Buchcover "Daniel Wolff: Allein mit dem Handy"

„Allein mit dem Handy“ – ein Must-read für Eltern!

Für Zündstoff in allen Familien sorgt seit Jahren das Smartphone. Kein Wunder: ist es doch ein äusserst mächtiges Instrument, das Kinder, wenn nicht gut aufgepasst, schnell auf die dunklen Seiten der Online-Welt zieht.

Eins vorweg: das Buch von Daniel Wolff ist ein Augenöffner! Denn auch wenn man als Eltern glaubt, schon vieles zu wissen: nach der Lektüre sind wir alle nochmals ein Stück gescheiter. Nur umsetzen müssen wir das Gelernte dann noch.

Mir ist eines noch klarer geworden: beim dritten Kind wird das eigene Smartphone so lange wie möglich hinausgezögert. Und sobald sie eines bekommt, dann nur verbunden mit einem rigorosen Medienvertrag (Vorlage im Anhang des Buchs) und straffen Nutzungsregeln.

Die Eltern sind ahnungslos

Buchcover "Daniel Wolff: Allein mit dem Handy" Bei meinen älteren Kids, mittlerweile Teenager, waren wir damals definitiv viel zu arglos unterwegs. Und damit sind wir bei weitem nicht die einzigen, denn wie Wolff von vielen seinen Vorträgen an öffentlichen Schulen berichtet, hat ein Grossteil der Kinder Erfahrungen gemacht, von denen die Eltern nicht die leiseste Ahnung haben.

Um nur ein paar dieser Dinge zu nennen, und dies oft schon als Grundschüler:

  • Zocken bis spät in die Nacht oder sogar durchgemacht bis zum Morgen
  • Horror-Szenen/Gewalt-Videos gesehen
  • Mobbing
  • Viel Geld für Online-Games ausgegeben
  • Anzügliche Werbung gesehen
  • Sperren geknackt, welche die Eltern eingerichtet haben
  • Von Pädophilen kontaktiert worden

Es dürfte klar sein, dass die Kinder solche Erfahrungen nicht gesucht haben, das Internet aber alles andere als sicher ist für sie und deswegen eine intensive Begleitung und sehr bewusste Wahl von Apps und Einstellungen unabdingbar ist.

Wir sind alle ausgeliefert

Ein Blick auf die eigene Bildschirmzeit zeigt auf, wie ausgeliefert selbst wir Erwachsenen den Algorithmen und Spieldesigns da draussen sind. Wie sollen da unsere Kinder widerstehen, wenn selbst wir es kaum schaffen?

Wie perfide das Ganze ist und dass hinter vielem eine Milliarden-Industrie steht, die schon mit den Kleinsten viel Geld verdient, zeigt Wolff am Beispiel der Sendung „Cocomelon“. Die Produzenten testen die Episoden an Kleinkindern mit einem zweiten Screen, der „langweilige“ Videos zeigt.

Sobald das Kind auf den zweiten Screen blickt, wissen sie, an welcher Stelle sie die Episode „noch bunter, schriller oder schneller schneiden müssen, damit das Kind gar nicht mehr weggucken kann“.

Smarter Start ab 14

Obwohl ich mich schon relativ gut „informiert“ fühlte, war auch mir vieles nicht bewusst oder neu und bekräftigt mich nur noch mehr darin, mit der Herausgabe eines Smartphones so lange wie möglich zu warten. „Smarter Start ab 14“, wie im Buch empfohlen, finde ich super.

Social Media wird gar erst mit 16 Jahren empfohlen – aus gutem Grund. Skinnytok und Co. zeigen aktuell wieder, wie viel Einfluss und welche Gefahren davon ausgehen. Ganz zu schweigen von Pädophilen, die versuchen, Nacktbilder zu erpressen.

Doch wie lange hält man dem Druck stand, wenn viele Kinder aus der Klasse bereits ein eigenes Smartphone besitzen? Vermutlich schon zu spät kommt der Denkanstoss eines „Eltern-Pakts“, der in Deutschland schon an manchen Schulen umgesetzt wurde.

Weniger Smartphone, mehr Konzentration

Schliessen sich die Eltern einer Klasse zusammen und beschliessen, mit dem Smartphone noch zu warten, fällt nicht nur der Gruppen-Druck weg, sondern sind auch alle Schülerinnen und Schüler wacher und konzentrierter bei der Sache. Keine stundenlangen Ablenkungen und Berieselung, keine Gefahr der Abstumpfung und vieles mehr.

Ein Kapitel für sich ist das Thema KI. Während bereits wir Erwachsenen nicht mehr darum herum kommen, ist KI bei unseren Kleinsten besonders heikel. Die Gefahren reichen von „Hausaufgaben schnell und einfach mit KI“ bis zu „enge Bindung mit KI eingehen“.

KI auf den Stundenplan

Die Folgen allein für das Berufsleben sind erst ansatzweise absehbar weil KI immer mehr Jobs wegrationalisieren und verändern wird. Warum in der Schule noch Französisch lernen wenn KI alles auf einen Klick übersetzt. Doch hier hinkt der Stundenplan noch meilenweit hinterher.

Viel wichtiger wird es sein, ein Fach „Digitalität“ wie Wolff es nennt, einzuführen, indem Kinder den Umgang mit KI, das richtige Prompten etc. lernen und auch deren Gefahren wie Fehlinformationen und mehr kennenlernen um für die Zukunft vorbereitet zu werden.

Doch bis das Ganze umgesetzt wird, könnte es noch dauern. Uns bleibt nur, das Thema in der Familie anzugehen und in Sachen Smartphone als gutes Beispiel voranzugehen und wenn das nur schon ist, das Gerät neben den Kindern so wenig wie möglich zu nutzen und nicht mit ins Bett zu nehmen.

Und bei Euch?

Wie sieht Eure Smartphone-Nutzung aus? Wann dürfen Kinder ein eigenes Smartphone besitzen? Welche Apps dürfen sie nutzen? Und wusstet Ihr, welche Gefahren und „Nebenwirkungen“ die ganze Online-Zeit mit sich bringt? Dazu gehört übrigens auch, dass die Sehkraft sich verschlechtert!