Still Single, Mama, 45, allein, aber nicht einsam

Sind Single-Frauen glücklicher?

Still Single – warum ich mit 45 lieber alleine bleibe

„Wieso bist du eigentlich immer noch Single?“ wurde ich kürzlich gefragt. Ich musste zuerst nachdenken, ob ich das als Kompliment einordnen kann. Meine Antwort kam aber schneller: „Ich habe einfach keine Ressourcen für einen Partner.“ Aber zuerst müsste ich überhaupt erst einen finden.

Vor Jahren schrieb ich hier, dass der Papa der Kinder und ich uns getrennt haben und seitdem eine Eltern-WG leben. Und das hat sich tatsächlich bis heute nicht geändert. Während ich hier schreibe, liest er mit der Kleinen ein Buch.

Er hat ja seit unserer Trennung eine Partnerin. Ich beneide ihn nicht darum. Mein Partner ist der Sport. Und diese Beziehung gibt mir nicht nur genug, ich kann sie auch so gestalten wie (und wann) ich will. Naja, klar, ich bin dabei schon etwas abhängig, zeitlich gesehen, Aber das sind wir Eltern doch alle.

Anyway: der Sport bedeutet mir sehr viel und nebst Jobs, Kindern, Katzen und Haushalt schätze ich auch ein klein wenig noch die Me-Time. Und deswegen kommt es mir nur ganz, ganz selten in den Sinn, das klein wenig Zeit, dass da noch übrig bleiben könnte, mit einem Mann zu teilen.

Sehnsucht gibt es selten

Klar, es gibt Momente, da sehne ich mich nach etwas mehr Nähe und Körperkontakt. Oder nach einem ebenbürtigen Partner auf Augenhöhe, der mich unterstützt und mit dem ich meine sportlichen Hobbies teilen kann. Oder mal ins Kino. Aber diese Momente sind wirklich selten.

Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass ich gut alleine klar komme. Aber so alleine bin ich ja auch nicht. Schliesslich sind fast rund um die Uhr Menschen um mich: meine Kinder, meine Arbeitskollegen, meine Sportkollegen. Oder unsere Fellnasen. Sind für mich schliesslich auch ganz vollwertige Lebewesen.

Und deswegen geniesse ich es eigentlich die meiste Zeit auch sehr, alleine zu wandern, Rad zu fahren, zu laufen, zu schwimmen etc. Nennt mich eigen, aber ich kann so viel spontaner entscheiden, mein Tempo gehen, Podcast hören etc.

Online-Dating? Nein, danke

Diese Zeit mit mir allein gibt mir viel Energie und danach komme ich auch gerne zurück nach Hause und geniesse einfach mein Heim und meine Liebsten. Ich habe überhaupt kein Bedürfnis danach, auszugehen, „unter Menschen“ zu gehen, auf Veranstaltungen.

Ja ganz im Gegenteil: ich meide sie sogar. Auch wenn das Möglichkeiten wären, jemanden kennenzulernen. Für mich wäre es vor allem eins: etwas, das viele Ressourcen verbraucht.

Ab und zu überkam es mich und ich swipte mich durch die einschlägigen Apps. Aber jedes Mal war ich danach total enttäuscht, so dass ich diese nicht mehr nutze. Das ist den Zeitvertreib nicht wert. Online-Partnervermittlung? Nein.

Ich will keinen „Restposten“

Das zeigt mir auch eins: so verzweifelt kann ich gar nicht sein, sonst würde ich mich da längst anmelden. Zudem habe ich das Gefühl, dort eh nur auf „Restposten“ zu treffen. Seien wir ehrlich: ich bin 45. Ich hätte gerne einen etwa Gleichaltrigen oder eher noch jüngeren Mann.

Die meisten in diesem Alter sind aber entweder noch mitten im Familienleben oder kinder- und perspektivlos. Oder eben: in einer glücklichen Langzeitbeziehung. Denn wer wird als Mann im Alter von 40 Jahren nach langer Beziehung plötzlich gedumpt?

Meine Vermutung: entweder einer, der ständig fremd ging (und den will ich dann auch nicht) oder einer, der mitten in der Mid-Life-Crisis steckt (ist vermutlich jetzt auch nichts Solides). Aber wer weiss, vielleicht werde ich ja noch eines besseren belehrt.

Bin ich zu anspruchsvoll?

Denn ich könnte jetzt behaupten: ein 40-Jähriger Dauersingle hat ziemlich sicher mehrere Haken. Dasselbe könnte man von mir auch behaupten. Böse Zungen würden sicher sagen: die ist zu anspruchsvoll. Oder: die ist komisch drauf, lebt noch im selben Haus wie ihr Ex.

Dazu kann ich nur sagen: in meinem Alter gibt es keine Kompromisse mehr. Da halte ich es mit der lieben Maria Schalo: „Er muss mein Badewasser saufen!“ Und das heisst nicht, dass er mir hörig sein muss.

Meine Liste an Bedingungen an einen potentiellen Partner ist auch gar nicht so lang: er muss attraktiv sein für mich, ich muss mit ihm über alles reden können (d.h. er sollte sowohl intellektuell als auch emotional auf einem bestimmten Niveau sein) und er sollte auf eigenen Beinen stehen.

Mit „eigenen Beinen“ meine ich so viel wie, dass er sein Leben im Griff hat, weiss, was er will und sein Dinge durchzieht. Ich will keinen, der nur an mir hängt. Denn, wie ich oben bereits klar gemacht habe: ich habe nicht viel Zeit. Ach ja: ein fettes Plus hat ein Mann, wenn er gut und gerne kocht und Arbeit im Haushalt sieht.

Family first

Last but not least muss er natürlich mit meiner Familiensituation klarkommen und dazu bereit sein, meine Kinder anzunehmen (sollten sie IHN nicht annehmen wollen, ist er vermutlich eh der Falsche).

Und damit bin ich offenbar gar nicht so alleine. Nicht nur in meinem Umfeld erlebe ich immer mehr Frauen, die überhaupt keine Eile haben, ihren Beziehungsstatus zu ändern. Auch Untersuchungen zeigen: Single-Frauen sind mit ihrem Beziehungsstatus im Durchschnitt zufriedener als Single-Männer und verspüren weniger stark den Wunsch nach einer Partnerschaft.

Glücklich ohne Partner

Besonders spannend finde ich Zahlen des Pew Research Centers: In einer Befragung wollten 71 Prozent der Single-Frauen über 40 aktuell weder eine Beziehung noch Dates. Als Gründe nennen Singles unter anderem wichtigere Prioritäten – oder ganz simpel: Sie sind gerne Single.

Und irgendwie fühle ich das sehr.

Vielleicht ist genau das der Unterschied zu früher: Ich bin nicht Single, bis ich wieder einen Partner finde. Ich bin Single. Punkt. Und sollte irgendwann jemand auftauchen, der mein Leben tatsächlich bereichert, statt darin noch einen weiteren Platz auf meiner To-do-Liste zu beanspruchen, darf er gerne bleiben.

Bis dahin bleibe ich lieber alleine als mit dem Falschen.

 

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