„Wo Liebe ist, ist Familie“

Unser heutiges Familieninterview dreht sich um einen kompletten Mädelshaushalt, nämlich eine Familie mit zwei Mamas. Choeden (37), Désirée (35) und die Töchter Norlha (5.5j) und Sonam (3j) leben in Winterthur. Die liebe Désirée kenne ich aus diversen Facebook-Gruppen da sie, so wie ich, Trageberaterin ist. Ich freue mich sehr, dass sie sich im Rahmen meiner Interview-Serie meinen Fragen stellte 🙂 Weiterlesen

„unerzogen“ – Missverständnisse & Versuch einer Annäherung

Eins vorweg: das Wort „unerzogen“ ist unglücklich gewählt. Es erinnert zu sehr an „ungezogen„. Aber der Begriff hält sich für diese Haltung. Man könnte das Ganze einfach von der anderen Seite betrachten und sich mit dem Begriff „Erziehung“ auseinandersetzen, der von „ziehen“ kommt. Im Sinne davon, das Gefühl zu haben, man müsse sein Kind in eine bestimmte Richtung ziehen, es formen… aus Mangel an Vertrauen daran, dass unsere Beziehung zum Kind zentral ist. Dass diese und unser Vorleben wichtiger ist und das „Ziehen“ eigentlich überflüssig macht.

Über einen Beitrag, den ich gestern auf Facebook entdeckt habe, komme ich nun endlich dazu, über das Thema zu schreiben.
Ich weiss nicht, wann ich das erste Mal von „unerzogen“ gelesen habe, aber ich fand es spannend und las mich ein wenig ein. U.a. bei Alfie Kohn und natürlich in diversen Blogs (z.B. hier) und Facebook-Gruppen. Eine Zeit lang hatte ich auch das Magazin dazu im Abo, wofür übrigens auch der Kinderarzt und Autor Herbert Renz-Polster ab und zu schrieb – er dürfte ein Begriff sein. Auch Katia Saalfrank schlägt in dieselbe Kerbe. Die Ansätze von Jesper Juul und seinem familylab ebenso. So viel zum Thema namedropping, aber es geht mir in erster Linie mal darum, kurz aufzuzeigen, dass die Haltung, sein Kind nicht erziehen zu müssen nicht irgendein neumodischer Spleen ist. Für mich ist „unerzogen“ die logische Weiterführung der von Geburt des Kindes an gelebten, bindungsorientierten Elternschaft, des Attachment Parenting, das sich bei vielen mit Babys und Kleinkindern unterdessen sehr gut etabliert hat.
Um nochmals zum Beitrag zurück zu kommen… er wurde auf mehreren Seiten geteilt und die Kommentare darunter waren zum Teil negativ und zeigten auf, dass der Beitrag teils nicht ganz gelesen oder auch einfach nicht verstanden wurde. Leider war der Titel etwas irreführend. Es ging um Körperpflege bei Kindern und der Titel stellte in Frage, ob waschen, Zähne putzen etc. sein müsse. Natürlich meldeten sich, ohne zu lesen, zig Mütter zu Wort (und ich rede jetzt gar nicht von meiner Facebook-Seite, sondern von den anderen, wo ich den Artikel auch her habe), die schwarz sahen vor lauter Karieslöchern, Coli-Bakterien und fettigen Haaren. Dabei war das gar nicht die Aussage des Artikels. Die Autorin selber hat 4 Kinder, die sich regelmässig waschen und Zähne putzen. Aber sie wollte klar machen, dass sie gegen physische und psychische Gewalt ist, um die Körperhygiene durchzusetzen, also Zwang, Erpressung oder Schwitzkasten beispielsweise. Im Hinterkopf hatte sie wohl die vielen „Kämpfe“, die manche Eltern tagtäglich mit ihren Kindern haben, um sie eben zum Zähneputzen oder Haarewaschen zu bewegen. Sie ist dafür, dass man diese Dinge einfach vorlebt und sich Lösungen überlegt, welche die Grenzen der Kinder nicht überschreiten.
Und weil sie von einer „gleichwürdigen“ Behandlung und „auf Augenhöhe“ sowie „Befürfnisse vereinbaren“ sprach, kamen sofort Protestrufe, die, das Ganze völlig missverstanden: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!“ Oder „Wer ständig nur die Bedürfnisse der Kinder erfüllt, zieht kleine Tyrannen heran!“ Darum geht es aber eben nicht!

Gleichwürdig heisst nicht gleichwertig

Bedürfnisse vereinbaren, heisst, auf die Bedürfnisse aller zu achten und Kompromisse zu finden

Und dann kommt oft das Beispiel, das immer kommt, so wie das Amen in der Kirche:
„Lässt Ihr das Kind denn einfach über die Strasse laufen wenn ein Auto kommt!?“
Natürlich nicht! Denn…

unerzogen heisst nicht antiautoritär oder laissez-faire
Weder werden die Kinder sich selbst überlassen, noch vernachlässigt.

Es geht um…

Beziehung, anstelle von Erziehung

Ich verweise an dieser Stelle auf diesen Beitrag, weil er mit vielen Missverständnissen aufräumt.

„Ach, die Kinder dürfen also immer alles selber entscheiden?“

Nein. Wie bereits oben erwähnt, werden sie nicht gleichwertig wie Erwachsene behandelt. Sie dürfen entscheiden, aber aus der Auswahl, die ich ihnen, der Situation entsprechend, mache. Wenn der Grosse keine Nudeln will, darf er sich nicht die Schokolade holen. Aber er kann ein Brot oder ein Joghurt haben – als Beispiel.

Oft heisst es auch: „Unerzogen? Das ist wohl für faule Eltern!

Mitnichten! Wer die Bindung und die Bedürfnisse ins Zentrum stellt, der führt u.a. Diskussionen, muss kreativ sein, Zwischenwege finden.
Leider falle auch ich viel zu oft zurück in ein altes, jahrelang von überall her geprägtes Muster und höre mich Erpressungen aussprechen: „Wenn Du nicht… dann…“ Davon will ich wegkommen. Ich hasse es. Ich hasse es. Mein Sohn hasst es auch, klar. Die Bindung zwischen uns geht in solchen Momenten sofort flöten – klar. Es ist der einfache, schnelle Weg, etwas zu erreichen wenn ich tatsächlich zu faul bin, um mich mit der Situation auseinander zu setzen und andere Lösungen zu finden. Ich muss dann aber nur in sein Gesicht sehen, in dieses enttäuschte, hilflose Gesicht und schon bereue ich es extrem. Natürlich muss mein Kind mich nicht immer mögen, aber würde ich ständig erpresst werden wollen!? Nein! Und ich will auch mein Kind nicht ständig in diese doofe Lage bringen. Es muss auch anders gehen. Aber genau das ist eben nicht einfach. Es setzt voraus, dass ich mich reflektiere, mir Dinge bewusst mache, mich mit mir und meinem Kind auseinandersetze. Es gibt Tage, da klappt das und es gibt Tage, da geht das einfach im Alltagsstress unter und ich bin dann abends alles andere als stolz auf mich.

Ist unerzogen das Nonplusultra? Unerzogen ist eine Haltung, es ist keine Anleitung, die man als Buch kaufen kann und kein Patentrezept. Ich will hier weder missionieren, noch „Werbung“ machen dafür, denn jeder findet „seinen“ Umgang in der Familie und bei mir hört das Finden und Lernen eben nie auf. Man kann sich informieren, sich durchlesen und das herausholen für sich, was für einen stimmt, was passen könnte. Das tue ich auch, regelmässig. Ich würde mitnichten behaupten, wir wären hier frei von Erziehung. Nein, leider überhaupt nicht. Auch wir handeln oft übergriffig, überschreiten Grenzen, üben Druck aus, machen Fehler (in meinen Augen) und merken es dann mittendrin vielleicht gerade noch; wie schon erwähnt: oft fehlt einfach die Zeit oder die Energie, um nicht in alte Muster zu verfallen. Aber jedes Mal wenn es mir gelingt, das eben zu verhindern, gewinnt etwas: nein, nicht das Kind, sondern unsere Beziehung. Und die ist mir sehr wichtig…

Es ist wahrscheinlich keine drei Jahre her, dass ich noch sehr oft total an den Anschlag kam und beinahe meine Nerven verlor. Vielleicht liegt es daran, dass die Kinder grösser wurden, vielleicht aber auch daran, dass ich geduldiger wurde oder eben auch daran, dass ich mich viel intensiver mit allem auseinandersetze, mein Handeln hinterfrage, die Situation genauer betrachte und nicht einfach blindlings lange eingeprägte Sätze von mir gebe…

Ich weiss, das ist alles schwer greifbar, wenig konkret und niemand hat die Weisheit für sich gepachtet, wie man mit Kindern umgeht oder eben nicht. Ich am wenigsten… Es ist ein für uns alle kein einfacher Weg, den wir finden müssen. Aber das hat auch keiner behauptet 😉

Und nochmal: ich will hier niemanden überzeugen, es war mir einfach ein Bedürfnis, nach den gestrigen Erfahrungen, den vielen Kommentaren, die ich hier und dort mitbekommen habe, aufzuräumen mit den vielen Missverständnissen und ich hoffe, das ist mir gelungen… und ob so oder so – fragen dürft Ihr immer! 

Buchrezension: „Geborgen wachsen“ von Susanne Mierau

Susanne Mierau dürfte vielen Lesern bekannt sein. Sie betreibt seit Jahren den erfolgreichen Blog „Geborgen wachsen“, aus dem auch der Buchtitel entlehnt ist. In ihrem Blog berichtet sie aus ihrem Familien- und Berufsalltag und greift regelmässig Themen einer bedürfnis- und bindungsorientierten Erziehung auf. Weiterlesen

Über Bindungen, Familie, Beziehungskonzepte

Manchmal bringt mich etwas zum Nachdenken und ich muss das dann irgendwie niederschreiben. Der Sinn vom Bloggen, ne? So wie heute morgen als ich von einer (erst flüchtig) Bekannten erfuhr, dass sie, ebenfalls eine Mutter zweier Kinder im ähnlichen Alter, schon seit einer Weile vom Vater der Kinder getrennt lebt. Ich weiss, das ist kein Neues Thema, Worte wie „Patchwork-Familie“ oder „alleinerziehend“ schon relativ „alt“, aber dennoch… sie ist bei weitem nicht die einzige Mutter, die ich kenne, die nicht mehr mit dem Kindsvater zusammen lebt. Ich kenne einige. Solche, die bereits in der Schwangerschaft vom Vater verlassen wurden, einige trennten sich danach, weil er oder sie fremd ging oder einer keine Lust mehr hatte… Die Mutter, die ich heute traf, trennte sich nicht unüberlegt. Es ging keiner fremd, die Luft war wohl einfach raus. Man will nicht immer fragen, man kennt nie die ganze Situation, in welcher Familien stecken und schon ganz selten kennt man beide Seiten. Und ich kenne auch (kinderlose) Ehen, in denen nach vielen Jahren der Wurm drin steckt, man sich aber dennoch entschliesst, zu kämpfen, eine Therapie zu machen etc.
Wenn keine Kinder im Spiel sind, dann denke ich, ist es relativ unkompliziert. Natürlich tut es weh, dem einen vielleicht mehr als dem anderen, aber in der Regel ist ein Ende mit Schrecken besser für beide als ein Schrecken ohne Ende…
Ist heute die Trennungs- und Scheidungsrate hoch, so war das „Aufgeben“ in früheren Generationen nicht nur relativ tabu sondern auch fast unmöglich, da man abhängig voneinander war. Die klassische Rollenteilung hielt Familien zusammen. Aber waren die Menschen dadurch glücklicher oder treuer? Wohl auch nicht, zumindest nicht alle. Es gibt ja doch immer wieder Paare, die es schaffen, jahrelang glücklich zu sein miteinander.
In der heutigen Zeit, in der Männer und Frauen immer selbstständiger sind, oft auf Achse, mit vielen Menschen in Kontakt, beruflich wie auch in der Freizeit, ist es definitiv schwieriger, bei auftretenden Unstimmigkeiten nicht gleich das Handtuch zu werfen… zumindest dann, wenn man keine gemeinsamen Kinder hat… zwar sehnen sich wohl die meisten Menschen nach Beständigkeit, nach einer festen Beziehung, jemandem, der zuhause auf einen wartet… keiner ist gerne lange alleine. Und doch ist man heute weniger „sesshaft“. Berufliche Wechsel, viele Reisen, man ist mobil, hat durch die sozialen Netzwerke auch viele Kontakte, die nicht nur eine Tür weiter wohnen… wir werden heute auch verwöhnt mit einer Vielzahl an Möglichkeiten. Konsum, Sport und Freizeit, Reisen, Bildung… warum da jahrelang den selben Partner haben? Es gibt so viele, (nette) Menschen, es lockt also auch die Abwechslung oder auch einfach: der Wunsch, begehrt zu werden, etwas für’s Selbstbewusstein…

Ich denke, es ist heutzutage eine grosse Herausforderung, Beziehungen aufrecht zu erhalten und zu pflegen und auch bei Krisen nicht aufzugeben.
Ich denke auch, dass es Mut braucht, einen Schlussstrich zu ziehen, wenn es nicht mehr geht, wenn es nur noch eine Belastung ist, wenn man nach erfolglosen Versuchen, zusammen zu bleiben, gemerkt hat, dass es besser ist, sich zu trennen.

Wenn Kinder im Spiel sind, wird zurecht länger gezögert, sofern nicht grosse, seelische Verletzungen im Spiel sind, ein Vertrauensmissbrauch, der nicht so schnell wieder gut zu machen ist. Für viele ist das ein Grund, noch über Nacht mit Sack und Pack zu fliehen. Andere geben eine zweite Chance… Schlussendlich wird man sich nie, bei niemandem, hundertprozentig sicher sein, weil kein Mensch berechenbar ist.
Wenn Kinder im Spiel sind, verkompliziert das alles. Man stellt zwangsläufig ihr Leben auf den Kopf. Es stehen die Bedürfnisse mehrerer Menschen im Raum und es gilt, diese irgendwie zu vereinen, wobei diejenigen der Kinder absolute Priorität haben. Ich habe auch hier bei einer Freundin miterlebt, wie lange dieser Prozess dauern kann, wie intensiv er sein kann und wie schwierig und schmerzhaft…
Wir wollen unseren Kindern so viel wie möglich ersparen. Wir wollen nicht, dass sie leiden, wollen sie nicht aus ihrer Komfortzone reissen. Nur manchmal geht es nicht anders…
Ich wünsche es keinem, so etwas durchmachen zu müssen. Ich schicke jedem viel Kraft, der es durchziehen muss. Ich wünsche mir für meine Familie, nie eine solche Entscheidung treffen zu müssen, auch wenn mir bewusst ist, dass es nicht immer einfach ist. Manchmal viel Nerven strapaziert werden, Verletzungen geschehen und man nicht den 5er und das Weggli haben kann. Ich bin mir bewusst, dass sowohl ich als auch mein Mann oft auf die Zähne beissen müssen. Kinder zu haben, ist eine Herausforderung, nicht nur eine individuelle sondern auch eine für die Beziehung. Man kann nicht erwarten, dass diese unverändert bleibt. Und sind die Kinder noch so „ring zu haben“… Keine Kinder zu haben, kann mit der Zeit aber auch eine Herausforderung werden. Auch hier kenne ich ein Paar, das nach vielen (ungewollt kinderlos gebliebenen) Ehejahren für das Zusammenbleiben kämpft. Da war man jahrelang Seite an Seite, war füreinander da, meisterte viele Herausforderungen, kennt sich in- und auswendig (vielleicht zu sehr) und irgendwann bleibt die Anziehung auf der Strecke. Man begehrt sich nicht mehr. Jahrelang die gleiche Person an der Seite… es ist klar, man steht sich emotional nah, man fühlt sich geborgen, versteht sich ohne Worte, man lebt eine intensive Freundschaft. Eigentlich will keiner ohne den anderen sein, weil man den anderen vermissen würde, die Familie, die man hat, auch nur zu zweit; undenkbar, sie aufzulösen… Hier muss jedes Paar für sich entscheiden (und gottlob nur für sich und nicht auch noch für die Kinder), was es aus der Situation macht. Will man einen Neuanfang für beide (sich und auch seinem so geliebten Partner eine neue Chance geben) oder ahnt man, dass man nach ein paar Jahren wieder am selben Punkt ankommen könnte und darum lieber beim Vertrauten bleibt, wenn auch ohne das Prickeln, das man ganz am Anfang spürt? Einfacher fiele die Entscheidung, wenn sich die Partner auseinandergelebt haben, sich die Interessen verschoben haben, man sich nichts mehr zu sagen hätte…
Wie könnten menschliche Beziehungen in 20, 50 Jahren aussehen? Verliert die Ehe immer mehr an Bedeutung? Wird sie noch existieren? Wird sie anders umrissen werden? Werden neue Beziehungsformen etabliert? Sind offene Beziehungen ein Thema? Oder nach wie vor eine marginale Erscheinung, da sich selten beide Partner gleichermassen dafür begeistern können… was verständlich ist, da immer ein Risiko besteht, dass jemand sich zu einem anderen Partner mehr hingezogen fühlen wird und die Beziehung beendet.
Ein Patentrezept gibt es wohl nicht. Solange es Menschen gibt, wird es Beziehungen geben, werden Bindungen aufgebaut und wieder gelöst… denn anders können wir nicht leben. Aber der Spruch „bis dass der Tod uns scheidet“, der wird wohl mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Zum einen, weil die Menschen immer älter werden, zum anderen, weil sich kaum mehr einer auf die Ewigkeit festlegen will…

Wie denkt Ihr darüber? 

 

Buchrezension: „Vater Mutter Staat“ von Rainer Stadler

Das Thema ist leider ein ziemlich heisses Eisen. Kinderbetreuung. Oder, wie es Rainer Stadler formuliert: „Betreuungspropaganda“. Der Untertitel seines Buches deshalb auch: Das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung – Wie Politik und Wirtschaft die Familie zerstören.
Diese Rezension ist, eher unüblich, mehr eine (Achtung!) laaaange Folge an Zitaten aus dem Buch. Ich fand vieles so wichtig und habe mir allerhand angestrichen und gebe das hier auch relativ ungefiltert wieder. Ihr habt somit einen guten Überblick darüber, was Euch beim Lesen erwartet. Urteilen müsst Ihr selber, meine Meinung werdet ihr aber spüren. Eine Bitte aber: bevor Ihr kommentiert, lest den ganzen Text. Danke!

Ich habe mich schon des Öfteren mit meiner Einstellung weit zum Fenster herausgelehnt. Weil ich der Meinung bin, dass ein Baby/Kleinkind nicht mehrheitlich fremdbetreut werden sollte, sondern in der Familie u/o bei einer Betreuungsperson, die nicht ständig wechselt. Manche Mutter, die nach der Geburt bald wieder zurück in den Beruf wollte oder musste, fühlte sich dadurch angegriffen. Darum geht es jedoch nicht, sondern um die Politik/den Staat (im Buch ist im Besonderen der deutsche Staat gemeint), der frischgebackene Eltern schon fast dazu zwingt, das Kind in die Fremdbetreuung zu geben, um möglichst rasch wieder Dienst in der Wirtschaft zu leisten. Die Bedürfnisse der Kinder sind dabei nicht relevant. Gut ausgebildete Mütter (und Väter), die ihre Zeit mit „Elternzeit“ verplempern, sind vergeudetes Humankapital. Es wird alles unternommen, um den „Störfaktor“ Kind „outzusourcen“ und die Müttererwerbsquote zu steigern. Das ist die Kernaussage des vorliegenden Buches und es sollte uns alle anregen, darüber nachzudenken. Kinder sind die Zukunft, heisst es immer. Kinder sind heute in aller Regel Wunschkinder. Es werden weniger Kinder geboren, die aber sind im höchsten Grade erwünscht. Wer heute Kinder bekommt, der bekommt sie nicht als Anlage für die Rentenzeit, sondern um mit ihnen Zeit zu verbringen, sie aufwachsen zu sehen. Aber nicht jeder unterstützt das. In der Schweiz muss eine Mutter 16 Wochen nach der Geburt wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, wenn sie das denn beabsichtigt hat. 16 Wochen! (In der USA sogar nur 12) Das ist nicht einmal die Dauer der von der WHO empfohlenen Vollstillzeit (rund 6 Monate oder länger). Mit ein Grund, weshalb der Umsatz mit Milchpumpen weltweit bei einer halben Milliarde Euro liegt, Tendenz leicht steigend. Männer erhalten übrigens kaum mehr als 1-2 läppische Tage Urlaub nach der Geburt ihres Kindes.
Deutschland schlägt in dieselbe Kerbe. Stadler zitiert einen „Wirtschaftsweisen“ wie folgt: „Einer Entwertung von Humankapital aufgrund der Unterbrechung der Erwerbstätigkeit kann entgegengewirkt werden, wenn diese Unterbrechung möglichst kurz gehalten wird.“

In Deutschland wird für jedes Kind ein Krippenplatz garantiert, ohne zu fragen, ob die Eltern den überhaupt in Anspruch nehmen wollen. Und die Qualität sei dahingestellt, wenn es vor allem um Quantität geht…
Es ist nichts daran auszusetzen, dass Eltern, Mutter wie Vater, nach der Geburt ihre Erwerbstätigkeit fortsetzen. Im Gegenteil, es ist natürlich nötig. Die Frage ist nur, wann und wieviel? Die ersten drei Lebensjahre sind prägend für ein Kind und es ist für sein Urvertrauen und seine seelische Konstitution wichtig, dass es in diesen Jahren einen Grossteil seiner Zeit in einem familiären und konstanten Umfeld verbringt. Das heisst nicht zwingend, dass die Mutter zuhause bleiben muss! Jede Familie wird hier individuelle Lösungen finden und immer mehr sind die Arbeitgeber hier gefragt, auch Männern mehr Teilzeitstellen anzubieten, denn die Väter wollen zunehmend eine Rolle im Leben ihrer Kinder spielen und nicht nur „Feierabendpapa“ sein.
Stadler: „Längst müssten sich auch die Männer fragen, ob sich ihre Karriere noch mit der Familie vereinbaren lässt, gerade wenn ihre Frauen ins Berufsfeld drängen.“ Womöglich wäre ein Modell, das Teilzeitarbeit mütter- und väterlicherseits vorsieht, viel weiter verbreitet, wenn Frauen nicht „flächendeckend schlechter bezahlt würden als Männer.“ Wenn die Politik wirklich einen ernsthaften Beitrag zur Vereinbarkeit leisten wolle, müsse sie die Bedingungen für eine Arbeitswelt schaffen, die es beiden Elternteilen ermöglicht und sie auch ermuntert, weniger zu arbeiten und die Kindererziehung untereinander aufzuteilen. Davon allerdings sei die moderne 24h/7-Tage-Ökonomie Lichtjahre entfernt.
Statt „familienfreundliche Arbeitsplätze“ zu schaffen – und zwar nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer, damit auch sie länger bei ihren Kindern bleiben können –, übt die Wirtschaft einseitig Druck auf die Frauen aus. Frauen, die berufliche Ambitionen haben, sind damit explizit aufgefordert, das Hindernis Kind zu beseitigen und an den Arbeitsplatz zurückzukehren“, so Stadler. Dabei müsste eine „Politik, die sich als familienfreundlich bezeichnet, alles tun, um Frauen den beruflichen Wiedereinstieg zu einem Zeitpunkt zu ermöglichen, den sie nach den Bedürfnissen der Familie wählt – und nicht, wenn ihn die Wirtschaft wünscht.“
Und auch: „Die moderne Arbeitswelt fordert den möglichst uneingeschränkt mobilen und verfügbaren Menschen, (…) idealerweise ohne familiäre Bindung. Unterm Strich ziehen also Eltern immer den Kürzeren.“
Das sogenannte „kapitalistische Modell“ sehe einen Menschen vor, der sich durch grösstmöglichen Konsum und grenzenlosen Einsatz in der Arbeit selbst verwirkliche. Familie dagegen bedeute Verzicht und gegenseitige Rücksichtnahme, Treue und Verlässlichkeit und stelle damit eine Gegenwelt dar zu totaler Selbstständigkeit, gegenseitiger Unabhängigkeit und bedingungsloser Selbstverwirklichung – dem Ideal westlicher, marktliberaler Gesellschaften.

Was für mich ein No go ist, sind ein Vater und eine Mutter, die beide zu je 100% arbeiten und das Kind derweil in der Kita betreuen lassen. Da stellt sich mir dann einfach die Frage, warum man Eltern werden wollte. Im Alter von vier Jahren tritt (zumindest in der Schweiz) die Schulpflicht ein und das Kind verbringt schon einen grossen Teil seiner Zeit im Kindergarten. Ungefragt.
Und ich will die Kita keineswegs generell schlecht machen, denn auch meine Kinder haben jeweils zwei Halbtage in der Kita verbracht. Die Kleine ab 8 Monaten. Und obwohl ich mehr als zufrieden mit „unserer“ Kita und den Betreuerinnen hier bin, glaube ich nicht, dass eine Kita für ein Baby/Kleinkind eine adäquate Einrichtung für eine Vollzeitbetreuung ist, also während 5 Tagen die Woche 8 Stunden täglich. So sieht es auch Rainer Stadler: Es gibt kaum Rückzugsmöglichkeiten (Reizüberflutung), wechselnde Betreuerinnen, die den Aufbau einer verlässlichen Bindung verhindern, ein durchstrukturiertes Programm, das nur wenig Freiraum lässt (Anm. von mir: das kommt wohl auf die Art der Kita an); ein Zusammensein mit Kindern, die man sich nicht aussuchen kann (Experten sagen, dass zwischen Kindern einer Krippengruppe kaum nennenswerte Beziehungen entstehen). Die meisten Forscher halten übrigens einen Aufenthalt von maximal vier Stunden pro Tag für unbedenklich.
Eine intakte Bindung aber ist die Basis für eine funktionierende Bildung und alle sozialen Kompetenzen. Gerade in unserer Leistungsgesellschaft brauchen Kinder ein sicheres Fundament. Soziale und emotionale Defizite sind leider an der Tagesordnung, wenn Kinder zu früh und zu häufig (viele Stunden täglich) fremd betreut werden. Diese Kinder sind häufiger krank und später oft aggressiver und widerspenstiger – eine Folge der erheblichen und chronischen Stressbelastung. Es gibt Kinder, für die passt es, aber für die Mehrheit eben nicht. Ein Viertel der Kinder, die schon früh ganztags betreut wurden, zeigten laut einer Studie im Alter von vier Jahren „ein Problemverhalten, das dem klinischen Risikobereich zugeordnet werden muss“. Und in der DDR galt bei Psychotherapeuten laut Stadler Krippenerziehung schon fast als Diagnose.
Übrigens brauchen laut Stadler nicht nur die Kinder die Nähe zu den Eltern, das Bedürfnis besteht auch umgekehrt. Die Trennung der Eltern von ihren Kindern führe leider dazu, die Kompetenz zu verlieren, die eigenen Kinder zu behüten und grosszuziehen. So bestätige z.B. eine Studie, dass die Harmonie der Mutter-Kind-Interaktion in dem Mass abnimmt, wie das Kind ausserhalb der Familie betreut wird. Und von der Nähe zum Kind profitieren nicht zuletzt auch die Väter.

Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, so erinnere ich mich an eine freie Kindheit. Ich durfte zuhause sein, dort, wo es für mich am schönsten war. Meine Mutter war immer da (es hätte auch der Papa sein können). Auch als ich zur Schule kam, war ich frei. Ich streunte oft durch die Gegend, allein oder mit Freunden, im Wald, auf dem Schulhof, durch die Wiesen, im Garten. Wenn wir Hunger hatten, liefen wir nach Hause und fragten nach einem Zvieri. Hatten wir keine Lust mehr, draussen rumzurennen, zogen wir uns auf’s Zimmer zurück. Und um 18 Uhr wurden wir zum Essen gerufen. Einen Hort gab es da noch nicht, in dem die Schulkinder „verwahrt“ wurden. Unser Leben spielte sich draussen ab, ohne Aufsicht. Und ich habe nur die besten Erinnerungen daran. Woran werden sich die Kinder erinnern, die ganztägig unter Aufsicht sind? Gut betreut, aber relativ unfrei. Sollte die ideale Kindheit nicht darin bestehen, selbstbestimmt seine Freizeit zu verbringen? (und das ganze Förderprogramm und die vielen Sport- und Musikkurse sind wieder ein anderes Thema…)

Leider hat die heutige Entwicklung auch auf das Bewusstsein der Gesellschaft einen negativen Effekt: die Kinder verschwinden aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit (hinter die Zäune und Mauern der Krippen, Horte und Ganztagesschulen etc.). Folglich schrumpfe die Toleranz der Erwachsenen, insbesondere der Kinderlosen. Das Gefühl für die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder geht verloren.
Das afrikanische Dorf, das so oft zitiert wird, es existiere hier nicht. „Die meisten Bewohner haben sich von den Kindern abgewandt, und die wenigen, die sich um den Nachwuchs kümmern, stehen in der Dorfhierarchie ziemlich weit unten.“

„Familienpolitik dient vor allem dazu, den Sozialhaushalt zu entlasten, ausreichend Nachschub für den Arbeitsmarkt zu produzieren und mehr Steuereinnahmen zu generieren. Die Interessen und Wünsche der Familien? (…) Höchstens Nebensache“, schreibt Rainer Stadler. Und zitiert die deutsche Regierung, wie sie 2005 folgendes festhielt: „Kinder dürfen nicht länger ein Hindernis für Beruf und Karriere sein.“ Hoppla! Die Zukunft des Landes, ein Hindernis? Laut Stadler geht es darum, die produktiven Kräfte der Gesellschaft von ihren sonstigen Verpflichtungen zu befreien. So wurde die Pflege und Betreuung der Alten bereits aus vielen Familien ausgelagert. Und jetzt ist der Nachwuchs an der Reihe… und nicht nur das. Der Staat masse sich auch an, der bessere Erzieher zu sein. Sollten wir Eltern uns das gefallen lassen? Ursula von der Leyen wird wie folgt zitiert: „Ein Kind braucht mehr Anregungen und Impulse, als die Mutter allein ihm geben kann.“ Das ist nicht nur anmassend, das widerspricht auch der Wissenschaft, die feststellt, dass ein Kind in den ersten vier Lebensjahren von seinen Eltern mehr lernt als in der gesamten Schulzeit(!).
Stadler dazu auch: „Eltern sind und bleiben unersetzlich für ihre Kinder. Sie sind die einzigen Menschen, die von der Natur mit der Fähigkeit ausgestattet wurden, ihr Kind ohne Wenn und Aber zu lieben. Das ist der fundamentale Unterschied zu jeder noch so qualitativ hochwertigen Betreuung oder Förderung. Diese einmalige Beziehung lässt sich nicht auslagern. Sie muss immer wieder erneuert werden und das braucht Zeit. Emotionale Nähe lässt sich nicht spontan oder unter Zeitdruck herstellen und schlicht organisieren, sondern setzt gemeinsame Erfahrungszusammenhänge voraus. Eltern sollten sich diese Aufgabe nicht leichtfertig abnehmen lassen. Und wenn sie sich dennoch dazu entschliessen, sollten sie zumindest die Risiken nennen.“ Doppelverdiener-Eltern hätten „längst verlernt, mit den Kindern spontan etwas zu unternehmen, ohne dass es gleich zu viel kosten müsste“. Am Wochenende wolle „alles kompensiert und wieder gut gemacht“ werden. Quality Time – ein „Schwachsinn“. „Familie lässt sich nicht in jene Lücken pressen, die die Erwerbsarbeit noch nicht besetzt hat“.
Übrigens seien Kinder sehr wohl fähig, auch zu Grosseltern tragbare Bindungen zu entwickeln, auch Tagesmütter oder Krippenerzieherinnen könnten vorübergehend das Bedürfnis nach emotionaler Nähe befriedigen. Das erfordere jedoch die konstante Anwesenheit einer Person, die sich höchstens noch um ein oder zwei andere Kinder kümmert. In der Praxis sieht das leider oft anders aus.

„Arbeitszwang statt Wahlfreiheit“ heisst es bei Stadler. Und er zeigt auf, warum Eltern zunehmend gezwungen sind, zu arbeiten. „Noch vor wenigen Jahrzehnten verdiente ein Fabrikarbeiter genug, um die ganze Familie zu versorgen – das ist heute selbst in den meisten Akademikerhaushalten eine Utopie. Tiefere Löhne – eine Folge der Globalisierung.“ Wahlfreiheit existiere auch bei Alleinerziehenden nicht mehr. Lange Zeit hätten diese von Sozialhilfe leben können. Seit der Einführung der Hartz-Gesetze sind Alleinerziehende verpflichtet, spätestens zum dritten Geburtstag ihres Kindes wieder zu arbeiten.
Ein Wort zum Feminismus. Laut Stadler werden neuerdings die Frauen kapitalisiert, während die Männer sich nicht ändern müssen. Eine Frau gelte nur als emanzipiert, wenn sie ihr eigenes Geld verdiene. Der Druck steigt. Denn oft bleiben Kinder, Haushalt etc. nach wie vor ebenfalls an der Frau hängen. Merkel sagte dazu einmal: „Die, die gesagt haben, dass Gleichberechtigung Erwerbstätigkeit bedeutet, haben kaum oder gar nicht darüber nachgedacht, was aus all den Tätigkeiten werden soll, denen die Frauen früher nachgegangen sind.“ Stadler schreibt, dass von den meisten Feministinnen leider kein Protest dagegen komme, dass die Arbeit der Frauen zu Hause und für ihre Familie nicht ansatzweise honoriert wird. „Statt die immensen Leistungen (…) endlich finanziell anzuerkennen, wird diesen vermittelt, dass sie ihre ökonomische Unabhängigkeit durch eine Erwerbstätigkeit ausser Haus sicherzustellen hätten“, bemängelt die Juristin Eva Schumann. Dem Staat sei die Betreuung seines Nachwuchses zwar Geld wert, aber nur, solange diese nicht durch die Eltern selbst erfolge, meint Stadler. „Die Eltern sind für den Arbeitsmarkt zu wertvoll, als dass ihre Ressourcen für die Betreuung der eigenen Kinder verschwendet werden könnten.“ Eine „spürbare, finanzielle Anerkennung der Arbeit, die insbesondere Mütter im Haushalt und bei der Erziehung ihrer Kinder leisten“, fehlt leider.
„Dass ihnen die Kindererziehung nicht allein aufgebürdet werden soll, werden sicher viele Frauen unterschreiben. Aber warum die Eltern deshalb ihre Kinder nur noch vom Kollektiv versorgen lassen sollten, ist weniger nachvollziehbar.“
Zudem suggeriere der Staat den Eltern, die Einheitslösung Krippe sei für jedes Kind das Beste. Auch der Arbeitgeber macht oft Druck, eine individuelle Eingewöhnung, die länger dauern kann, wird nicht selten verunmöglicht.

Wie gross der Einfluss der Politik ist, zeige sich auch darin, dass fast ausschliesslich die positiven Auswirkungen der Fremdbetreuung gewürdigt werden (z.B. in den Medien), während die negativen Effekte am Ende einer Meldung versteckt würden.

Auch das Thema Schule kommt bei Rainer Stadler auf den Tisch. Die Schule wird als „nicht besonders effizient“ bezeichnet. Sie überfrachte Kinder mit „abstraktem und totem Wissen“. Das Lernen mit Büchern wird als unnatürlich bezeichnet, die Institution Schule sei nicht kindgerecht. Es werden Beispiele aufgezeigt von Kindern, die nie eine Schule besucht haben und trotzdem fähig waren, einen Beruf zu erlernen. Das Thema Home- oder Unschooling/Freilerner ist aktueller denn je, kein Wunder also, dass es auch Stadler behandelt. Er führt auch auf, wie viele Adoleszente regelmässig unter psychosomatischen Beschwerden und depressiven Verstimmungen leiden. Kein Wunder bei dem Pensum, dass sie in der Schule absitzen müssen. Er kritisiert auch die Tendenz, das Abitur als Mass aller Dinge für möglichst viele Schüler einfordern zu wollen währenddessen die duale Berufsbildung, „seit jeher eine der grossen Stärken Deutschlands im internationalen Wettbewerb“ als geringer eingeschätzt werde.
Laut Stadler sind „seit geraumer Zeit Lehrer in Kindergärten unterwegs, um die Schulfähigkeit von Vier- und Fünfjährigen zu testen.“ Gleichzeitig sollen die Schüler „länger und mehr lernen“. Stadler: „Früher, länger mehr – eigentlich ein ziemlich massloser Anspruch für eine Institution mit einer so mittelmässigen Bilanz“. Dennoch will er sich von einer Pauschalkritik an der Schule distanzieren und nimmt die Lehrer in Schutz, da auch sie nur die Leidtragenden sind, die dem gewaltigen Druck von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft standhalten müssen.
Die Ganztagesschule, die von vielen gefordert wird, bezeichnet Stadler als Zumutung. Argument dagegen ist z.B., dass es für die Kinder anstrengend sein müsse, den ganzen Tag mit anderen zusammen zu sein, sogar beim Essen und beim Hausaufgaben machen. Bei ständiger Beschäftigung würden die Kinder zudem verlernen, sich selber zu beschäftigen. Die Freiheit wird eingeschränkt, die Kinder sind fremdbestimmt. Die „Ausdehnung der Zwangssituation Schule“ gehe „auf Kosten ihrer persönlichen Hobbies und Vorlieben, sowie von Tätigkeiten, die in keinem Lehrplan vorkommen, aber für das spätere Leben nicht weniger wertvoll“ seien.

Und zum Schluss noch ein kleines Fazit…
„Ob Eltern ihre Kinder zur Krippe schicken (und v.a. wie oft/lang), ist am Ende ihre Entscheidung. Aber ich will, dass sie alle nötigen Informationen zur Hand haben, um verantwortlich entscheiden zu können. (…) Die Eltern kennen ihr Kind selbst am besten. Und deshalb sollten auch sie entscheiden – nicht ihr Arbeitgeber, das Familienministerium, die Nachbarn, die Grosseltern oder eine wie auch immer geartete öffentliche Meinung.“

…und die Andeutung eines Zukunftsszenarios: „Es stellt sich die Frage, was die heutigen Kinder später einer Gesellschaft zurückgeben werden, die sie von ihren Eltern trennt, weil es wirtschaftlich opportun erscheint (…), wie viel Zeit sie noch bereit sind, für ihre Familien zu opfern, die für sie genau diese Zeit nicht opfern wollten oder konnten. Letztlich steht also der soziale Zusammenhalt auf dem Spiel.“

Wie sich die Stillbeziehung verändert…

Angeregt durch einen Beitrag, den „Frollein 0.2“ letztens schrieb (ein Stilltagebuch ihres jüngsten Babys), kam mir die Idee, dieses auszuweiten auf unsere Stilljahre und damit vlt auch etwas „Werbung“ für längeres Stillen zu machen (nicht, dass ich das müsste, denn ich kenne mitunter fast mehr Frauen, die mindestens 12 Monate gestillt haben). Weiterlesen

Buch-Rezension: "Das Geheimnis zufriedener Babys" von Nora Imlau

Mit „Das Geheimnis zufriedener Babys“ hat es meiner Meinung nach die Journalistin Nora Imlau zusammen mit dem bekannten GU Verlag geschafft, den bindungs- bzw. bedürfnisorientierten Umgang mit einem Baby an die (werdenden) Eltern zu bringen. Als ich selber jeweils schwanger war, waren die Regale zwar gut gefüllt mit allerlei Ratgebern, inhaltlich gleichten sie sich jedoch oft wie ein Ei dem anderen. Weiterlesen

Buchrezension: "Liebe & Eigenständigkeit" von Alfie Kohn

Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung

Ich habe es sowohl hier als auch auf anderen Kanälen nach der Lektüre bereits mehrfach geteilt: Dieses Buch ist ein Augenöffner!
Alfie Kohn zeigt auf, was wir wohl intuitiv alle schon wissen aber nicht näher verfolgen weil wir in herkömmlichen Erziehungslehren feststecken. Weiterlesen

Buchrezi: "Kindheiten" von Michaela Schonhöft

Wie Ihr wisst, bin ich mit meinen Rezensionen weit hintendrin, mangels Zeit, extrem mangels… nun, heute schaffe ich mal wieder eine (clap your hands, say yay! 😀
Das Buch musste ich, sh. oben, mangels… in mehreren Etappen lesen, weshalb Ihr mich entschuldigen müsst wenn ich Euch eine unzusammenhängende Rezi schreibe heute. Ich gelobe Besserung und arbeite seitdem mit Post-Its damit ich die wichtigen Stellen bei der Rezi nochmals verinnerlichen kann. Vlt wären Notizen auch eine Idee *grübel*. Egal…
Bitte entschuldigt, die Verwirrung mit den Aufzählungszeichen, hat irgendwie nicht so ganz geklappt, Punkte, Quadrate und leere Punkte sind gleichwertig anzusehen, es gibt keine Unterpunkte 😉 Danke!

Weiterlesen

Buch-Rezension: "Natürliche Wege zum Babyglück" von Nadine Wenger

Ich weiss, ich bin schwerst nachlässig was die versprochenen Buchrezensionen betrifft aber wie Ihr wisst, war das letzte Jahr, insbesondere die letzten Monate und Wochen v.a. dem Hausbau und Um- und Einzug gewidmet und abends gehen die Kinder spät ins Bett und meistens will ich dann einfach nur noch ein bisschen stricken und bin zu müde zum Lesen. Weiterlesen