Schlafendes Baby

Schlaf, Kindlein, schlaf Mama…

Ich habe insgesamt von den letzten 8 Jahren etwa 7 Jahre nicht durchgeschlafen – so what? Jaja, ich weiss, mein lieber Mann wird an dieser Stelle den Kopf schütteln und sagen: „Von wegen „so what?“ Ich muss mir seit 8 Jahren anhören, dass Du müde bist!“ Ja, seit 8 Jahren, weil ich vermutlich im Jahr vor der Geburt des Mäuschens eine Weile durchschlafen konnte, aber nur so bis zum 3. Trimester vermutlich 😉

Und, ja, ich gebe zu, ich habe fast täglich irgendwann eine kurze Müdigkeitskrise und teile das dann auch mit. Und trotzdem: noch jede Krise ging vorbei wie sie kam – mit dem Resultat, dass ich um 23 Uhr, wenn ich dann mal ins Bett könnte, wieder fit bin 😀

Schlaf als Neu-Mutter…

Nach der Geburt meines Sohnes hing ich dem Schlaf noch wie eine Verrückte nach. Ich blieb im Wochenbett einfach nonstop im Pyjama um möglichst sofort ins Bett huschen zu können, wenn er schlief. Note to my former self: Die Devise „schlafen, wenn das Baby schläft“ ist definitiv ernst zu nehmen, aber übertreiben muss man es auch nicht. Man möge es mir aber nachsehen, denn als das Stillen noch nicht klappte, musste ich nachts aufstehen, um Milch abzupumpen und das ist ein wenig umständlicher… dazu kam das ständige Auswaschen und Abkochen eines Dutzend Pump- und Fläschchenteile. Es war ein Spiessrutenlauf! Der Schlaf des Grossen war aber auch lange danach noch eine Herausforderung. Etwa 4,5 Jahre lang.
Mit zwei Kindern unter 3 Jahren stand ich mit ihrem Schlaf-Habitus auch noch arg auf Kriegsfuss.

Mutter schläft neben ihrem schlafenden Baby

So schlafen müde Mamas im Wochenbett: nah am Baby, egal wie und wo 😉

Ich war im 3. Wochenbett immer noch erpicht auf möglichst viel Schlaf. Die ersten Wochen schlauchten mich halt immer immens und so war ich extrem allergisch auf jegliche unangemeldete Störung tagsüber, egal ob Telefon oder Türklingel. Aber im Grossen und Ganzen fand ich mich schon wesentlich entspannter 😉 Mein lieber Mann liess mich auch eine ganze Weile morgens liegen und versorgte die Grossen, das war Gold wert. Und eines habe ich nach all den Jahren gelernt: mich weniger unter Druck zu setzen im Sinne von „du musst jetzt schlafen, solange sie noch schläft“. Denn das klappt dann mit Sicherheit nicht. Ich lege mich also, wenn ich wirklich müde bin, einfach zu ihr hin, mache die Augen zu und schlafe dann meist schnell ein – vielleicht auch eine Fähigkeit, die mir dank Hypnobirthing erhalten blieb? Oft bin ich nach 10 Minuten wieder wach oder werde von ihr geweckt. Selten, wenn ich mich rechtzeitig hinlege und sie länger als eine halbe Stunde schläft, bin ich auch mal länger weg.

Siesta beim 3. Kind

Und das praktiziere ich bis heute wenn sie ihren Mittagsschlaf hält und ich auch sausaumüde bin. Manchmal habe ich Pech, will vorher noch 2-3 Mails schreiben, in Ruhe einen Kaffee trinke oder sonstwas am PC arbeiten (muss halt auch sein) und bis ich mich dazu entschliesse, mich zu ihr zu legen, ist sie wieder wach. Tja… selber schuld! Und dann kommt die Müdigkeit garantiert und schlagartig sobald ich mich stillend zu ihr lege und sie wieder fit ist.

Papa schläft mit Baby im Arm

Mit dem Grossen (damals Kleinen) schlief auch der Papa ganz oft tagsüber gemeinsam ein.

Jetzt habe ich etwas ausgeholt. Was ich eigentlich sagen will, ist, dass ich mir wünsche, dass diesen Text ganz viele lesen, die das mit dem Schlaf ihrer Kinder nicht so entspannt sehen. Die sich unter Druck setzen oder unter Druck gesetzt werden – von aussen. Ich möchte Euch etwas mit auf den Weg geben:

  1. Erwarte vor dem 4./5. Lebensjahr nicht, dass Dein Kind durchschläft und erwarte es auch auf gar keinen Fall vor dem 1. Lebensjahr.
  2. Es ist normal, dass Neugeborene eine Weile gut ein- und vielleicht sogar durchschlafen, das wenig später aber nicht mehr der Fall ist.
  3. Weder ein sättigender Brei noch ein zusätzlicher Schoppen, das (partielle) Abstillen oder das Ausquartieren führen dazu, dass Dein Baby eher durchschläft wenn es dafür noch nicht reif ist. Ausnahmen bestätigen die Regel! 😉
    Die Reife dafür ist etwas Individuelles und bei jedem Kind anders – manche haben sie früher, manche später. Du kannst das nicht pushen.
  4. Einschlafbegleitung ist nicht nur legitim, sondern wichtig, wenn Dein Baby noch klein ist und nicht von alleine einschlafen kann. Wie Ihr diese Einschlafbegleitung gestaltet (ja, auch Einschlafstillen ist super) und ob Ihr Euch dabei als Eltern abwechselt, steht Euch völlig offen, aber lasst Euer Baby nicht schreien!
  5. Lerne, Fragen nach den Schlafgewohnheiten Eurer Kinder zu ignorieren oder knapp und humorvoll zu beantworten, z.B. mit „klar schläft es durch, es erwacht nur zum Stillen“ 😉
  6. Schlaf‘ mit Deinem Baby im selben Bett, im Familienbett bzw. mit Beistellbett (Co-Sleeping) oder im selben Zimmer um selber möglichst erholsam durch die Nächte zu kommen. Gerade wenn man noch stilt, ist das die beste Garantie für genügend Schlaf. Wenn Dein Baby tatsächlich alleine besser schläft, dann ist das natürlich auch OK…
  7. Schlaf‘, wenn Dein Baby schläft. Ja, ich weiss, mit Geschwisterkindern ist das schwierig. Wenn sie klein sind, schlafen sie selber nachmittags meist noch und Du hast mit etwas Glück zwei schlafende Kinder neben Dir. Sind sie grösser, spricht nichts dagegen, ihnen neben Dir ein paar spannende Spielsachen herzurichten und einzunicken. Oder ihnen für ein halbes Stündchen das Tablet zu hinterlassen oder den Fernseher anzumachen. Meine Grossen sind mittlerweile auch alt genug, um sich selber zu beschäftigen. Und als das Mäuschen vor ein paar Wochen mit mir im Spielzimmer war, habe ich auf dem Sitzsack mal kurz die Augen zu gemacht und bin eingenickt, vermutlich nur für 5-10 Minuten, aber das hilft oft schon! Ja, 10min sind sogar besser als 40min, nach zu langen Schläfchen ist man nachher oft müder als vorher! Achtet einfach darauf, das in einem geschützten und babysicheren Raum (Stichwort Kleinteile oder Klettermöglichkeiten!) zu machen, im Spiel- oder Kinderzimmer, mit geschlossener Türe, damit sicher nichts passiert, wenn Ihr mal kurz wegdöst.
  8. Hol‘ Dir Unterstützung! Yep, es wäre gelogen, zu sagen, dass es easypeasy ist, mal eben jahrelang nachts auf Kommando verfügbar zu sein. Aber abgesehen davon, dass man sich daran gewöhnt, es dazu gehört und ganz natürlich und wichtig ist – für’s Kind, nachts aufzuwachen – sagt auch niemand, dass Du alleine damit klar kommen musst. Wechsle Dich an Wochenenden mit dem Papa ab oder wann immer es geht. Schick‘ die Grosseltern/Nachbarn/Tante/Freundin mit den Kindern ein Stündchen raus. Such‘ Dir zur Not einen Babysitter! Als die Maus noch zu klein für eine längere Betreuung ausser Haus war, hatte ich ein paar Mal eine Jugendliche aus der Nähe, die für 8-9 Franken ein Stündchen mit dem Kinderwagen spazieren fuhr damit ich in Ruhe etwas erledigen konnte während der Grosse bei der Nana war.
  9. Mach‘ Dir eins bewusst: die 8 Stunden, die wir am Stück schlafen, sind eine relativ moderne Erscheinung, eine Erfindung des Industriezeitalters und der Leistungsgesellschaft. Der Schlaf des Jägers und Sammlers war, auch zu seinem eigenen Schutz, fragmentiert. Spannend, weil mit diesem Wissen im Hinterkopf auch das Thema Schlafstörungen eine neue Perspektive erhält und die Lebensweise im Süden mit der mittäglichen, langen „Siesta“ plötzlich als viel sinnvoller erscheint. Ja, wenn wir alle selbstbestimmter leben könnten, wir würden vermutlich ganz andere Schlafgewohnheiten entwickeln. Gerade die „Eulen(unser Sohn ist definitiv auch eine und auch ich erlange meist, wie schon erwähnt, von 22-23 Uhr nochmals ein produktives Hoch), würden gerne bis in die Nacht noch herumwerkeln wenn sie dafür morgens länger liegen bleiben und nachmittags nochmals ein Weilchen schlafen dürften.
  10. Und noch was für Deine Einstellung, Mindset nennt man das heute: es ist normal, dass man in den ersten Jahren mit Kindern viele Dinge eine Weile lang entbehren muss. Die Beziehung kommt zu kurz, die Freizeit und eben auch der Schlaf. Aber es sind nur ein paar wenige Jahre und Schritt für Schritt kommt alles wieder zurück und man merkt, dass man eigentlich gar nicht sooo viel vermisst hat.

In diesem Sinne: Schlaf ist nichts Festes. Schlafen lernen muss Dein Baby/Kind nicht. Das kann es schon, auch wenn es vielleicht noch Deine Unterstützung braucht, um in den Schlaf zu finden. Denn das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit kann es, je kleiner es ist, noch nicht von sich aus erlangen.

Nein, es ist nicht einfach, im heutigen Umfeld der Leistungsgesellschaft und von hartnäckig sich haltenden, veralteten Meinungen dem Druck stand zu halten und sich komplett dem Kind anzupassen. Bedenke trotzdem, dass Du das ein Stück weit musst, solange es noch klein ist… aber ich gehe davon aus, dass Du damit schon gerechnet hast 😉 Und das schaffst Du auch, und zwar am besten, indem Du Dir so viel Unterstützung wie nur möglich holst und vieles delegierst, was du nicht zwingend selber machen musst.

Wie ist das bei Euch? Hattet Ihr Mühe mit dem Schlaf Eurer Kinder? Habt Ihr noch Fragen zum Thema? Wann seid Ihr an Grenzen gestossen und was hat Euch geholfen?

PS: Es gibt Fälle, in denen stimmt tatsächlich etwas nicht. Dann seid Ihr beim Kinderarzt am besten aufgehoben. Der kann Euch dann allenfalls weiter verweisen, z.B. an eine Schlafberatung.

Zum Titel dieses Beitrags: ja, wir wissen, dass auch Väter schlafen müssen, dürfen und sollen, aber meistens sind diese weniger schlafmangelgequält, weil sie so tief schlafen, dass sie selbst ein Presslufthammer nicht wecken könnte (oder den Tiefschlaf simulieren – fiese Unterstellung ;). Ich zumindest war in 8 von Zählen vor meinem Mann wach wenn eins der Kinder uns brauchte…

Schlaf

 

Ein Kommentar zu “Schlaf, Kindlein, schlaf Mama…

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