Late-Night-Mom

Ich hatte vor kurzem mal die Idee, ganz spontane, völlig ungestellte Fotos von der Zeit des Tages zu machen, die ich am meisten mag: die Zeit, in der alle friedlich in ihren Bettern schlummern und es total ruhig im Haus ist. Die Zeit, in der ich ein wenig mein eigenes zu Bett gehen prokastiniere, natürlich immer im Wissen, dass ich mir dann morgens umso schwerer tue mit Aufstehen. Aber, ach, ich möchte den Feierabend halt ganz oft noch ein bisschen länger geniessen, auskosten. Weiterlesen

Sanfte Eingewöhnung…

Und nun komme ich endlich wieder mal dazu, einen persönlichen Beitrag zu schreiben. Dies, während das Mäuschen gerade in der Kita weilt. Ihr habt ja, wenn Ihr ab und zu hier mitlest, sicher mitbekommen, dass uns die Eingewöhnung des Mäuschens in der Kita bevorsteht. Diese Woche war es nun soweit und damit alles reibungslos laufen konnte, hatte ich so wenig wie möglich Termine ausgemacht, denn wir würden jeden Morgen in der Kita sein. Weiterlesen

Gastbeitrag von Nora Imlau zum Thema Geburt

Langsam rückt das Thema Geburt bei mir in den Fokus, denn viel länger als eine Woche wird sie nicht mehr auf sich warten lassen. Ich mache mir viele Gedanken, vieles könnte bei dieser Geburt anders werden, vielleicht aber auch nicht. Je weniger vorhersehbar etwas ist, desto mehr Gedanken macht man sich darüber, nicht wahr? Auf jeden Fall waren wir heute mit den Kindern auch endlich im nahegelegensten Spital und haben uns die Geburtenabteilung bzw. die Gebärsäle angesehen. Besonders für meinen Mann war es wichtig zu wissen, wo, wie, was an Tag X. Und auch ich wollte die Säle zumindest mal gesehen haben. Und ich war positiv überrascht denn meine Kinder kamen in einem kleineren Spital zur Welt, deren Geburtsabteilung mittlerweile geschlossen wurde. Beide Säle sahen gemütlich aus und es gab in beiden eine Wanne. Zudem war die Freude gross, dass zufällig eine liebe Hebamme da war, die ich schon lange kenne (aus meinem Trageberatungs-Grundkurs vor Jahren).

jakob-und-ich

Nora mit ihrem Sohn Jakob zwei Wochen nach der Geburt. Bild Christoph Luttenberger

Nun aber zu Nora Imlau. Auch sie kenne ich schon lange, da sie sich als Journalistin und Fachautorin zu bindungsorientierten Themen wie Stillen, Tragen etc. einen Namen gemacht hat. Sie ist Mutter von drei Kindern, schreibt für die Zeitschrift „Eltern“ und veröffentlichte u.a. das Buch „Das Geheimnis zufriedener Babys„und „Das Geburtsbuch„, das ich während unserer Sommerferien verschlungen habe 🙂 Es folgt nun ein Auszug aus letzterem:

Gastbeitrag von Nora Imlau:
Birth Matters – Warum unsere Geburten so wichtig sind

»Es ist nicht egal, wie wir geboren werden« – vor dreißig Jahren war dieser Satz des französischen Frauenarztes Michel Odent eine echte Provokation. Denn in der gesamten industrialisierten Welt hatte sich zu diesem Zeitpunkt eine Geburtshilfe durchgesetzt, die nur ein Ziel kannte: Hauptsache, Mutter und Kind überleben. Unter welchen Umständen, schien nebensächlich. Eine Geburt sollte schließlich nicht schön sein, sondern vor allem sicher. Oder?

geburtsbuch-cover

„Das Geburtsbuch“ ist erschienen im Beltz-Verlag

Seither hat sich viel getan: Die »Geburt ohne Gewalt«, die der Gynäkologe Frédérik Leboyer in den 1970er Jahren in einem viel gelesenen, emotionalen Plädoyer forderte, hielt in mehr und mehr Kreißsälen Einzug. Partner durften nun zur Geburt mitkommen. Schwangere Frauen bekamen zusehends individuelle Hebammenunterstützung statt Rasur, Einlauf, Lachgas und Dammschnitt. Neugeborene wurden unmittelbar nach der Geburt nicht mehr auf den Po geklapst, damit sie besser atmeten, sondern kamen stattdessen gleich zu Mama auf die Brust.

Doch eins hat sich nicht verändert: Wie die Mutter die Geburt erlebt, ob sie sich dabei unterstützt oder allein gelassen, gestärkt oder geschwächt fühlt, wird heute noch oft als Nebensache betrachtet. »Hauptsache gesund«, bekommen Frauen nach schwierigen Geburten zu hören, als sei das das einzige, was zählt: Mutter und Kind gesund, alles gut. Dabei wissen wir heute: Die Geburten der eigenen Kinder gehören zu den prägendsten Erfahrungen im Leben einer Frau. Der Schmerz und die Kraft, die Angst und die Zuversicht, die Unterstützung und die Einsamkeit die wir in diesen Stunden und Minuten spüren, graben sich tief in unsere Seele ein. Nie sind wir verletzlicher als in diesem Moment. Es ist deshalb Zeit, das berühmte Odent-Zitat zu ergänzen:

Es nicht nicht nur nicht egal, wie wir geboren werden – es ist auch nicht egal, wie wir gebären!

Wollen wir als Gesellschaft starke, selbstbewusste Mütter, müssen wir also gute  Bedingungen für gute, stärkende Geburten schaffen, aus der Frauen körperlich und seelisch möglichst unverletzt hervorgehen. Doch was heißt das konkret?

Eine gute Geburt

Was wünschen sich Frauen für eine Geburt? Verschiedene internationale Studien zeigen: Der Großteil aller Schwangeren wünscht sich eine normale, natürliche Geburt – auch wenn in der medialen Berichterstattung über den Trend zum Wunschkaiserschnitt häufig ein anderes Bild gezeichnet wird. So gaben etwa 96,3 Prozent aller schwangeren Frauen in einer Untersuchung der Universität Osnabrück an, auf eine natürliche Geburt zu hoffen, nur 3,3 Prozent wünschten sich einen Kaiserschnitt. Das heißt: Heutige Schwangere sind sich keineswegs zu fein zum Pressen, wie ihnen immer wieder unterstellt wird, im Gegenteil: Der Wunsch nach einer natürlichen Geburt ist groß – und die Enttäuschung, wenn die Geburt anders lief als erhofft, dementsprechend verbreitet.

Wie soll aber die natürliche Geburt ablaufen, damit sie als gute Geburt erlebt wird? Auch da haben Schwangere klare Vorstellungen: Sie wünschen sich, dass die Geburt nicht allzu schmerzhaft ist und nicht allzu lange dauert. Außerdem wollen sie sich die gesamte Zeit über sicher und gut begleitet fühlen und sich keine Sorgen um ihre eigene Gesundheit oder die ihres Kindes machen müssen. Fast alle Frauen wünschen sich außerdem, unter der Geburt nicht nur von professionellen Geburtshelfern, sondern auch von mindestens einem vertrauten Menschen begleitet zu werden. Ganz oben auf der Wunschliste dafür steht bei den meisten der eigene Partner, manche wünschen sich aber auch ihre Mutter, ihre Schwester, eine enge Freundin oder eine Doula als Geburtsbegleiterin. Nur sehr wenige Frauen wünschen sich explizit, bei der Geburt ganz alleine zu sein.

Damit der Wunsch kein Wunschtraum bleibt: Eine gute Geburt planen

Schwangere bekommen immer wieder den Tipp, ganz unvoreingenommen in die Geburt ihres Kindes hinein zu gehen und bloß keine Pläne zu machen: Nachher käme ohnehin alles anders! In diesem Rat steckt durchaus ein Funken Wahrheit: Jede Geburt ist eine Wundertüte, niemand weiß im Vorhinein genau, was passieren wird – sich da eine gewisse Beweglichkeit im Kopf und im Herzen zu bewahren, ist sicherlich keine schlechte Idee.

Doch deshalb auf jegliche Planung zu verzichten und einfach darauf zu vertrauen, dass die Geburt schon gut gehen wird, ist zumindest riskant: Schließlich gibt es leider eine Menge Frauen, die verletzt und unglücklich aus der Geburt ihres ersten Kindes herausgehen und sich wünschen, sie hätten sich vorher besser informiert und sich anders vorbereitet. Ihre Erfahrungen sollten Schwangeren keine Angst machen (denn Angst ist niemals ein guter Ratgeber), sie können uns aber durchaus sensibilisieren: Dafür, wie wichtig es ist, uns im Vorhinein in Ruhe zu überlegen, was genau uns für die Geburt wichtig ist. Und wie wir jetzt schon dafür sorgen können, es auch zu bekommen. Denn eine Geburt ist nichts, was uns einfach passiert. Eine Geburt ist eine Erfahrung, auf die wir uns vorbereiten und deren Rahmenbedingungen wir gestalten und planen können. Um uns dann fallen lassen zu können und darauf zu vertrauen, dass alles gut gehen wird.

Das Geheimnis guter Geburtsbedingungen

Spannenderweise hat die Natur nicht nur dafür gesorgt, dass wir Frauen körperlich gut durch die Geburt kommen – sondern auch dafür, dass wir die Erfahrung seelisch gut überstehen. Dafür stellt unser Körper nämlich mit Einsetzen der Geburtswehen einen ganz speziellen Cocktail aus verschiedenen Hormonen zusammen, der unsere Blutbahnen überschwemmt und beeinflusst, wie wir die Geburt erleben. Und diese Hormone haben es wirklich in sich! Sie regen die Wehen an, lindern gleichzeitig die Geburtsschmerzen, bringen uns in Trance, geben uns Energie und Durchhaltevermögen und öffnen gleichzeitig unser Herz ganz weit für den kleinen Menschen, der da kommen wird – und all das, ohne dass wir etwas Besonderes dafür tun müssten.

Klingt zu gut um wahr zu sein, und auch gar nicht nach dem, was viele Frauen von ihren Geburten erzählen. Oder? Nun ja: Diese Botenstoffe gibt es garantiert, und ihre Wirksamkeit als Wehenbeschleuniger, Schmerzlinderer, Beruhigungsmittel, High-Macher und Liebeshormon sind wissenschaftlich zweifelsfrei belegt. Die Sache hat nur einen Haken: Die natürlichen Geburtshormone können den Geburtsverlauf und das Geburtsempfinden der Frau zwar nachweislich positiv beeinflussen, das klappt aber nur unter bestimmten Rahmenbedingungen: viel Ruhe, nur dämmeriges Licht, wenig direkte Ansprache, wenig Berührungen, keine Panik. Nicht umsonst nennt der Frauenarzt Michel Odent das Hormon Oxytocin, eines der wichtigsten Hormone in diesem speziellen Geburts-Mix, ein »scheues Hormon«: Seine Ausschüttung wird durch Stress, Angst und Anspannung wirkungsvoll verhindert.

Bei den anderen Geburtshormonen sieht das nicht anders aus. In der Geschichte unserer Art war es schließlich sinnvoll, die Geburt eines Babys unter schlechten Geburtsbedingungen – etwa auf der Flucht oder in anderen hektischen Situationen – möglichst lange aufzuhalten. Gute Geburtsbedingungen hingegen waren stets geschützte Geburtsbedingungen: Wenn eine Frau im Kreis anderer Frauen im Schein des Feuers ohne Störungen von außen in Ruhe ihr Kind kriegen konnte. Kein Wunder, dass sich die wunderbaren Geburtshelfer der Natur in unseren modernen Geburtskliniken heute kaum noch blicken lassen: Dass auch helles Licht, häufige Personalwechsel und viel hektische Betriebsamkeit ein sicheres Geburtsumfeld bedeuten können, ist in unseren Körpern einfach noch nicht angekommen.

Fortschrittliche Geburtsorte setzen deshalb heute ganz bewusst auf Geburtsbedingungen, die es unseren körpereigenen Geburtshelfern leicht machen, Frauen bei der Geburt zu unterstützen: Wo wir uns sicher und geborgen fühlen, uns frei bewegen und zurückziehen können, wo das Licht gedimmt ist und Gespräche allenfalls in gedämpftem Tonfall geführt werden, und wo wir in Begleitung vertrauter Menschen sind – da lassen sie sich hervorlocken und sorgen nachweislich dafür, dass wir weniger Schmerzmittel brauchen, seltener einen Kaiserschnitt bekommen und die Geburt nacher in besserer Erinnerung haben.

Gut durch die Geburt: Wie Mütter sich selbst helfen können

Gebären heißt: Sich öffnen. Und das klappt umso besser, wenn es Frauen gelingt, trotz aller Anstrengung und aller Schmerzen nicht gegen die Wehen anzukämpfen, sondern loszulassen, mitzuarbeiten und sich ganz bewusst „aufzumachen“. Diese fünf Tricks können dabei helfen:

  1. Das Geheimnis der richtigen Atmung

Atmen üben die meisten Frauen im Geburtsvorbereitungskurs. Und kapitulieren dann trotzdem schnell angesichts der Wehenwucht. Diesen Schmerzen einfache Atemübungen entgegen zu stellen, erscheint vielen in diesem Moment als geradezu lächerlich: Ein bisschen Sauerstoff ersetzt doch kein richtiges Schmerzmittel! Oder? Sagen wir es so: Dass gutes Atmen die Schmerzen ganz verschwinden lässt, ist tatsächlich selten. Aber die Erfahrung vieler Frauen zeigt, dass gutes Atmen vorher schier unaushaltbare Wehen tatsächlich erträglich machen kann. Wenn Frauen – wie viele Gebärende – die Atemübungen aus dem Geburtsvorbereitungskurs in diesem Moment total vergessen haben, sollten sie deshalb keine Scheu haben, ihre begleitende Hebamme um Atem-Unterstützung zu bitten: Kommt man gemeinsam in den richtigen Rhtyhmus, etwa aus langsamem tiefem Einatmen und prustendem Ausatmen, wird die Geburt tatsächlich leichter.

  1. Tönen macht offen

Es soll professionelle Sopranistinnen geben, die sich in den höchsten Tönen durch die Geburt singen. Für die meisten Frauen aber gilt: Die tiefen Töne sind es, die uns durch die Wehen helfen. Dabei ist es völlig egal, ob sie im Alltag gerne singen oder nicht: Das Tönen unter Geburtswehen hat ohnehin nichts mit klassischem Gesang zu tun, sondern ist eher eine hilfreiche Strategie für uns modern sozialisierte Frauen, in die Klangwelt jener Urlaute zu finden, die Frauen seit jeher überall auf dem Globus beim Gebären helfen. Und so geht’s: Durch die Nase einatmen, kurz die Luft anhalten, ich finde ja, dass Luft anhalten nicht günstig ist. und dann durch den Mund mit einem laaaangen, gesungenen Ton auf „Aaaaaah“  wieder ausatmen. Die weite Öffnung des Mundes führt dabei unterbewusst dazu, dass wir auch an einer anderen Stelle unseres Körpers „aufmachen“ – da, wo das Baby raus soll nämlich.

  1. Die Macht der Bilder

Zugegeben: Dass Bilder in unserem Kopf das Geburtsgeschehen beeinflussen sollen, klingt etwas esoterisch. Aber es funktioniert wirklich: Stellen sich Frauen während der Eröffnungsphase eine sich öffnende Blume vor – besonders gut geht das mit einer Sonnenblume oder einer Lotusblüte da weiß immer keine Frau, was das ist. – öffnet sich ihr Muttermund tatsächlich schneller. Wieso das genau funktioniert, weiß keiner – aber die Macht solcher Bilder hat schon vielen Gebärenden geholfen.

  1. In den Schmerz atmen

Wehen können an ganz unterschiedlichen Stellen wehtun: Im Bauch, im Rücken, im Becken, in den Beinen … Wo immer Frauen die Schmerzen auch spüren – manchmal hilft es, zu versuchen, genau an diesen Ort hin zu atmen. Klingt erstmal seltsam, weil Luft natürlich immer in die Lunge geht, hilft aber wirklich: Wenn wir unsere Atmung gedanklich auf eine bestimmte Stelle unseres Körpers richten, ist sie kurze Zeit später nämlich tatsächlich messbar besser durchblutet.

  1. Die Kraft der Zärtlichkeit nutzen

Was passiert in unsrem Körper bei einem leidenschaftlichen Kuss? Die meisten Frauen kennen das Gefühl: Es „kribbelt da unten“ – die Vagina wird offen, weich und feucht. Und das ist nicht nur gut, wenn man Sex haben will. Sondern auch für eine Geburt. Was für viele Frauen erstmal befremdlich klingt, ist für die meisten Hebammen ein offenes Geheimnis: Sexualität und Geburt liegen viel näher beieinander, als wir oft meinen – und zärtliche Küsse können tatsächlich dabei helfen, die Geburt voranzubringen.

In diesem Sinne wünsche ich Dir, liebe Tamara, eine ganz wunderbare dritte Geburt!

Deine Nora Imlau

Mehr über Nora Imlau: 
www.nora-imlau.de
www.facebook.com/Imlau.Nora

Vielen Dank, liebe Nora Imlau, für das zur Verfügung stellen dieses Gastbeitrags & natürlich für die guten Wünsche & weiterhin viel Erfolg bei allem, was Du anpackst! 🙂

Buchrezension: „Das Wochenbett“

Loretta Stern, Anja Constance Gaca: Das Wochenbett. Alles über diesen wunderschönen Ausnahmezustand. Für Mütter und Väter.

Ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen, ich weiss selber nicht, wie ich so schnell sein konnte. (Hier war es schon lange und ich komme abends endlich dazu, die vielen Bücher zu lesen 😉 Vielleicht, weil es mich direkt wieder zurück versetzte in meine beiden Wochenbetten, die ich schon hinter mir habe und die aber dennoch so intensiv waren, dass man sie nicht so schnell vergisst. Beide Male waren schwierig und vieles, was im Buch vorkommt, habe ich durchgemacht: die Stillprobleme, die Dammverletzungen, die HeultageUnsicherheit, viele Hebammenbesuche, die mir gut taten, der Schlafmangel, die Tage im Pyjama verbringen, keine Besucher sehen wollen, sich aber über die besonders freuen, die eine fertig gekochte Lasagne brachten oder eine Bestellung aus der Apotheke erledigten damit ich nicht selber los musste; nach zwei Wochen jeweils auf mich allein gestellt zwischen Milchpumpe und Stillversuchen, Wundversorgung und, erst mit einem, das zweite Mal mit zwei Kindern. Die Familienhilfe, die kam, um mal sauber zu machen oder zu kochen… Die Autorinnen des Buches schrieben von einem „Abenteuer“ – das ist es wirklich. Während in anderen Kulturen das Wochenbett richtig zelebriert wird und sich die Frauen des Dorfes um die Wöchnerin kümmern damit diese rundum versorgt ist, sind hier viele allein mit sich. Ja, es gibt Ärzte, Hebammen, Still- und Mütterberaterinnen, die man anrufen/aufsuchen kann, die einem besuchen, aber niemand ist permanent da und sorgt sich ausser vielleicht die vielen Facebook-Gruppen, ja, die helfen auch… Aber der so dringend nötige und wichtige Vaterschaftsurlaub wurde bisher nicht gesetzlich verankert. Wer seine Frau daheim unterstützen und die ersten Wochen mit Baby miterleben und mit-hineinwachsen will, muss Urlaub nehmen, es sei denn er hat das Glück, in einer besonders familienfreundlichen Firma zu arbeiten.
Ja, das Wochenbett, obwohl ich die letzten beiden nie vergessen werde, verdrängt muss ich doch vieles haben denn erst beim Lesen kamen die ganzen Erinnerungen hoch. Präsent waren bei mir v.a. die Stillprobleme, die ich dieses Mal mit meiner Hebamme zusammen hoffentlich etwas mehr in Schach halten kann, dass aber die Toilettengänge anfangs eine Qual waren, dass beide Kinder beim Stillen immer sofort einschliefen, aber auch gleich wieder aufwachten, wenn ich sie hinlegen wollte, dass man noch eine ganze Weile seine Schwangerschaftsjeans trägt, weil die alten noch nicht passen – das habe ich irgendwie ausgeblendet. Insofern war es wohl gut, sich mit der Lektüre des Buches nochmals darauf vorzubereiten, was alles auf mich/uns zukommen kann… eins ist klar, dieses Mal will ich keine einzige Nacht im Spital verbringen, dort fühlte ich mich nie wohl. Mit der Maus bin ich nach 2,5 Tagen schier heim „geflüchtet“, nachdem man mir das Okay nur zögerlich gegeben hatte. Aber ich habe mein Zuhause, meine Männer soooo vermisst, keinen Tag länger hätte ich es ausgehalten alleine in diesem Zimmer, in das ständig jemand reinplatzte, in einem Haus in dem auch nachts noch Betrieb herrscht und Dich niemand schlafen lässt wenn Du endlich mal könntest…
Nun aber auch noch was zum Buch… 😉 Es ist gegliedert in „Das wichtigste Wochenbettwissen“ sowie einen Mütter- und einen Väterteil, wobei der Väterteil nur 13 Seiten aufweist, die mein Mann quer überflog. Ich finde ja, die Väter dürfen ruhig das ganze Buch lesen oder zumindest noch den Wissensteil und natürlich die Einführung über die Bedeutung des Wochenbetts.
Im Wissensteil werden alle wichtigen Themen rund ums Baby von A-Z beschrieben, was sehr hilfreich ist. Mittels Register am Schluss des Buches kann man auch selber gezielt nach Themen suchen, weshalb das Buch nicht nur als Vorbereitung auf’s Wochenbett dient, sondern auch währenddessen als Nachschlagewerk.
Im Wissensteil finden sich auch einige gute Rezepte, die man schon mal dezent seinem Mann oder der (Schwieger)mutter mitteilen kann 😉 Ganz toll finde ich darin übrigens den „Brief an den idealen Wochenbettbesucher“, den muss ich aus meiner Sicht auch mal so verfassen bevor es los geht… 😉
Die Themen im Mütter- und Väterteil sind übrigens, natürlich, fast dieselben, nur sind sie eben für die Mütter ausführlicher beschrieben. Es geht um die Verarbeitung der Geburt, wie es dem Körper und der Psyche danach ergeht, über das Stillen, über das Schaffen persönlicher Wohlfühlmomente für beide Elternteile sowie die Beziehung nach der Geburt, die sich, gerade nach dem ersten Kind, verändern wird.
Das Buch will aber keinen einschüchtern, nein, es liefert viele, wertvolle Tipps, u.a. auch, was man schon in der Schwangerschaft vorbereiten kann. Es macht Mut, seine Bedürfnisse zu äussern, Hilfe einzufordern und so das Wochenbett zu dem zu machen, was es sein sollte, nämlich Ruhe nach den Strapazen der Geburt, viel zu liegen, mal alles beiseite zu lassen, was gerade nicht so wichtig und dringend ist, und Körper und Seele Zeit zu geben, sich zu erholen und zu heilen.

Eine der Autorinnen, Anja Constanze Gaca, schreibt übrigens, gemeinsam mit ihrem Mann seit Jahren den überaus wertvollen Elternblog Vonguteneltern.de, den ich sehr schätze. Sie ist Hebamme, Still- und Laktationsberaterin und hat drei Kinder.
Loretta Stern ist eine Schauspielerin, Sängerin und Fernsehmoderatorin, die angeregt durch eigene Erfahrungen über Baby- und Kleinkindthemen zu schreiben begann.

Ich kann dieses Buch jeder Schwangeren (und dem werdenden Papa) empfehlen als Lektüre für die letzte Zeit… 🙂

„Das Wochenbett“ ist erschienen im Kösel-Verlag und u.a. hier„target=“_blank“>hier erhältlich.

Anstrengend? Fordernd? Intensiv?

Im Titel findet Ihr Attribute, die ich schon benutzt habe, wenn ich von meinen Kindern sprach… ab und an fragt dann mal jemand, warum denn meine Kinder so seien… ich habe dann mal nachgedacht… es gibt gefühlt 100 Gründe, die ich jetzt nennen könnte – begonnen damit, dass beide Kinder stets „schlechte (Ein)Schläfer“ waren und zum Teil noch sind und endend damit, dass unser Grosser hochsensibel zu sein scheint… Das sind so Fakten, die es uns Eltern manchmal nicht so einfach machen.
Trotzdem finde ich es gerade unpassend, meine Kinder anstrengend o.ä. zu nennen. Schliesslich gibt es immer zwei Sichtweisen und aus Sichtweise der Kinder sind vielleicht wir Eltern anstrengend 😉 Natürlich sind Kinder unterschiedlich, aber ich glaube nicht, dass es superpflegeleichtunkomplizierte Kinder gibt, normalintensive Kinder und extremstfordernde Kinder… ein Stück weit: ja. Aber es kommt auch immer darauf an, wie die Eltern drauf sind und damit umgehen… Ich habe mir im Laufe der Jahre eine dicke Hülle um meinen Geduldsfaden zugelegt. Der reisst nicht so schnell, es sei denn ich leide gerade mal wieder am PMS oder habe sonstwie einen zickigen Tag – kann ja mal vorkommen… Abgesehen davon habe ich manchmal ausserkörperliche Erfahrungen, während der ich mich stark über meine Geduld in gewissen Situationen wundere. Und ich bin der Meinung, dass Kinder, die von ihren Eltern einst als extrem pflegeleicht eingestuft werden, irgendwann schon aufholen und den Rebellen rauskehren 😉 War’s bei uns anders? Ich war ein ziemlich braves Mädchen (sind Mädchen eh meist 😉 aber ich kann mich erinnern, dass ich in meinen frühen 20ern rückblickend total grundlos ganz oft mit meiner Mutter gezofft habe. Nun gut, es hatte wohl mit meinem damaligen Freund zu tun, der – und das wussten meine Eltern – dem Kiffen nicht abgeneigt war und ihnen auch sonst in gewissen Dingen nicht immer ganz geheuer… tempi passati. Aber: es beweist, dass auch ich unauffälliges Kind plötzlich für argen Ärger sorgte. Über meine anderen Mankos und die Gründe dafür schweige ich mich an dieser Stelle lieber mal aus. Das Wort „Psycho„, liebevoll gemeint, höre ich ständig. So viel zu dem…

Sind jetzt meine Kinder anstrengend oder ist es nur eine Frage der Perspektive und des Umgangs mit ihren Eigenarten? Da es fast keine Vorkommnisse gibt, die nicht in anderen Familien auch passieren, würde ich sagen, wir haben hier zwei relativ durchschnittliche Kinder, die, wie andere auch, vielleicht die eine oder andere Supermacke haben, die ich aber immer, wirklich immer entweder mir oder meinem Mann zuordnen kann. Da hört er dann von mir, befindet sich der Blutdruck gerade im Steilflug, schnell mal ein eingreifendes „Du bist haargenau so!“ Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm… und legt mein Sohn mal wieder ein total abartiges Verhalten an den Tag weil X nicht so ist wie es sein soll, dann läuft bei mir ganz oft ein Film aus meiner Kindheit ab. Ich kann diese Situationen alle sofort aus irgendeiner Schublade in meinem Gehirn abrufen. Und wie Psychologen sagen, sind diese Momente, in denen einem die eigene Macke mit dem Spiegel aufgezeigt wird, diejenigen, die einen am meisten triggern…

So. Ich möchte also festhalten, dass meine Kinder zwei willens- und charakterstarke Persönlichkeiten sind, die uns auf positive Weise fordern. Und diesen Satz schreibe ich jetzt fiktiv an den Kühlschrank weil bestimmt bald wieder ein Moment kommt, in dem wir das vergessen…

Ansonsten nichts Neues hier… Alltag pur, düsteres Wetter, heute die üblichen Playdates… Am Weekend waren wir mal wieder im Kino, haben aber leider Creed verpasst, es wurde also Deathpool, recht witzig, aber auf nicht allzu hohem Niveau… bin zwar sportlich nach wie vor aktiv, hatte aber, weil ich FR-SA weg war (ihr habt das vielleicht auf meiner FB-Seite gelesen), einen kleinen Einbruch. Das selbe gilt leider auch für meine Ernährungsgewohnheiten. Ich hoffe, da die Kurve wieder kriegen zu können.
Gestern habe ich recht spontan ausgemacht, dass jemand ein Occasions-Bike für meinen Sohn zum probefahren vorbei bringt (langsam wird das alte, nur geliehene Fahrrad, zu klein und im Hinblick auf den baldigen Schulstart wäre ein Neues eh nicht schlecht). Dummerweise war mein Mann nicht zuhause, mein Sohn verliebte sich überraschenderweise und es stellte sich dann nach fachkundiger Prüfung meines Mannes heraus, dass das Bike eigentlich viel zu schwer sei für ein Kind… es ihm jetzt wieder zu nehmen, wo es ihm doch gefällt, ist natürlich auch doof… Gibt ein Mal gelbe Karte für die Mama, die dachte, hier ein tolles Schnäppchen zu machen… machen wir das Beste draus?

Dafür bekam ich diese Woche eine Overlock geschenkt und kann sie vielleicht bald mal ausprobieren, auch wenn ich gerade eine Nähflaute habe (keine Lust auf neue Projekte; aber der Sommer kommt bestimmt…)

Wünsche Euch eine schöne Wochenmitte, nette Restwoche und habt’s gut! :* 

So ist es!

Das ist übrigens das Verrückte am Muttersein und an den Kindern: Sie treiben einen in die Wahnsinn (und in die Schokoladensucht) – siehe vorheriger Eintrag – und trotzdem liebt man sie abgöttisch. Und war man mal eben ungeduldig, böse oder grob, dann bereut man es sofort und verfällt sofort in grosse Selbstzweifel. Aber das ist scheinbar normal, dass man sich für eine schlechte Mutter hält. Das Problem dabei ist: Es gibt wirklich schlechte Mütter. Das erfährt man täglich irgendwie in den Medien. Und woher weiss ist, dass ich nicht dazu gehöre? Und sind nur die Mütter gut, welche ihre (ur)eigenen Bedürfnisse völlig ausblenden? Und bin dann ich eine schlechte Mutter wenn ich mein Kind weinen, quengeln, warten lasse, weil ich grad noch ’ne Mail fertig schreiben will? Wenn ich nicht mit meinem Kind spiele, weil ich grad damit beschäftigt bin, mir was zum Anziehen rauszusuchen. Wenn ich mein Kind in den Kinderwagen packe und bei H&M Kleider ansehe? Bin ich deswegen eine schlechte Mutter? Ganz ehrlich: Ich bin da nicht über jeden Zweifel erhaben…

Grenzenlose Einsamkeit

Kennt Ihr diese Tage, an denen man nur noch heulen will? Weil man den ganzen Tag auf sich allein gestellt ist? Die Eltern nicht da oder keine Zeit haben? Der Bruder genausowenig. Und dann auch noch der Mann sagt, dass es heute Abend sehr spät wird. Und dann ist da dieses kleine Würmchen, dass ganz perplex schaut, wenn die Tränen kullern. Und man will und sollte doch für es da sein. Und will doch aber einfach nur weinen im stillen Kämmerchen. Weiterlesen

Über die Arbeit

Während meiner Arbeits-Zeit habe ich mich an den Tagen am lebendigsten gefühlt, wenn ich bis 2 Uhr nachts im Büro sass weil nach einem Tag, an dem ich mehr oder weniger ausser Haus war auf den nächsten Tag drei Zeitungsseiten gestaltet, 20 Magazinseiten zum Layout freigegeben und zwei Texte zum Gut zum Druck verschickt werden mussten. Man ist wer, man ist wichtig, wenn sogar der Chefredaktor vor einem nach Hause fährt. Natürlich geht sowas nur kurzfristig und das krasse Gegenteil, nämlich Däumchen drehen und warten, war viel häufiger der Fall. Solche Tage raubten mir völlig die Energie im Vergleich zu den erstgenannten, adrenalingeladenen Einsätzen. Und heute? Ich arbeite nicht bis 2 Uhr, nein, um 2 Uhr stehe ich bereits zum zweiten Mal auf und danach nochmals zwei mal. Als Mutter erledige ich einen 24/7-Job ohne Zvieripause und Wochenende. Ausschlafen? Was ist das? Wer bis 10 Uhr morgens im Bett liegt ist ein Schmarotzer und Tunichtgut! Oder so… Auf jeden Fall eine Belastung für die Gesellschaft, ja ja. Und jetzt das leidige Thema, ob Mütter zurück in die Mühlen sollen: Wenn sie nach der Kita-Rechnung noch Geld übrig haben, das sie brauchen um Reis und Mehl zu kaufen, dann von mir aus. Ist nicht mein Bier. Ist deren Problem, wenn sie das Wunschkind nur 2h täglich sehen und es sie erst nach drei Jahren Mama ruft, weil man ihm das so sagt. Wenn eine Mutter es für sich so zwei Tage die Woche tut, sieht es anders aus. Was ich hingegen nicht verstehe, sind Mütter, die wieder 100% in den Job zurückkehren und behaupten es wäre für sie und das Kind gut. Es ist für beide nicht gut. Auch wenn die Mutter behauptet, sich am Wochenende ganz besonders viel Zeit zu nehmen für das Kind und zufriedener sei als die ungepflegte Vollzeitmutti. Es ist purer Egoismus, mehr als nötig zu arbeiten. Mutterschaft aber ist zu 99% Altruismus. Man muss so gut wie allem entsagen, was man vorher hatte. Man lebt plötzlich in Ego-Askese. So muss es eine Weile lang eben sein. Das Leben kommt dann schrittweise wieder zurück. Ich war und bin noch nicht wirklich bereit, mich so aufzugeben. Niemand hat mich darauf vorbereitet. Und deshalb ist es so schwer, wenn man zum ersten Mal Mutter wird. Deshalb ist dieser Job der härteste von allen. Weil es an die Substanz geht, wenn dein Kind weint und weint und du es nicht beruhigen kannst. Es trifft dich ganz tief in deiner Seele. Und du existierst nur noch, um dieses kleine Wesen zu versorgen. Aber es hätte auch nichts genutzt, wenn mir das jemand gesagt hätte, denn wer glaubt das schon? Wie auch immer: Mütter die arbeiten gehen, flüchten ins kleinere Übel. Respekt vor denen, die sich der Vollzeit-Beschäftigung als Mami stellen. Sie werden zu richtig starken, belastbaren Frauen, die nachher keiner mehr anstellt. Seltsame Welt…