Stillen mit bald 3,5 Jahren

Mein letzter Eintrag zum Thema (Langzeit)stillen liegt nun schon etwa ein halbes Jahr zurück. Und wir stillen immer noch. In der letzten Zeit aber deutlich weniger wie mir gestern auffiel und so fand ich, das Thema habe wieder mal ein Update verdient 😉 Ich bin bei weitem nicht mehr die einzige, die ihr Kind über die gängigen Stilldauer hinaus noch stillt. Es ist so langsam wieder „normal“, dass Mütter auf ihren Instinkt hören und ihr Baby entgegen mancher gesellschaftlichen Konvention länger stillen – manche eben solange, wie es für sie selber und auch für das Kind passt. Ich gehöre auch dazu.
Spätestens ab dem 2. Lebensjahr empfand ich das Stillen in keinster Weise mehr einschränkend. Ein älteres Stillkind verlangt in der Regel seltener nach der Brust und stillt kürzer. Es geht nicht mehr um Nahrungsaufnahme sondern um Trost, Einschlafhilfe, Geborgenheit, Beruhigung etc. Stillen als Bindungselement, als emotionale Komponente. Übernachten bei der Nana war weder für mich noch für sie ein Problem. Davor hatte ich lange Bedenken aber sie stillte jeweils problemlos weiter wenn sie wieder zuhause war und die Brust bekam deswegen auch keinen Milchstau oder ähnliches.
Meine Tochter stillt seit langem tagsüber praktisch nicht mehr, das ist nichts Neues mehr. Bis etwa vor einem halben Jahr war das Hallenbad der einzige Ort, an dem sie tagsüber noch auf die Idee kam, stillen zu wollen. Vermutlich eine Mischung aus Müdigkeit (vom Planschen) und Zugänglichkeit der „Tankstelle“ 😉 Manchmal noch war Stillen auf dem Sofa zuhause ein Thema. Mit beiden hat sie aufgehört.
Auch das Stillen zum Einschlafen im Bett wird nicht jeden Abend verlangt. Manchmal ist sie nämlich so müde, dass sie nur neben mir liegt, mit Körperkontakt natürlich, und binnen weniger Minuten einschläft. Wenn sie stillen will, dann meist nur kurz. Entweder lässt sie selber los oder sie döst ebenfalls rasch ein, worauf ich sie dann problemlos lösen und aufstehen kann.
Nachts ist es unterschiedlich. Ist sie krank oder sonstwie unruhig, verlangt sie häufiger danach, manchmal ist es aber nur ein Rufen im Halbschlaf und sie schläft ungestillt wieder ein. Wenn sie stillt, dann unterschiedlich. Manchmal nur ein kurzes Nuckeln um wieder einzuschlafen, manchmal länger. Das ist dann auch der einzige Moment, in dem ich das Gefühl habe, dass sie tatsächlich trinkt, also noch Milch vorhanden ist. Da ich noch nicht, wie nach dem ersten Abstillen, auf Körbchengrösse A geschrumpft bin, oberweitentechnisch, nehme ich einfach mal an, dass die Produktion noch im Gang ist, wenn auch nur auf Sparflamme. Ab und zu sagt sie auch, ob Milch kam oder nicht, das ist süss 🙂 Wenn sie natürlich nur 2-3x nuckelt, fliesst keine Milch, klar.
Nun sind also, bis auf 2-3 verschnupfte/-hustete Ausnahmen, die Nächte seit einiger Zeit relativ ruhig. Sie wacht nach wie vor noch regelmässig auf, schläft aber normalerweise schnell wieder ein, meist eben auch ohne stillen (zu wollen). Ich finde ehrlich gesagt also, dass die Nächte wieder erholsam sind. Es ist natürlich noch kein Durchschlafen aber auch nicht mehr weit weg davon. Ja, sie schläft sehr gut und ich entsprechend auch. Bin morgens kaum mehr gerädert und stehe auch um 7 Uhr (wenn eins der Kinder schon um die Zeit erwacht) relativ problemlos auf. Ein Stück Lebensqualität kehrt zurück. Ich schiebe es aber nicht auf das Stillen oder das Familienbett, dass mein Kind in 3,5 Jahren vielleicht zwei Nächte durchgeschlafen hat, denn meinen Sohn habe ich früh abgestillt (mit 10 Monaten) und er musste früh im eigenen Bett schlafen und er begann trotz phasenweisen Durchschlafens erst im Alter von 4 Jahren oder sogar erst 4,5 (Kindergarteneintritt), definitiv durchzuschlafen. Zwei Kinder, zwei ganz unterschiedliche (Ein-)schlafbedingungen, zwei sehr ähnliche Verläufe, was das Aufwachen in der Nacht betrifft. Ich schätze also mal grob, dass es nun nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie ganz durchschläft. Ob sie sich zeitgleich abstillt oder ob sie zum Einschlafen oder direkt nach dem Aufwachen noch (ab und zu) stillen möchte, wird sich zeigen.
Einerseits begrüsse ich natürlich diese Entwicklung und bin stolz, erleben zu dürfen, wie meine Tochter sich ganz natürlich und von selbst entwöhnt, andererseits stimmt es mich natürlich traurig. Ja, das Stillen kann auch im Kleinkindalter noch anstrengend sein, zumindest in der Nacht, dennoch habe ich es zu 99% immer als Ruheoase empfunden. Es mag komisch klingen, aber sobald sie andockte, konnte auch ich mich entspannen, wurde dösig, schlief manchmal sogar selber ein. Ein natürliches Relax-Mittel sozusagen, wirksamer als jedes andere Mittel. Und natürlich genoss ich die Nähe zu meiner Tochter, konnte sie streicheln und halten wie ich es sonst nur im Babyalter konnte da lebendige Kleinkinder sonst kaum Zeit zum Kuscheln haben 😉 Ich schätze, die Stillhormone erledigen da einen ganz tollen Job 🙂
Mein Plan, zu stillen bis ein allfälliges(?) weiteres Kind auf die Welt kommt (um gar nicht erst wieder in den Wunde-Warzen-Schmerzen-Kreislauf zu geraten), geht wohl nicht auf, aber das lange Stillen hatte auch so dermassen viele Vorteile, dass es sich sowieso gelohnt hat.
Ich hoffe ich kann damit auch andere Mütter ermutigen oder beruhigen (letzteres evtl. für diejenigen, die es gerade anstrengend finden, die Bedenken haben oder Ängste egal welcher Art…)

2 Kommentare zu “Stillen mit bald 3,5 Jahren

  1. Ganz wundervoll geschrieben. Ich habe auch beide Kinder so lang gestillt wie sie es wollten. Zugefüttert habe ich bei beiden erst mit gut einem Jahr. Wir Frauen sollten viel öfter auf unseren „Bauch“ und auf unsere Kinder hören. Viele Herzliche Grüße, Anki ❤

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  2. Pingback: Stillen – Der Start mit Stillkind #3 | Mama mal 3

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