass ich mich reflektiere, mir Dinge bewusst mache, mich mit mir und meinem Kind auseinandersetze. Es gibt Tage, da klappt das und es gibt Tage, da geht das einfach im Alltagsstress unter und ich bin dann abends alles andere als stolz auf mich.

Ist unerzogen das Nonplusultra? Unerzogen ist eine Haltung, es ist keine Anleitung, die man als Buch kaufen kann und kein Patentrezept. Ich will hier weder missionieren, noch „Werbung“ machen dafür, denn jeder findet „seinen“ Umgang in der Familie und bei mir hört das Finden und Lernen eben nie auf. Man kann sich informieren, sich durchlesen und das herausholen für sich, was für einen stimmt, was passen könnte. Das tue ich auch, regelmässig. Ich würde mitnichten behaupten, wir wären hier frei von Erziehung. Nein, leider überhaupt nicht. Auch wir handeln oft übergriffig, überschreiten Grenzen, üben Druck aus, machen Fehler (in meinen Augen) und merken es dann mittendrin vielleicht gerade noch; wie schon erwähnt: oft fehlt einfach die Zeit oder die Energie, um nicht in alte Muster zu verfallen. Aber jedes Mal wenn es mir gelingt, das eben zu verhindern, gewinnt etwas: nein, nicht das Kind, sondern unsere Beziehung. Und die ist mir sehr wichtig…

Es ist wahrscheinlich keine drei Jahre her, dass ich noch sehr oft total an den Anschlag kam und beinahe meine Nerven verlor. Vielleicht liegt es daran, dass die Kinder grösser wurden, vielleicht aber auch daran, dass ich geduldiger wurde oder eben auch daran, dass ich mich viel intensiver mit allem auseinandersetze, mein Handeln hinterfrage, die Situation genauer betrachte und nicht einfach blindlings lange eingeprägte Sätze von mir gebe…

Ich weiss, das ist alles schwer greifbar, wenig konkret und niemand hat die Weisheit für sich gepachtet, wie man mit Kindern umgeht oder eben nicht. Ich am wenigsten… Es ist ein für uns alle kein einfacher Weg, den wir finden müssen. Aber das hat auch keiner behauptet 😉

Und nochmal: ich will hier niemanden überzeugen, es war mir einfach ein Bedürfnis, nach den gestrigen Erfahrungen, den vielen Kommentaren, die ich hier und dort mitbekommen habe, aufzuräumen mit den vielen Missverständnissen und ich hoffe, das ist mir gelungen… und ob so oder so – fragen dürft Ihr immer! 

Buchrezension: „Das Wochenbett“

Loretta Stern, Anja Constance Gaca: Das Wochenbett. Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Für Mütter und Väter.

Ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen, ich weiss selber nicht, wie ich so schnell sein konnte. (Hier war es schon lange und ich komme abends endlich dazu, die vielen Bücher zu lesen 😉 Vielleicht, weil es mich direkt wieder zurück versetzte in meine beiden Wochenbetten, die ich schon hinter mir habe und die aber dennoch so intensiv waren, dass man sie nicht so schnell vergisst. Beide Male waren schwierig und vieles, was im Buch vorkommt, habe ich durchgemacht: die Stillprobleme, die Dammverletzungen, die HeultageUnsicherheit, viele Hebammenbesuche, die mir gut taten, der Schlafmangel, die Tage im Pyjama verbringen, keine Besucher sehen wollen, sich aber über die besonders freuen, die eine fertig gekochte Lasagne brachten oder eine Bestellung aus der Apotheke erledigten damit ich nicht selber los musste; nach zwei Wochen jeweils auf mich allein gestellt zwischen Milchpumpe und Stillversuchen, Wundversorgung und, erst mit einem, das zweite Mal mit zwei Kindern. Die Familienhilfe, die kam, um mal sauber zu machen oder zu kochen… Die Autorinnen des Buches schrieben von einem „Abenteuer“ – das ist es wirklich. Während in anderen Kulturen das Wochenbett richtig zelebriert wird und sich die Frauen des Dorfes um die Wöchnerin kümmern damit diese rundum versorgt ist, sind hier viele allein mit sich. Ja, es gibt Ärzte, Hebammen, Still- und Mütterberaterinnen, die man anrufen/aufsuchen kann, die einem besuchen, aber niemand ist permanent da und sorgt sich ausser vielleicht die vielen Facebook-Gruppen, ja, die helfen auch… Aber der so dringend nötige und wichtige Vaterschaftsurlaub wurde bisher nicht gesetzlich verankert. Wer seine Frau daheim unterstützen und die ersten Wochen mit Baby miterleben und mit-hineinwachsen will, muss Urlaub nehmen, es sei denn er hat das Glück, in einer besonders familienfreundlichen Firma zu arbeiten.
Ja, das Wochenbett, obwohl ich die letzten beiden nie vergessen werde, verdrängt muss ich doch vieles haben denn erst beim Lesen kamen die ganzen Erinnerungen hoch. Präsent waren bei mir v.a. die Stillprobleme, die ich dieses Mal mit meiner Hebamme zusammen hoffentlich etwas mehr in Schach halten kann, dass aber die Toilettengänge anfangs eine Qual waren, dass beide Kinder beim Stillen immer sofort einschliefen, aber auch gleich wieder aufwachten, wenn ich sie hinlegen wollte, dass man noch eine ganze Weile seine Schwangerschaftsjeans trägt, weil die alten noch nicht passen – das habe ich irgendwie ausgeblendet. Insofern war es wohl gut, sich mit der Lektüre des Buches nochmals darauf vorzubereiten, was alles auf mich/uns zukommen kann… eins ist klar, dieses Mal will ich keine einzige Nacht im Spital verbringen, dort fühlte ich mich nie wohl. Mit der Maus bin ich nach 2,5 Tagen schier heim „geflüchtet“, nachdem man mir das Okay nur zögerlich gegeben hatte. Aber ich habe mein Zuhause, meine Männer soooo vermisst, keinen Tag länger hätte ich es ausgehalten alleine in diesem Zimmer, in das ständig jemand reinplatzte, in einem Haus in dem auch nachts noch Betrieb herrscht und Dich niemand schlafen lässt wenn Du endlich mal könntest…
Nun aber auch noch was zum Buch… 😉 Es ist gegliedert in „Das wichtigste Wochenbettwissen“ sowie einen Mütter- und einen Väterteil, wobei der Väterteil nur 13 Seiten aufweist, die mein Mann quer überflog. Ich finde ja, die Väter dürfen ruhig das ganze Buch lesen oder zumindest noch den Wissensteil und natürlich die Einführung über die Bedeutung des Wochenbetts.
Im Wissensteil werden alle wichtigen Themen rund ums Baby von A-Z beschrieben, was sehr hilfreich ist. Mittels Register am Schluss des Buches kann man auch selber gezielt nach Themen suchen, weshalb das Buch nicht nur als Vorbereitung auf’s Wochenbett dient, sondern auch währenddessen als Nachschlagewerk.
Im Wissensteil finden sich auch einige gute Rezepte, die man schon mal dezent seinem Mann oder der (Schwieger)mutter mitteilen kann 😉 Ganz toll finde ich darin übrigens den „Brief an den idealen Wochenbettbesucher“, den muss ich aus meiner Sicht auch mal so verfassen bevor es los geht… 😉
Die Themen im Mütter- und Väterteil sind übrigens, natürlich, fast dieselben, nur sind sie eben für die Mütter ausführlicher beschrieben. Es geht um die Verarbeitung der Geburt, wie es dem Körper und der Psyche danach ergeht, über das Stillen, über das Schaffen persönlicher Wohlfühlmomente für beide Elternteile sowie die Beziehung nach der Geburt, die sich, gerade nach dem ersten Kind, verändern wird.
Das Buch will aber keinen einschüchtern, nein, es liefert viele, wertvolle Tipps, u.a. auch, was man schon in der Schwangerschaft vorbereiten kann. Es macht Mut, seine Bedürfnisse zu äussern, Hilfe einzufordern und so das Wochenbett zu dem zu machen, was es sein sollte, nämlich Ruhe nach den Strapazen der Geburt, viel zu liegen, mal alles beiseite zu lassen, was gerade nicht so wichtig und dringend ist, und Körper und Seele Zeit zu geben, sich zu erholen und zu heilen.

Eine der Autorinnen, Anja Constanze Gaca, schreibt übrigens, gemeinsam mit ihrem Mann seit Jahren den überaus wertvollen Elternblog Vonguteneltern.de, den ich sehr schätze. Sie ist Hebamme, Still- und Laktationsberaterin und hat drei Kinder.
Loretta Stern ist eine Schauspielerin, Sängerin und Fernsehmoderatorin, die angeregt durch eigene Erfahrungen über Baby- und Kleinkindthemen zu schreiben begann.

Ich kann dieses Buch jeder Schwangeren (und dem werdenden Papa) empfehlen als Lektüre für die letzte Zeit… 🙂

„Das Wochenbett“ ist erschienen im Kösel-Verlag und u.a. hier„target=“_blank“>hier erhältlich.

Katharina Saalfrank: Was unsere Kinder brauchen – Buchrezension

Katharina Saalfrank dürfte jedem ein Begriff sein aus Ihrer Zeit als „Super Nanny“ im deutschen Fernsehen. Längst hat sie sich aber auch als Pädagogin mit eigener Praxis, ihrer Eltern- und Familienberatung, als Autorin und in den sozialen Medien einen Namen gemacht. Ich habe bereits ihr 2013 erschienenes Buch „Du bist ok so, wie Du bist“ gelesen. Nun liegt schon seit einer Weile ihr neustes Werk „Was unsere Kinder brauchen – 7 Werte für eine gelingende Eltern-Kind-Beziehung“ vor mir. In den letzten Tagen habe ich mir endlich Zeit genommen, es richtig zu lesen und bin sehr angetan. Erstens ist es schön, dass der Buchtitel meinem Nestwärme-Leitsatz („Was unsere Kinder wirklich brauchen“) gleicht und zweitens ist das Buch sowohl wunderbar aufgebaut und verständlich sowie auch inhaltlich absolut hilfreich. Ich sah‘ mich innerlich ganz oft nicken und sagen: „ja, genau so ist es“. Nur leider verfällt man selber so oft in „alte, eingeprägte Muster“, meist aus der eigenen Erziehungserfahrung, dass es gut tut, schwarz auf weiss zu lesen und verstehen, wie schädlich das eigentlich sein kann für eine gute Beziehung zu den Kindern. Mir fällt es leicht, solches „Fehlverhalten“ bei anderen zu sehen und (z.B. bei meinem Mann) auch anzusprechen, ich selber ertappe mich meist zu spät dabei, wenn ich wieder in irgendwelchen Stereotypen gefangen bin und einfach nur „schimpfe“, anstatt mir Zeit zu nehmen, eine Situation genauer anzusehen und dabei auch die Gefühle der Kinder wahrzunehmen, zu ergründen, zu respektieren und zu benennen. Nach der Lektüre des Buches will ich es in Zukunft (noch) besser machen. Oft geht im Alltag nämlich diese wertvolle und etwas intensivere Auseinandersetzung mit einer Situation einfach unter weil man vielleicht gerade mit etwas anderem beschäftigt ist und möglichst schnell wieder seine „Ruhe“ will.

Zum Aufbau des Buches:
Es ist überaus liebevoll gestaltet, mit vielen Illustrationen, mit vielen, wichtigen Zitaten, die farblich und in grosser Schrift herausgehoben werden, mit einer Seite von „Aha-Effekten“, die am Ende jedes Kapitels aufgezählt werden und ein Resümee bieten, mit kleinen Infoboxen namns „Rückenstärkung“, in denen sich Katharina Saalfrank nochmal mit ein paar ganz wichtigen Punkten an die Leser wendet und mit vielen, ganz konkreten Praxis-Beispielen von uns allen bekannten Alltags-Situationen. Diese finde ich besonders wertvoll, weil die Autorin hier zeigt, wie man oft fälschlicherweise reagiert (und darum immer wieder in dieselbe Situation gerät) und wie man anstatt dessen reagieren kann und welch‘ positive Auswirkung dies nicht nur auf die Beziehung zum Kind haben wird, sondern auch, dass auf diese Weise Konflikte im Familienleben nachhaltig gelöst werden können.

Die sieben Werte im Überblick:

  • Beziehung statt Erziehung
  • Achtsamkeit statt Belehrung
  • Verantwortung statt Bevormundung
  • Wertschätzung statt Abwertung
  • Vertrauen statt Kontrolle
  • Dialog statt Monolog
  • Miteinander statt Gegeneinander

Ich kann und will hier nicht alle Themen umreissen, denn Ihr sollt selber mal reinschnuppern, aber es kommt wirklich vieles zur Sprache, das uns im Alltag mit Kindern immer wieder begegnet, seien es Aggressionen (hier rät uns Katharina Saalfrank z.B., uns bewusst zu machen, dass das Verhalten des Kindes uns etwas sagen will, ein unerfülltes emotionales Bedürfnis birgt, und wir nicht einfach versuchen sollten, in unseren Augen negatives Verhalten zu unterdrücken, sondern nach dem wahren Grund zu forschen – und das geht nicht, wenn wir unser Kinder bewerten und bevormunden) oder vermeintlicher Trotz und Verweigerung.

Überhaupt schätze ich es sehr, wie Katharina Saalfrank dafür einsteht, unseren Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, ihre Grenzen nicht zu überschreiten und die eigene Macht nicht zu missbrauchen. Sie lehnt Strafen genauso vehement ab wie Belohnungen weil beides auf Dauer eher kontraproduktiv ist und die Beziehung zum Kind verschlechtert. Auch traut sich endlich mal jemand, die Sache mit der Konsequenz anzuzweifeln, weil „wenn Eltern um der Konsequenz willen konsequent sind, endet das häufig mit Geschrei und Machtkampf.“ Für viel wichtiger hält sie, dass Kinder „Erwachsene erleben, die in ihrem Denken, Fühlen und in ihren Werten beständig sind und sich auch entsprechend verhalten und nicht widersprüchlich agieren – die also konsistent sind“.

Fazit:

Obwohl die Themen inhaltlich für mich nicht neu sind, profitierte ich wirklich von der Lektüre. Es ist alles wunderbar auf den Punkt gebracht und super verständlich. Für mich knüpft dieses Buch direkt an beziehungsorientierte Werke von Renz-Polster, Nora Imlau oder Susanne Mierau etc. an. Während letztere eher auf die Baby-Zeit ausgerichtet sind, finde ich hier wertvolle Tipps für den Umgang mit älteren Kindern (ich würde sagen so ab 4 Jahren…) und das fehlte mir bis jetzt in meiner Bibliothek 😉
Danke, liebe Katharina, für diese tolle Bereicherung im Ratgeber-„Dschungel“.

Buchrezension: „Was tun, wenn der Hamster den Löffel abgibt?“

Wenn Jesper Juul und Katharina Saalfrank gemeinsam auf einem Buchtitel erscheinen, dann ist das schon mal ein gutes Kaufargument 😉 Und, sorry, geschätzte Frau Boie, dass ich sie bisher nicht kannte… Das Cover lässt zwar eher auf humoristische Literatur schliessen und weckte auch bei meinen Kindern grosses Interesse („Mama, was steht da drin?“, „Was macht denn der Hamster da?“), der Untertitel verrät aber, dass es hier um ernste Themen geht: 60 Elternfragen, beantwortet vom Familientrio. Leider bin ich keine fleissige Leserin der Süddeutschen Zeitung, sonst hätte ich vielleicht die Kolumne gekannt, die zur Veröffentlichung dieses Buches führte. Leider gibt es die Kolumne mittlerweile nicht mehr, dafür aber wurden im vorliegenden Buch einige der spannendsten Fragen und Antworten zusammengefasst und ich muss sagen, da ist dem Herausgeber eine sehr gute Auswahl gelungen. Es geht um Verbote, Erziehung und Beziehung und jede Menge anderere brennender Alltags-Themen, über die jedes Elternpaar irgendwann (oder mehrmals) im Leben einmal stolpert. Das Expertenteam, bestehend aus eben Jesper Juul, dem dänischen Familientherapeuten und Autor, Katharina Saalfrank, der aus der Sendung „Die Supernanny“ bekannten Pädagogin und Kirsten Boie, Lehrerin und Autorin von über 100 Kinder- und Jugendbüchern, ist sich mal mehr, mal weniger einig, wenn es darum geht, eine passende Antwort zu finden. Man kann beim Lesen förmlich mitfühlen, wie schwer es fiel, die richtigen Wort zu finden oder ob die Antwort für alle sonnenklar war. Bei vielen Fragen bildet man sich schon beim Lesen selber eine Antwort und kann dann überprüfen ob man mit den Experten auf einer Wellenlänge liegt oder nicht. Und manchmal ist man ratlos und froh, ist es das Trio nicht. Wenn jedoch drei Fachleute drei gänzlich unterschiedliche Antworten geben, steht man wieder da wie der Ochs am Berg. Nein, nicht ganz, die Damen und der Herr bringen ja durchaus ihre Gedankengänge aufs Papier, ziehen Argumente hervor und liefern so Denkanstösse für die eigene Entscheidungsfindung der Fragen in punkto Familie, Partnerschaft etc. Und, ja, es ist erlaubt, auch mal den Kopf zu schütteln wenn man eine andere Meinung hat als Jesper, Kirsten oder Katharina, oder aber die Frage ganz und gar doof findet… 😉
Das Buch habe ich ruckzuck durchgelesen – kurzweilig, spannend und unterhaltsam. Und es regte durchaus zum Nachdenken an. Kann ich nur empfehlen. Und ich persönlich würde die Kolumne nun regelmässig lesen, wenn es sie denn noch gäbe 😉

Was tun, wenn der Hamster den Löffel abgibt“ (Affiliate-Link) ist erschienen im Beltz-Verlag.

Ein Familienbett – jetzt haben wir’s

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Foto vom Juni 2015. Ich glaube man sieht hier gut, wie klein das Doppelbett war. 

Lange habe ich meinem Mann immer wieder von Familienbetten erzählt und ihm Fotos privater Projekte gezeigt, die ich im Netz oder in den sozialen Medien fand. Für mich war zwar leider erst beim zweiten Kind klar, dass es am einfachsten für mich ist, wenn das Baby bei mir schläft, weil ich dann nachts nicht aufstehen muss, sondern auch im Halbschlaf stillen und wieder wegdösen kann. Ausserdem brauchte unsere Tochter diese Nähe auch. Und das heute noch zum Teil. Zwar haben wir ihr zum 4. Geburtstag ein eigenes Zimmer eingerichtet, doch es gab immer mal wieder einen Abend, an dem sie lieber bei uns schlafen wollte. Auch der Grosse hat bisweilen mal nachts einen Albtraum und möchte dann zu uns unter die Decke. Mit der Maus als Baby war der Platz dank Beistellbett kein Problem. Aber als sie grösser wurde und wir das Beistellbett nicht mehr brauchten (dies auch, weil sie eigentlich sowieso zwischen mir und meinem Mann lag), wurde unser 1,60m breites Bett relativ eng. Als Mama beherrscht man ja mit der Zeit die Kunst, am Bettrand zu schlafen, wie es so schön heisst, denn die Maus klebt sowieso meistens an mir 😉 Wenn aber der Grosse kam, litt mein Mann. Unser Sohn ist alles andere als ein ruhiger Schläfer und beansprucht auch sehr viel Platz. Entsprechend zog mein Mann dann entweder irgendwann des Nächstens genervt aus oder war am Morgen entsprechend gerädert. Beides nicht ideal, wenn man im Job funktionieren muss. Der Leidensdruck war aber nie gross genug, um etwas zu ändern. Ich schlug schon vor, einfach ein breiteres Bett zu kaufen, aber das wäre insofern doof gewesen, als wir dann die guten Matratzen und die Roste nicht mehr gebrauchen hätten können.

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Den Wagen gefüllt beim Möbelschweden 😉

Im Hinblick auf unser Januarbaby habe ich der Maus ja ein grosses Bett gekauft und das Beistellbett vorsorglich bei ihr im Zimmer platziert, damit ich dann dort und der Mann alleine in unserem Bett schlafen kann. Nun meinte er wohl, das Baby werde dann ja doch bei uns schlafen und eines Morgens, nachdem beide Kinder wieder bei uns genächtigt hatten (4 Personen auf 1,60m ist einfach etwas wenig :D), fand ich ihn über iPad, Schreiber und Papier brüten und zig mal mit dem Meter im Schlafzimmer zu messen. Ich wunderte mich sehr, was er da jetzt wieder plant und er wollte erst auch gar nicht so recht mit der Sprache herausrücken. Aber nur wenige Tage später, am Dienstagmorgen, fuhren wir nach St. Gallen zum Möbelschweden und besorgten alles Nötige für des Mannes Pläne. Am selben Tag räumte er das Schlafzimmer aus und begann, Möbel zusammenzubauen, anzupassen (sägen) und zu verschrauben… Am

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Erst mal die Möbel zusammenbauen…

Donnerstagmorgen besorgte er dann noch Holzzuschnitte um die Eigenkonstruktion zu finalisieren und gestern Abend schliefen wir dann auch schon alle vier im fertigen Bett 😀 War ja klar, dass beide Kinder das neue Bett testen wollten und siehe da, wir hatten alle gut Platz auf nun 2,50m! 😀 Zwar füllt das Bett nun fast das gesamte, eher kleine Schlafzimmer (wir planten es von Anfang an nur als Schlafzimmer, da wir die Ankleide in einem separaten Raum haben, drum brauchten wir nicht mehr Platz), aber es wird wohl kaum die nächsten 10 Jahre so sein. Irgendwann werden wir die Geschichte wieder abbauen und zum herkömmlichen Bett zurückkehren sobald keins der Kinder mehr des Nachts zu uns schleicht 😉
Das Familienbett ist sicherlich kein perfektes Designkonstrukt, aber es soll ja auch v.a. den Zweck erfüllen. Und auf diese Weise konnten wir beide Matratzen und Roste behalten und haben einfach noch ein weiteres Set dazu gekauft.
Durch den Unterbau mit Kallax-Möbeln ist das Bett sehr hoch geworden, woran ich mich erst mal gewöhnen muss. Es bedingt dann auf Januar hin natürlich auch die Erweiterung durch einen guten Rausfallschutz. Wenn Ihr fragen habt, nur zu 😉

Wie ist das bei Euch, sofern Ihr auch ein Familienbett habt? Habt Ihr auch selber etwas konstruiert oder konstruieren lassen? Oder habt Ihr einfach ein weiteres Bett dazugestellt?

So, und nun lasse ich Bilder sprechen…

Das Chaos lichtet sich, das Bett kann bezogen werden… die Fotos sind nicht perfekt, aber ich hoffe, man erkennt einigermassen, wie gross es ist 😀

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Wir hatten vorher nicht mal Nachtkästchen. Durch den Aufbau hinter dem Kopfende und den Fächern unter dem Bett, ist nun endlich auch Platz für Handy (Wecker), Trinkflaschen etc. entstanden. Für die Fächer kaufe ich dann noch den ein oder anderen Korb nach, z.B. zum Verstauen von Stoffwindeln, Nuscheli etc.

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Der Tritthocker (den habe ich zusammengebaut 😉 Hihi, das einzige, was ich konnte :D, dient als erleichterter Ein- und Ausstieg für die Maus…

Über Bindungen, Familie, Beziehungskonzepte

Manchmal bringt mich etwas zum Nachdenken und ich muss das dann irgendwie niederschreiben. Der Sinn vom Bloggen, ne? So wie heute morgen als ich von einer (erst flüchtig) Bekannten erfuhr, dass sie, ebenfalls eine Mutter zweier Kinder im ähnlichen Alter, schon seit einer Weile vom Vater der Kinder getrennt lebt. Ich weiss, das ist kein Neues Thema, Worte wie „Patchwork-Familie“ oder „alleinerziehend“ schon relativ „alt“, aber dennoch… sie ist bei weitem nicht die einzige Mutter, die ich kenne, die nicht mehr mit dem Kindsvater zusammen lebt. Ich kenne einige. Solche, die bereits in der Schwangerschaft vom Vater verlassen wurden, einige trennten sich danach, weil er oder sie fremd ging oder einer keine Lust mehr hatte… Die Mutter, die ich heute traf, trennte sich nicht unüberlegt. Es ging keiner fremd, die Luft war wohl einfach raus. Man will nicht immer fragen, man kennt nie die ganze Situation, in welcher Familien stecken und schon ganz selten kennt man beide Seiten. Und ich kenne auch (kinderlose) Ehen, in denen nach vielen Jahren der Wurm drin steckt, man sich aber dennoch entschliesst, zu kämpfen, eine Therapie zu machen etc.
Wenn keine Kinder im Spiel sind, dann denke ich, ist es relativ unkompliziert. Natürlich tut es weh, dem einen vielleicht mehr als dem anderen, aber in der Regel ist ein Ende mit Schrecken besser für beide als ein Schrecken ohne Ende…
Ist heute die Trennungs- und Scheidungsrate hoch, so war das „Aufgeben“ in früheren Generationen nicht nur relativ tabu sondern auch fast unmöglich, da man abhängig voneinander war. Die klassische Rollenteilung hielt Familien zusammen. Aber waren die Menschen dadurch glücklicher oder treuer? Wohl auch nicht, zumindest nicht alle. Es gibt ja doch immer wieder Paare, die es schaffen, jahrelang glücklich zu sein miteinander.
In der heutigen Zeit, in der Männer und Frauen immer selbstständiger sind, oft auf Achse, mit vielen Menschen in Kontakt, beruflich wie auch in der Freizeit, ist es definitiv schwieriger, bei auftretenden Unstimmigkeiten nicht gleich das Handtuch zu werfen… zumindest dann, wenn man keine gemeinsamen Kinder hat… zwar sehnen sich wohl die meisten Menschen nach Beständigkeit, nach einer festen Beziehung, jemandem, der zuhause auf einen wartet… keiner ist gerne lange alleine. Und doch ist man heute weniger „sesshaft“. Berufliche Wechsel, viele Reisen, man ist mobil, hat durch die sozialen Netzwerke auch viele Kontakte, die nicht nur eine Tür weiter wohnen… wir werden heute auch verwöhnt mit einer Vielzahl an Möglichkeiten. Konsum, Sport und Freizeit, Reisen, Bildung… warum da jahrelang den selben Partner haben? Es gibt so viele, (nette) Menschen, es lockt also auch die Abwechslung oder auch einfach: der Wunsch, begehrt zu werden, etwas für’s Selbstbewusstein…

Ich denke, es ist heutzutage eine grosse Herausforderung, Beziehungen aufrecht zu erhalten und zu pflegen und auch bei Krisen nicht aufzugeben.
Ich denke auch, dass es Mut braucht, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn es nicht mehr geht, wenn es nur noch eine Belastung ist, wenn man nach erfolglosen Versuchen, zusammen zu bleiben, gemerkt hat, dass es besser ist, sich zu trennen.

Wenn Kinder im Spiel sind, wird zurecht länger gezögert, sofern nicht grosse, seelische Verletzungen im Spiel sind, ein Vertrauensmissbrauch, der nicht so schnell wieder gut zu machen ist. Für viele ist das ein Grund, noch über Nacht mit Sack und Pack zu fliehen. Andere geben eine zweite Chance… Schlussendlich wird man sich nie, bei niemandem, hundertprozentig sicher sein, weil kein Mensch berechenbar ist.
Wenn Kinder im Spiel sind, verkompliziert das alles. Man stellt zwangsläufig ihr Leben auf den Kopf. Es stehen die Bedürfnisse mehrerer Menschen im Raum und es gilt, diese irgendwie zu vereinen, wobei diejenigen der Kinder absolute Priorität haben. Ich habe auch hier bei einer Freundin miterlebt, wie lange dieser Prozess dauern kann, wie intensiv er sein kann und wie schwierig und schmerzhaft…
Wir wollen unseren Kindern so viel wie möglich ersparen. Wir wollen nicht, dass sie leiden, wollen sie nicht aus ihrer Komfortzone reissen. Nur manchmal geht es nicht anders…
Ich wünsche es keinem, so etwas durchmachen zu müssen. Ich schicke jedem viel Kraft, der es durchziehen muss. Ich wünsche mir für meine Familie, nie eine solche Entscheidung treffen zu müssen, auch wenn mir bewusst ist, dass es nicht immer einfach ist. Manchmal viel Nerven strapaziert werden, Verletzungen geschehen und man nicht den 5er und das Weggli haben kann. Ich bin mir bewusst, dass sowohl ich als auch mein Mann oft auf die Zähne beissen müssen. Kinder zu haben, ist eine Herausforderung, nicht nur eine individuelle sondern auch eine für die Beziehung. Man kann nicht erwarten, dass diese unverändert bleibt. Und sind die Kinder noch so „ring zu haben“… Keine Kinder zu haben, kann mit der Zeit aber auch eine Herausforderung werden. Auch hier kenne ich ein Paar, das nach vielen (ungewollt kinderlos gebliebenen) Ehejahren für das Zusammenbleiben kämpft. Da war man jahrelang Seite an Seite, war füreinander da, meisterte viele Herausforderungen, kennt sich in- und auswendig (vielleicht zu sehr) und irgendwann bleibt die Anziehung auf der Strecke. Man begehrt sich nicht mehr. Jahrelang die gleiche Person an der Seite… es ist klar, man steht sich emotional nah, man fühlt sich geborgen, versteht sich ohne Worte, man lebt eine intensive Freundschaft. Eigentlich will keiner ohne den anderen sein, weil man den anderen vermissen würde, die Familie, die man hat, auch nur zu zweit; undenkbar, sie aufzulösen… Hier muss jedes Paar für sich entscheiden (und gottlob nur für sich und nicht auch noch für die Kinder), was es aus der Situation macht. Will man einen Neuanfang für beide (sich und auch seinem so geliebten Partner eine neue Chance geben) oder ahnt man, dass man nach ein paar Jahren wieder am selben Punkt ankommen könnte und darum lieber beim Vertrauten bleibt, wenn auch ohne das Prickeln, das man ganz am Anfang spürt? Einfacher fiele die Entscheidung, wenn sich die Partner auseinandergelebt haben, sich die Interessen verschoben haben, man sich nichts mehr zu sagen hätte…
Wie könnten menschliche Beziehungen in 20, 50 Jahren aussehen? Verliert die Ehe immer mehr an Bedeutung? Wird sie noch existieren? Wird sie anders umrissen werden? Werden neue Beziehungsformen etabliert? Sind offene Beziehungen ein Thema? Oder nach wie vor eine marginale Erscheinung, da sich selten beide Partner gleichermassen dafür begeistern können… was verständlich ist, da immer ein Risiko besteht, dass jemand sich zu einem anderen Partner mehr hingezogen fühlen wird und die Beziehung beendet.
Ein Patentrezept gibt es wohl nicht. Solange es Menschen gibt, wird es Beziehungen geben, werden Bindungen aufgebaut und wieder gelöst… denn anders können wir nicht leben. Aber der Spruch „bis dass der Tod uns scheidet“, der wird wohl mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Zum einen, weil die Menschen immer älter werden, zum anderen, weil sich kaum mehr einer auf die Ewigkeit festlegen will…

Wie denkt Ihr darüber? 

 

Startschwierigkeiten

Der Aufenthalt im Spital war für mich alles andere als angenehm. Das Stillen, von dem ich ausging, dass sich das vom ersten Saugen an wunderbar ergibt, entpuppte sich als wahre Selbstkasteiung, die Tränen flossen Tag für Tag (Baby-Blues lässt grüssen) und niemand von den täglich wechselnden Hebammen/Schwestern hatte wirklich Zeit für mich und meine geschundene Seele. Zuhause kämpfte ich dann gegen den Schlafmangel (ich war der Ansicht, mich selbst exakt dann zum Schlafen zu zwingen, wenn auch der Kleine schlief – schwieriges Unterfangen, wie man sich denken kann) und realisierte dabei so langsam, dass ich mein altes Leben in den nächsten zehn Jahren nicht mehr führen werde (und es in zehn Jahren wohl so auch nicht mehr führen werden will, geschweige denn kann). Also: Keine exzessiven Shoppingtouren, keine mind.-3x-die-Woche-Sport-Pensen, kein Trödeln vor Kleiderschrank und im Bad, keine ungestörten Telefonate, Mailerein oder Chats mit der besten Freundin, kein Schalstricken, keine aufwendigen Backrezepte, keine effektiven Putzorgien, keine Kinobesuche und erst recht keine TV-Serien, kein Make-Up und keine Frisurexperimente, keine Wellnessferien, kein Geld, keine Musse, keine Zeit. Weder für mich noch für meinen Mann und für unsere Beziehung sowieso nicht. Fazit: Ich werde mich und meine Hobbies und Bedürfnisse komplett aufgeben müssen und mein Mann und ich werden hart daran arbeiten müssen um ein Paar zu bleiben und nicht bloss Eltern zu sein. Sich selbst so zu entsagen ist bereits ein grosser Kraftakt für ein verwöhntes Kind, das ich bin, dabei die Liebe zu bewahren, das ist nun wirklich eine Herausforderung fürs Leben! Man sieht, die Gedanken, die ich nach der Geburt des kleinen Menschleins hatte, das mein ganzes Leben auf den Kopf stellte, klingen nicht gerade positiv. Nein, ich bin keine dieser Voll-in-ihrer-Mutterrolle-aufgehenden-Supermamas. Ich habe arg mit meinem neuen Leben gehadert und tues es noch. Ein Prozess, der wohl noch ein Weilchen andauern wird. Nichtsdestotrotz hätte ich es früher oder später bereut, nicht Mutter geworden zu sein. Das ist einfach Bedürfnis, das ich schon als kleines Mädchen spürte und das ich nie in Frage gestellt habe. Hätte ich, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt? Fragt mich in zehn Jahren wieder! 😉