Sanfte Eingewöhnung…

Und nun komme ich endlich wieder mal dazu, einen persönlichen Beitrag zu schreiben. Dies, während das Mäuschen gerade in der Kita weilt. Ihr habt ja, wenn Ihr ab und zu hier mitlest, sicher mitbekommen, dass uns die Eingewöhnung des Mäuschens in der Kita bevorsteht. Diese Woche war es nun soweit und damit alles reibungslos laufen konnte, hatte ich so wenig wie möglich Termine ausgemacht, denn wir würden jeden Morgen in der Kita sein. Weiterlesen

Ich wär‘ so gern ’ne eierlegende Wollmilchfrau…

Täglich glaube ich, ihr irgendwo zu begegnen. In einer Zeitschrift, auf der Strasse, auf Instagram. Die eierlegende Wollmilchfrau scheint überall präsent zu sein. Nur nicht dort, wo sie am meisten gebraucht werden würde, nämlich hier. Ich gebe zwar Milch, immerhin. Für mein Baby reicht’s. Aber mit dem Rest hapert es deutlich. Ich stehe morgens auf, fange dies und jenes an und bringe doch nichts zu Ende. An manches fang’ ich gar nicht mal an zu denken – für die nächsten 4 Jahre nicht.

Ein flüchtiger Blick in den Spiegel verrät, dass mein Körper noch immer eine Baustelle ist. Eine Dauer-Baustelle, an der ständig was leckt. Haut und Figur sind ein Drama, wahlweise Nägel oder Haare sind immer zu lang. Und, nein, ich meine nicht die auf dem Kopf, die ich vorausschauend abgeschnitten habe. Hier stört mich nur der Ansatz. Die Augenbrauen sollten dringendst nachgestochen werden (Permanent, you know).
Gelegenheit, irgendwas zu richten, bleibt nicht. Das Baby auf dem Arm, die Baustelle bleibt.

Die eierlegende Wollmilchfrau war schon auf Insta. Umwerfend sieht sie aus. #iwokeuplikethis #nofilter schreibt sie nonchalant ihren 12k Followern. Ihren Astralkörper versorgt sie dann mit einer hypergesunden #buddhabowl mit #chia, selbstgemachter Mandelmilch und #acai, weil: Antioxidantien #galore.
Das Foto, das sie von sich und der Bowl gemacht hat, entspricht dem aktuellen Trend leicht überbelichteter, heller Bilder. Andere hätten eine Stunde damit zugebracht, Setting und Kamera optimal für dieses Foto einzurichten.

Ich giesse mir ein nicht veganes, überzuckertes Müesli an und schalte die Kaffeemaschine an #butfirstcoffee

Im Laden schiebt sie vor mir den Einkaufswagen. Bio-Gemüse und Buchweizen, Size-Zero-Jeans und Cardigan. Kein einziges Haar steht ab. Sie hat bereits die 10km-Joggingrunde und die Bügelwäsche hinter sich und ihre Kinder freuen sich auf die Süsskartoffel-Pommes, die sie zum Mittagessen versprach.
Ich schlurfe mit meinen Gummilatschen am Schokoladenregal vorbei, das Baby in der Trage verdeckt immerhin die Milchflecken auf meinem ausgewaschenen XXL-Shirt.
Zuhause angekommen merke ich, dass ich das Brot vergessen hab‘ und nach einer kurzen Stillpause um 11.25 Uhr muss ich aus dem Kühlschrank improvisieren. Den Grossen vertröste ich mit Hausaufgabenhilfe auf den Papa, der Maus kann ich nur mit halbem Ohr zuhören, weil das Mäuschen weint. Ich verschicke rasch die Rechnung an einen Kunden und stelle fest, dass ich die falsche Jahreszahl drauf stehen habe.

In ihrem Haushalt kommt ein strahlender Ehemann nach Hause. Der Sohn sitzt bereits an selbständig erarbeiteten Zusatzaufgaben, die Tochter deckt den Tisch. Sie erzählt von einer erfolgreichen Telefonkonferenz mit ihrem Kunden in NY.

Der nächsten begegne ich auf Facebook. Sie jongliert ganz alleine Kinder, Job, Studium, Bullerbü und Nachhaltigkeit. Nach 5 Minuten stehen da bei jedem Foto gefühlt 50 wohlwollende Kommentare, mindestens 20 davon finden irgendwas am Kind total süss. Eine Frau ohne Fehler.
Auch wenn man sich natürlich in den sozialen Medien beliebig darstellen kann, so glaube ich doch, dass man sich nicht verstecken kann. Die eierlegende Wollmilchfrau kann gar keine Fehler haben, ich würde es ihr genauso anmerken wie sie es mir, wenn ich nicht sowieso schon so ehrlich wäre, wie ich es nun mal bin.

Meine Kinder streiten sich derweil um 5cm auf der 2m langen Couch als ginge es um das letzte Gummibärchen auf Erden. Diese Auseinandersetzung wird spätestens dann punktgenau ihren Höhepunkt finden wenn der Mann abends zur Tür hereinkommt. Zeitgleich wird das Baby quengeln, das Abendessen sich nicht von selbst auf den Tisch bringen, das Kartenhaus zusammenfallen.

#latergram #endlichzeitfürmich Sie hält ihren Yogi-Tee und sitzt da so im Schneidersitz mit ihrer destroyed Jeans, Woll-Cardigan, frisch lackierten Nägeln und einem anspruchsvollen Buch.

2 Stunden später habe ich Zeit für die Wäsche, die Kinder wälzen sich in den Schlaf. Beim Blick durch das Wohnzimmer muss ich beide Augen zudrücken um das Chaos auszublenden. Ich mache kein Foto #fürmehrrealitätaufinstagram und verschiebe einen Blogbeitrag. Schon wieder.

Ihre Insta-Story berichtet von ihrem 10. Hochzeitstag, zeigt Blumen, Candle-Light-Dinner und ein Paar-Selfie.
Der Mann und ich verabschieden sich müde zu je einer Tochter in die Schlafzimmer.

Würde die eierlegende Wollmilchfrau hier leben, wäre alles sauberer, heller, gesünder, hübscher, erfolgreicher, perfekter, glücklicher. Ich weiss nicht, wie sie es macht. Ich habe keine Ahnung. Auch wenn ich nur einen Bruchteil von ihr hätte, es wäre für mich ein tagesfüllendes Programm. Vielleicht kommt sie von einem anderen Stern?
Ich bereue es, nicht so zu sein. Ich hätte gerne glücklichere Kinder, einen zufriedeneren Mann und einen vorzeigbaren Haushalt. Ich hätte gerne meine Terminplanung im Griff und (überhaupt!) einen perfekt-gesunden Einkaufs- und Menuplan für die Woche. Ich hätte gerne Kleidergrösse 36 und ein Dauer-Abo fürs Crossfit.

Die eierlegende Wollmilchfrau ist für mich so unerreichbar, dass ich sie vielleicht einfach ausblenden sollte. Denn vermutlich kann ich mich noch so anstrengen, ich werde nie so sein. Ich bin trotzdem glücklich. Ich staple meine Ansprüche tief.
Ich weiss nur nicht, wie das für den Rest meiner Familie ist. Für mein Baby reicht’s. Es bekommt ja die Milch und so. Aber was ist mit den anderen? Sollte ich mich für sie nicht mehr bemühen? Sollte ich nicht wenigstens versuchen, ein bisschen mehr eierlegende Wollmilchfrau zu werden, egal wie anstrengend es wäre? Ich weiss, irgendwann wird vieles besser, zufriedenstellender. Aber nie perfekt. Und ich fürchte, die eierlegende Wollmilchfrau, das wäre dann auch einfach nicht mehr ich

5 Monate Mäuschen

Schwuppdiwupps, schon 5 Monate alt bin ich! Hat sich seit dem Letzten Update irgendwas getan? Nöööö… alles ruhig bei mir. Bis auf die Nächte. Da wache ich gegen Morgen oft ein paar Mal auf und neste herum. Aber Mama kennt das ja und kommt notfalls auch mit weniger Schlaf aus (Mama findet zwar, dass dem nicht so ist… *g*).

Ich stille noch frisch und fröhlich und das passt mir wunderbar. Für Beikost ist es noch zu früh. Es interessiert mich weder sonderlich, noch brauche ich es schon. Mal sehen, wann es so weit sein wird. Mama ist ganz froh, dass sie mich einfach nur stillen muss, das ist von allem der geringste Aufwand und Mama halt ’ne faule Socke.

Mit dem „windelfrei“ klappt’s grad auch nicht mehr so. Ich hab‘ nicht immer Lust darauf und wenn, dann versteht mich Mama des öfteren falsch. Zudem klappt das Pieseln so gut wenn ich halb aufrecht bin, also im Newborn-Aufsatz vom Tripp Trapp, in der Wippe oder im Autositz. Da legt Mama drum immer eine Windel drunter.
Nachts klappt’s am besten, da weiss Mama, dass ich die erste Phase gut durchkomme und nach dem Stillen wieder einschlafe, und in der zweiten Phase drückt die Blase, da hebt sie mich dann rasch auf’s Töpfchen zum Pullern, dann nochmal stillen und weiterschlafen. So darf ich nachts ohne Windel schlafen.

In Sachen Bewegung hat sich bei mir nicht viel getan – ich stagniere sozusagen. Dafür habe ich so vor 2-3 Wochen damit begonnen, ein wenig gezielter zu greifen. Gemerkt hat Mama das, als ich ihr beim Hamburger-Essen im Ravensburger Spieleland fast den Burger aus der Hand riss. Meine grossen Geschwister fanden das urkomisch 😀

Ansonsten bin ich fit und munter. Einen Rhythmus nach der Uhr habe ich nicht. Tagsüber schlafe ich selten mehr als 30 Minuten und wenn, dann genau dann, wenn Mama eigentlich los wollte/muss, hehe… für Mama ist das etwas doof, ich weiss, v.a. weil ich kaum gestillt und abgelegt, schon wieder motze weil ich müde bin oder mir langweilig ist… so ist Mama gefühlt ständig mit mir beschäftigt, aber das kennt sie von den Grossen ja nicht anders und weiss, dass es irgendwann auch wieder anders ist 😉

Eigentlich bin ich ja ein Sonnenschein und überrasche sie meist in Situationen, in denen sie denkt, dass es gar nicht klappen wird, damit, dass ich das zufriedenste Baby bin – so wie z.B. bei ihrem ersten Friseurtermin, auf dem Geburtstag meines Göttis usw.

So, folgt ihr mir weiter? Mitten im Sommer werde ich 6 Monate alt und vielleicht wollt Ihr ja wissen, was sich bis dahin alles tut…? 🙂

Voll was los…

Mein letzter Eintrag liegt nun schon eine Weile zurück. Ich habe anstrengende Tage und Nächte hinter mir. Das „Highlight“ war wohl der sonntagabendliche Kinderarztbesuch mitten im Raclette-Essen für unsere Trauzeugen. Mein Sohn hat derart gehustet, dass mir Angst und Bange wurde. Kaum im Auto war der Anfall weg und ein Zäpfchen und ein paar Tropfen später fand er einen langen, erholsamen, tiefen Schlaf. Weiterlesen

So ist es!

Das ist übrigens das Verrückte am Muttersein und an den Kindern: Sie treiben einen in die Wahnsinn (und in die Schokoladensucht) – siehe vorheriger Eintrag – und trotzdem liebt man sie abgöttisch. Und war man mal eben ungeduldig, böse oder grob, dann bereut man es sofort und verfällt sofort in grosse Selbstzweifel. Aber das ist scheinbar normal, dass man sich für eine schlechte Mutter hält. Das Problem dabei ist: Es gibt wirklich schlechte Mütter. Das erfährt man täglich irgendwie in den Medien. Und woher weiss ist, dass ich nicht dazu gehöre? Und sind nur die Mütter gut, welche ihre (ur)eigenen Bedürfnisse völlig ausblenden? Und bin dann ich eine schlechte Mutter wenn ich mein Kind weinen, quengeln, warten lasse, weil ich grad noch ’ne Mail fertig schreiben will? Wenn ich nicht mit meinem Kind spiele, weil ich grad damit beschäftigt bin, mir was zum Anziehen rauszusuchen. Wenn ich mein Kind in den Kinderwagen packe und bei H&M Kleider ansehe? Bin ich deswegen eine schlechte Mutter? Ganz ehrlich: Ich bin da nicht über jeden Zweifel erhaben…

Warum macht MEIN Kind das nicht?

Wer die fantastische Serie „Desperate Housewives“ verfolgt, weiss, dass zwei Mütter mit Schulkindern ständig im Clinch liegen, damit ihr Kind besser ist als das andere. Und lacht im Idealfall darüber. Hätte ich keine Kinder, würde ich wahrscheinlich auch darüber lachen und sagen „Sowas machst Du dann nie!“ Denkste! Weiterlesen

Grenzenlose Einsamkeit

Kennt Ihr diese Tage, an denen man nur noch heulen will? Weil man den ganzen Tag auf sich allein gestellt ist? Die Eltern nicht da oder keine Zeit haben? Der Bruder genausowenig. Und dann auch noch der Mann sagt, dass es heute Abend sehr spät wird. Und dann ist da dieses kleine Würmchen, dass ganz perplex schaut, wenn die Tränen kullern. Und man will und sollte doch für es da sein. Und will doch aber einfach nur weinen im stillen Kämmerchen. Weiterlesen

Der erlauchte Kreis

Heute Nachmittag war Babytreff. Sechs Frauen, sechs Babys. Ist immer lustig, immer spannend. Zu sehen wie sich die Babys, die alle etwa gleich alt sind entwickeln, zu hören, was die anderen Mütter, die auch alle etwa gleich alt sind, so erleben, was sie für Sorgen haben, was für einen Rhythmus, wie die Kinder schlafen, ob sie schon Brei essen etc. Man spricht aber auch über Hausbau, beklagt sich über hilflose Ehemänner und tauscht Kuchenrezepte aus. Wow! Nun gehöre ich also auch in den erlauchten Kreis der hoffentlich noch nicht verzweifelten Hausfrauen. Fühlt sich irgendwie gut an. Nur das Haus fehlt noch 😉 Trotzdem: Gefühlt vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch meinem Bruder ins Auto – sorry – gereihert, weil ich im Hubraum (angesagtes, mittlerweile geschlossenes Partylokal hierzulande) einen Long Island Ice Tea zu viel getrunken hatte. Nein, ich war nicht 16, ich war 28 und ja, das kann man noch machen mit 28 wenn man unverheiratet und ohne Kinder ist. Zu lauter Rockmusik herumtoben, Leute anrempeln, Fremden zuprosten und erst um 5 Uhr in der Früh nach hause fahren. Das mache ich dann vielleicht wieder wenn ich 48 bin und mein Mann und ich uns mal die Kante geben wollen nachdem wir richtig gut gegessen, viel Wein getrunken und uns über die Schulnoten, Marotten und Launen unserer drei halbwüchsigen Kids den Mund fusslig geredet haben. Ja, das wär‘ lustig, das wär‘ schön. Ich freu‘ mich schon drauf!

Nota bene:

Eine Mutter machte mich darauf aufmerksam. Festgesessen in eben genau dem Rollenbild, das frau seit geraumer Zeit versucht, umzustossen, habe ich in meinem vorangegangenen Beitrag die Männer unter den Tisch fallen lassen. Wo immer „Mütter“ steht, kann man natürlich genau so gut „Väter“ einsetzen. Das ändert aber nichts daran, dass die Kinderbetreuung nicht mehrheitlich in fremde Hände gehört. Die Eltern, egal ob schwergewichtig Mutter oder Vater – idealerweise beide, sollten die zentrale Bezugsperson des Kindes bleiben. Im Geburtsvorbereitungskurs wurde uns werdenden Eltern die Aufgabe gestellt, anzugeben, zu wie vielen Prozent wir nach Ende des Mutterschaftsurlaubs arbeiten werden und zu wie vielen wir gerne arbeiten würden. Dabei ging es lediglich um die Aufteilung Mutter-Vater. Die meisten gaben ein „Ist“ an, bei dem der Vater zwischen 80 und 100%, die Mutter etwas weniger, beschäftigt sein wird. Das „wäre schön wenn“ ergab meist ein 50-50.

Als meine Eltern sich diese Gedanken machen mussten, entschieden sie sich für das klassische Modell. Meine Mutter verdiente zwar mehr als mein Vater, wollte aber ihre Mutterrolle wahrnehmen und ihre Stelle aufgeben. Mein Vater wäre bereit gewesen, mich zu betreuen und Hausmann zu werden – was er immer wieder betonte, wenn meine Mutter sich über ihre Situation beklagte. Damit wäre er wohl, Anfang der 90er Jahre, eine exotische Erscheinung gewesen. Doch trotz Bänz Friedli sieht es heute, 30 Jahre später, nicht viel besser aus.

Die Gesellschaft hat sich zwar in wenigen Jahrzehnten stark verändert, doch noch immer sind es die Mütter, welche ihre Beschäftigung einschränken oder aufgeben. Um dem entgegenzuwirken fördern die Regierungen Krippen, damit beides geht, anstatt, dass sie den Familien, die sich für eine (Beinahe-)Vollzeit-Betreuung ihrer Kinder durch Vater oder Mutter entschliessen, mehr Kindergeld in Aussicht stellen. So wäre wenigstens das finanzielle Problem keines mehr.

Und noch einmal: Eltern müssen und sollen zur Arbeit gehen. Wer wann zuhause bleibt, ist egal. Wenn beide arbeiten, darf ein Engpass auch mal durch Fremdbetreuung (also Kita, Nanny oder Tagesmutter) ausgeglichen werden. Dem Kind wird’s nicht schaden. Aber die fremde Obhut darf nicht die Überhand nehmen.

Besser und ganz ohne Kitas hat man’s früher gemacht und macht man es in anderen Kulturen noch immer: Das Zusammenleben in grossen Clans und Sippen sorgte dafür, dass die Kinder automatisch von mehreren Betreuungspersonen aufgezogen wurden. Eltern, Grosseltern, Onkel, Tanten, Geschwister, Nachbarn…

Über die Arbeit

Während meiner Arbeits-Zeit habe ich mich an den Tagen am lebendigsten gefühlt, wenn ich bis 2 Uhr nachts im Büro sass weil nach einem Tag, an dem ich mehr oder weniger ausser Haus war auf den nächsten Tag drei Zeitungsseiten gestaltet, 20 Magazinseiten zum Layout freigegeben und zwei Texte zum Gut zum Druck verschickt werden mussten. Man ist wer, man ist wichtig, wenn sogar der Chefredaktor vor einem nach Hause fährt. Natürlich geht sowas nur kurzfristig und das krasse Gegenteil, nämlich Däumchen drehen und warten, war viel häufiger der Fall. Solche Tage raubten mir völlig die Energie im Vergleich zu den erstgenannten, adrenalingeladenen Einsätzen. Und heute? Ich arbeite nicht bis 2 Uhr, nein, um 2 Uhr stehe ich bereits zum zweiten Mal auf und danach nochmals zwei mal. Als Mutter erledige ich einen 24/7-Job ohne Zvieripause und Wochenende. Ausschlafen? Was ist das? Wer bis 10 Uhr morgens im Bett liegt ist ein Schmarotzer und Tunichtgut! Oder so… Auf jeden Fall eine Belastung für die Gesellschaft, ja ja. Und jetzt das leidige Thema, ob Mütter zurück in die Mühlen sollen: Wenn sie nach der Kita-Rechnung noch Geld übrig haben, das sie brauchen um Reis und Mehl zu kaufen, dann von mir aus. Ist nicht mein Bier. Ist deren Problem, wenn sie das Wunschkind nur 2h täglich sehen und es sie erst nach drei Jahren Mama ruft, weil man ihm das so sagt. Wenn eine Mutter es für sich so zwei Tage die Woche tut, sieht es anders aus. Was ich hingegen nicht verstehe, sind Mütter, die wieder 100% in den Job zurückkehren und behaupten es wäre für sie und das Kind gut. Es ist für beide nicht gut. Auch wenn die Mutter behauptet, sich am Wochenende ganz besonders viel Zeit zu nehmen für das Kind und zufriedener sei als die ungepflegte Vollzeitmutti. Es ist purer Egoismus, mehr als nötig zu arbeiten. Mutterschaft aber ist zu 99% Altruismus. Man muss so gut wie allem entsagen, was man vorher hatte. Man lebt plötzlich in Ego-Askese. So muss es eine Weile lang eben sein. Das Leben kommt dann schrittweise wieder zurück. Ich war und bin noch nicht wirklich bereit, mich so aufzugeben. Niemand hat mich darauf vorbereitet. Und deshalb ist es so schwer, wenn man zum ersten Mal Mutter wird. Deshalb ist dieser Job der härteste von allen. Weil es an die Substanz geht, wenn dein Kind weint und weint und du es nicht beruhigen kannst. Es trifft dich ganz tief in deiner Seele. Und du existierst nur noch, um dieses kleine Wesen zu versorgen. Aber es hätte auch nichts genutzt, wenn mir das jemand gesagt hätte, denn wer glaubt das schon? Wie auch immer: Mütter die arbeiten gehen, flüchten ins kleinere Übel. Respekt vor denen, die sich der Vollzeit-Beschäftigung als Mami stellen. Sie werden zu richtig starken, belastbaren Frauen, die nachher keiner mehr anstellt. Seltsame Welt…