Über das richtige Alter und die Zeit

Ich bin vor einigen Tagen auf einen Artikel über das richtige Alter, um Eltern zu werden, gestossen. Er entspricht meinen Gedanken zu diesem Thema. Ich bin mehr und mehr der Ansicht, dass 20+ ein besseres Alter ist als 30+ obwohl spätgebärend ja immer üblicher wird bei der Ausbildung der Frauen. Sehen wir mal… Natürlich muss das jeder individuell für sich entscheiden aber es gibt doch Argumente…

  • 20-

    Du bist selber noch ein Kind und steckst mitten in der Ausbildung. Dein Freund wird mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht ein Leben lang an Deiner Seite bleiben, geschweige denn Verantwortung (und Alimente) fürs Kind übernehmen (können). Prognose: Ungünstig!

  • 40+

    Hier beginnen die körperlichen Grenzen. Die Chance, schwanger zu werden sinkt genau so wie die Chance, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Klappt es doch, hält man dich vlt für die Grossmutter des Kindes. Bis du wieder in den Job einsteigen kannst, bist du schon fast pensioniert. Männer in diesem Alter haben, falls sie nicht bereits Vater sind, gut 20 Jahre lang den Duft der Freiheit eingeatmet. Sie sind beruflich etabliert, können sich Genuss genau so leisten wie Fernreisen und Porsche Cayenne und haben sich wahrscheinlich sexuell genau so ausgetobt wie in Sachen Sport (Base Jumping, Golf, Marathon). Jetzt noch Vater zu werden, bedeutet, die ganzen Freiheiten aufzugeben und den Egoismus mal beiseite zu stellen. Sicherlich nicht allzu einfach… Jobflucht ist ein Ausweg, den leider allzu viele suchen. Seitensprung ein anderer. Ich male vlt etwas schwarz hier.

  • 30+

    Wenn Du studiert hast, bist Du vlt noch nicht richtig im Berufsleben angekommen. Den Fuss, den Du jetzt noch nicht gefasst hast, wirst Du wohl nie mehr fassen. Als Frau mit Kind, die nicht gewillt ist, wieder zu 120% in den Job einzusteigen, bist Du in diesem Alter, sorry, abgeschrieben. Das bisschen Kohle, dass Du bisher verdient hast, hast Du in Shopping und Prosecco investiert. Du fängst gerade an, Spass am Reisen zu finden, Spass am ungezwungenen Sex und vlt dem Wunsch, beruflich was aus Dir zu machen, allenfalls ziehst Du eine Zweitausbildung in Betracht. Doch die biologische Uhr tickt und der nächste Mann, der Dir über den Weg läuft und kein Axtmörder ist, könnte ein potentieller Vaterkandidat sein. Wenn Du Dich jetzt nicht komplett gegen ein Kind entscheidest, beginnt jetzt der Spiessrutenlauf zwischen Speed-Dating und Ovulationstests.

  • 20+

    Jetzt kommen wir der Sache schon näher. Du steckst grad mitten im Studium? Bestens! Denn an Deiner Uni gibt es bestimmt eine Studenten-Kita mit günstigen Konditionen. Gibt es irgendwas, das flexibler ist als die Uni? Ein Semester pausieren? Kein Problem. Eine Vorlesung schwänzen weil das Kind Fieber hat? Geschenkt. Du lebst in einer WG? Dann ist der Babysitter ja gefixt! Aber auch wenn Du nicht studierst, springen Deine (Schwieger-)Eltern sicher gerne als Tageseltern ein, denn bei denen ist es ja auch noch nicht so lange her, dass sie sich um dich kümmern mussten. Die machen das gerne nochmal weil sie ja Deinem Flüggewerden nachtrauern.
    Aber auch wenn Du nicht studierst, solltest Du mit der Unterstützung Deines Umfelds (dies natürlich vorausgesetzt) gut über die Runden kommen. So ein Baby kostet ja anfangs noch nicht so viel, das Meiste bekommt man Secondhand und der Staat zahlt sowieso Kindergeld. Im Speicher oben steht sicher auch noch Deine alte Wiege rum. Oder das Barbie-Haus.
    Der ultimative Vorteil aber ist, dass Du mangels finanzieller Reserven noch keine grossen Pläne gehegt hast. Du fährst eine alte Schrottbeule und nennst sie liebevoll „Elsa“. Deine sportlichen Aktivitäten beschränken sich auf Gassigehen mit dem Hund der alten Dame von nebenan. Ans wenig Schlafen bist Du sowieso gewöhnt und körperlich bist Du in der Blüte Deines Lebens, das heisst Du bist fit genug, um auf dem Spielplatz mit den Kindern um die Wette zu rennen, fit genug um das Kind stundenlang rumzuschleppen und nachts zu bespassen. Du verpasst grad nicht sehr viel ausser dem neusten Blockbuster im Kino wenn Du jetzt Mama/Papa wirst. Du bist noch partiell abhängig von Deinen Eltern und wenn Dein Kind in die Schule kommt, dann kannst Du durchstarten. Dann kannst Du arbeiten, Dich weiterbilden, Yoga machen und Tupperwareparties schmeissen. Karriere kannst Du jetzt immer noch machen, derweil Deine Kinder ein Stipendium für die Uni bekommen.

Das ist jetzt alles recht subjektiv und mehrere Faktoren sind zu berücksichtigen ehe man sich in das Abenteuer Elternschaft wirft. Ja, es stellt Dein Leben auf den Kopf, total, egal, wann Du Mutter oder Vater wirst. Und ich bereue es nicht, genau mit 29 Jahren Mama geworden zu sein, denn ich habe erst kurz davor den Mann meines Lebens gefunden, den, mit dem ich mir Kinder wirklich vorstellen konnte. Ich hatte keinen Ansporn, gross Karriere zu machen. Ich wollte Mama werden. Hauptberuflich. Ich bin aber auch froh, dass ich nicht noch später Mama geworden bin, denn ich glaube, dass man je älter, desto egoistischer wird, mit jedem Jahr, dass man noch kinderlos verbringt. Und drum immer ungerner aufgibt, was man sich mühsam erarbeitet hat. Das Geld, die (Frei)zeit, die Musse, das Schlafen. Ich denke auch, dass das früher, zur Zeit unserer Grosseltern, noch anders war. Nur die wenigsten hatten Geld und Golf und Fernreisen waren genau so wenig Thema wie 3D-Kino und Gourmet-Spelunke. Der Egoismus ist proportional mit den Möglichkeiten gewachsen, die wir plötzlich haben um uns die Zeit zu vertreiben und das Geld um die Ohren zu hauen. Und darum wird es nicht einfacher, Kinder zu bekommen, nicht mit dem Alter und nicht mit der Zeit, in der wir leben. Und genau darum, denke ich, gibt es auch immer weniger Menschen, die willens sind, ihr Leben für Kinder zu opfern wenn allerlei andere Verlockungen und Selbstverwirklichungen um deren Gunst buhlen. Wisst Ihr, was ich meine? Der Wert „Familie“ wird längst nicht mehr sehr hoch eingeschätzt.

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